Wenn sich Amöben über Whatsapp zusammentun, leiden die Fische

Wenn zu viele Amöben aufeinandertreffen, wird das gefährlich. Wobei: Vielleicht wird das den Tieren auch nicht so ganz gerecht. (Foto: Pixabay / Weinert)
Redakteur / Regio-Onliner Ostalb

Im Homeoffice ist es nicht nur still, weil die Kollegen fehlen. Auch die Sprachlosigkeit macht sich wieder mal breit – und füllt den gesamten Raum. Wie 80.000 Liter Wasser ein Vorbecken verlassen, fließt hier der Glaube an die Menschheit in Sturzbächen davon. Und hinterlässt leeres Kopfschütteln, in hämmernd lauter Stille.

Online-User von Schwäbische.de interessieren sich derzeit natürlich hauptsächlich für die aktuelle und höchst brisante Corona-Lage. Nebenbei aber auch für die tiefen menschlichen Abgründe, die zuletzt an einem sonst so schönen Ort in Erscheinung traten.

Kurz zur Einordnung: Was wie die Aufgabe in einem durchgeknallten Videospiel klingt, ist im Ostalbkreis zur Realität geworden. Unbekannte Täter öffnen am Bucher Stausee die sogenannten Ablass-Schieber und legen das gesamte Biotop für Kleinstlebewesen, Fische und Vögel trocken. Nun mal ganz nüchtern: WER?! Und vor allem: WIE?!1 Nicht nur technisch, sondern auch gehirnlich.

Tolle Idee! Ich weiß zufällig, wo die Ablass-Schieber am Bucher Stausee sind.

Ein Gruppenmitglied

Fiktiver Whatsapp-Verlauf. Chat-Gruppe „Amöbenhirne“. Gruppenmitglied fragt: „Was machen wir heute Nacht so?“ Bing. Neue Nachricht. Es wird getippt. „Hm. Gute Frage, es ist ja zurzeit nicht sonderlich viel geboten. Lass uns doch mit einem 1,20 Meter großen Werkzeug die Fische umsiedeln. Ich hab‘ das noch in der Garage rumliegen.“ Daumenhoch-Emoji. Ein Dritter: „Tolle Idee! Ich weiß zufällig, wo die Ablass-Schieber am Bucher Stausee sind. Ich bin da früher als Kaulquappe durchgetaucht.“ Daumenhoch-Emoji.

Beinahe hofft man, dass ein schwerer Alkoholexzess im Spiel gewesen ist. Oder sonstige bewusstseinserweiternde Substanzen. Wobei hier weder von einem Bewusstsein noch von einer Erweiterung die Rede sein kann, wirklich nicht. Aber für eines war es zumindest gut: Diese Knaller haben kurzzeitig den Hass abgelenkt, der zurzeit überall wie wild tobt. Und auf sich gelenkt, gebündelt. Heldenhaft. Für eine Millisekunde war er vergessen, der Corona-Ärger und die Wut zwischen den Fronten – ein neuer „Feind“ war in der Stadt.

Wenn es andächtig still im Homeoffice wird, dann ist wieder ein absolutes Highlight über den Screen gehuscht. (Foto: Lämmerhirt/Weinert)

Aber so schnelllebig wie es nun mal ist, dieses Internet. War auch das nach nur wenigen Augenblicken vergessen und der bewährte Kampf zwischen Impfen, Ausgangssperre und Ansteckungen auf dem Weihnachtsmarkt wurde unerbittlich weitergeführt.

Apropos schnelllebig. Erinnern Sie sich an die Folge dieser Kolumne, als es um ein Stück Sportboden ging? Unbekannte hatten in Lauchheim ein zehn auf 20 Zentimeter großes Stück aus der Tartanbahn herausgeschnitten. Ob man da überhaupt noch einen draufsetzen kann, fragten sich alle. Was waren wir naiv.

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