Manchmal sind eine Umarmung und ein nettes Wort, das, was ein Mensch braucht.
Manchmal sind eine Umarmung und ein nettes Wort, das, was ein Mensch braucht. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung

Worte können verletzen, sie können aber auch Seelenschmeichler sein. Harald Maier, Ergotherapeut aus Fridingen, setzt sich in seinem VHS-Kurs am Donnerstag, 29. November, mit der Wirkung der „heilsamen Worte“ auseinander. Er will erklären, was „heilsame Worte“ sind, wie man sie im Alltag einsetzt und wie wichtig sie im Umgang mit alten und gebrechlichen Menschen sind. Mit Redakteurin Marilena Berlan sprach er erstmals darüber.

Herr Maier, finden Sie, dass der Ton in der heutigen Gesellschaft rauer geworden ist?

Ich bin ein Gegner von Verallgemeinerungen und „die Gesellschaft“ kann ich auch nicht komplett beobachten. In meinem persönlichen Alltag kann ich nicht bestätigen, dass der Ton im Vergleich zu früher schroffer geworden wäre. Was ich jedoch beobachte ist, dass der Ton im TV rauer geworden ist, vor allem in manchen Krimis und in vielen alltäglichen Sendereihen. Hier habe ich Angst, dass dies auf einige Zuschauer abfärben könnte.

In Ihrer Kursbeschreibung merken Sie an, dass im Umgang mit alten und gebrechlichen Menschen ein falsches Wort zu einer schallenden Ohrfeige werden kann. Fühlen sich ältere Menschen etwa schneller angegriffen als vergleichsweise jüngere? Und liegt das am Alter oder doch eher am Charakter des Einzelnen?

Wie auch so viele andere Verhaltensweisen, so ist auch dies keine Frage des Alters, sondern des Charakters. Das Alter wird allzu oft ungerechterweise als Ausrede benutzt. Wer mit offenen Augen und mit offenen Ohren durchs Leben geht, wird dies bestätigen können.

Was sind „heilsame Worte“? Können Sie ein Beispiel aufzeigen?

Heilsame Worte sind Worte oder Sätze, die dem Gegenüber im Gespräch das Gefühl vermitteln, dass er wert- geschätzt und ernst genommen wird. Heilsam kann sich zum Beispiel auswirken, wenn ich antworte: „Das glaube ich Ihnen“ , wenn jemand von seinen Schmerzen, Ängsten, Nöten oder Sorgen berichtet.

Was kann ich tun, um das heilsame Wort zur richtigen Zeit zu finden?

Wichtig ist vor allen Dingen, sich der unheilsamen Worte bewusst zu werden, um diese im Alltag möglichst zu vermeiden.

Wie kann man das üben?

Dazu muss man wissen: Worte sind nach außen getragene Gedanken. Das heißt, jedes Wort, jeder Satz, den ich spreche, ist mir zuvor bereits durch den Kopf gegangen, meist unbewusst. Gute Therapeuten sind geschult darin, in Gesprächen sich ihre Worte ganz bewusst durch den Kopf gehen zu lassen. Dies kann man aber auch als Laie lernen. Sprechen Sie Ihren Satz nicht sofort aus, sondern hören Sie ihn sich in Ihren Gedanken kurz an. Und überlegen Sie dabei, wie dieser Satz auf ihr Gegenüber wirken könnte. Dies dauert meist nur drei bis vier Sekunden. Wenn Sie das öfter probieren, werden Sie feststellen, dass es funktioniert. Natürlich nicht immer, aber das tut es bei mir auch nicht immer.

Was kann man mit dem falschen Wort anrichten?

Falsche Worte können wie eine schallende Ohrfeige wirken. In meiner täglichen Arbeit als Ergotherapeut schildern mir die Patienten oft, wie sehr sie durch Worte verletzt werden. Manchmal habe ich sogar das „Glück“, direkt in einer solchen Situation mit anwesend sein zu dürfen und setze mich dann höflich, aber konkret für den Gekränkten ein. Am häufigsten fallen Sätze wie: „Du musst zufrieden sein!“ oder „Es könnte ja noch viel schlimmer sein.“ Manche dadurch verletzte Menschen erzählen mir dann: „Dem hätte ich am liebsten den Hals umgedreht.“

Was erwartet die Teilnehmer in Ihrem Kurs?

Ein kurzweiliges, abwechslungsreiches und auch unterhaltsames Programm. Es gibt viele gute und schlechte Beispiele zu hören und dadurch werden Sie sensibilisiert für die heilsamen und vor allem für die unheilsamen Wörter. Es gibt vieles zum Nachdenken und auch etwas zu Lachen. Denn Lachen ist schließlich auch heilsam.

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