Wenn die Queen mit dem Trolley loszieht

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Deutsche Presse-Agentur

Queen Elizabeth II., vielleicht im lavendelfarbenen Kostüm samt passendem Hut und abgestimmten Handschuhen, an der Hand einen Rollkoffer. Einen Rollkoffer? Seit wann muss die britische Monarchin ihr Gepäck denn selbst ziehen?

Seit Emma Tennant sie in einem kleinen, amüsanten Roman auf Reisen schickt. Die geliebten Hunde ihrer königlichen Hoheit, die Corgis, bleiben als erste auf der Strecke. Die Queen verlässt das schottische Schloss Balmoral in den frühen Morgenstunden, mit Hilfe eines etwas dubiosen Dieners namens „Brno“. Eingeweiht ist niemand, und so macht sich die Dame aus dem Haus Windsor alleine auf den Weg. Über ihre Motive wird auch der Leser von Tennant lange im Unklaren gelassen. Ist sie „thronmüde“, hat sie keine Lust mehr auf Hofberichterstattung?

So oder so, sie ist auf und davon - Die Nation trauert, erfährt die Königin später, als sie auf der Karibik-Insel St. Lucia gelandet ist. Erkannt wird sie freilich nirgends, und das ist eines der interessantesten Details der Geschichte. Alle Welt wundert sich nur über das merkwürdige Verhalten dieser kleinen älteren Dame mit Handtäschchen.

In der Karibik ist ihr Begleiter namens Austin Ford eigentlich nur auf die Juwelen der Touristin aus, von denen er gehört hat (die Queen hat die berühmten Cambridge-Smaragde mitgenommen). Aber er wird ihr helfen, aus ihrem selbst gewählten Exil letztlich wieder ins Vereinigte Königreich zurückzugehen. Auf ihrem Ausflug ist sie wahrlich auch vom Pech verfolgt - erst kommt ihr Koffer abhanden, dann wird ihre Handtasche ausgeraubt. Schließlich fotografiert sie ein amerikanischer Tourist.

Tennant darf es in ihrer hübschen Geschichte nicht übertreiben mit den Eigentümlichkeiten der Hoheit - nicht zuletzt der Tatsache, dass sie von sich immer im Plural spricht, wie es sich gehört (Leider spricht sie zu wenig, den Dialogen mangelt manchmal der Witz). Aber der Leser lässt sich gerne ein auf das Abenteuer einer Queen ohne Hof und ohne Dienerschaft. Unmündig ist sie nicht, aber doch herrlich unpraktisch und wie aus einer anderen, lange vergangenen Zeit entsprungen.

Kürzlich hat Alexander von Schönburg in die Geheimnisse des Adels eingeführt. Nun lehrt uns ein neues Werk, wie die britische Königin, Inbegriff des Adels, sie alle über Bord werfen kann. Als sie versucht, ohne Rücksicht auf Verluste ihre Reise anzutreten. Die natürlich auch ein Ziel hatte, wie der Leser zum Schluss erfährt.

Emma Tennant

Die Autobiografie der Queen

Deutscher Taschenbuchverlag, München

156 S., Euro 9,95

ISBN-13 9783423211055

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