Wenn der Zufall nachhilft

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Lydia Schäfer
Lydia Schäfer (Foto: Ralf Schäfer)
Schwäbische Zeitung

Name: Lydia Schäfer

Alter: 29 Jahre (sagt mein Sohn), in Wirklichkeit 56 Jahre

Aufgabe: Freie Mitarbeiterin

Als ich acht Jahre alt war, wusste ich genau, was ich werden wollte: Friseurin! Nach ersten Schnittversuchen mithilfe einer Nagelschere am Haupt einer gleichaltrigen Freundin, gekonnt platzierten Farbtupfern mittels Ölfarbe und leichten Verbrennungen an der Stirn, die einem Lockenstab geschuldet waren, erfand ich Anfang der 70er-Jahre bereits die asymmetrische Frisur. Doch der nie versiegende Tränenstrom meines Models und die etwas hysterische und für mich völlig unverständliche Reaktion ihrer Mutter machten mir zwei Dinge deutlich. Erstens: Die Welt war für meine Kreationen noch nicht bereit. Und zweitens: Such’ dir einen anderen Job.

Nach der Realschule begann ich eine kaufmännische Lehre, danach folgte der Besuch des Wirtschaftsgymnasiums in Münster, ans Schreiben hatte ich bis dato nicht gedacht. Da half der Zufall nach. Ich wurde als freie Mitarbeiterin für die Münstersche Zeitung angeworben, erledigte zunächst reine Terminarbeit und arbeitete dann als Lokalredakteurin für die Orte Senden und Ascheberg bei Münster. Ich war Vertreterin des dortigen Kreisredakteurs, verantwortlich für einen Sonderdruck, der viermal jährlich erschien und lernte den Job von der Pike auf. Damals war das Zeitungmachen noch echte Handarbeit.

Die digitale Revolution überholte dies Verfahren sehr schnell und ich muss sagen, dass ich davon profitiert habe. Denn mit der Geburt unserer Tochter und einem damals bereits vierjährigen Sohn hatte ich einen Homeoffice-Arbeitsplatz, als dieses Wort dafür noch gar nicht erfunden war. Ich war weiterhin für die Münstersche Zeitung und später für die Westfälischen Nachrichten im Lokalteil von Senden beschäftigt.

Seit 2007 arbeite ich als freie Mitarbeiterin für die „Schwäbische Zeitung“, habe mit meinem Mann und unseren drei Kindern hier eine neue Heimat und viele bewundernswerte Menschen kennengelernt. Das Redaktionsteam gehört dazu. Ich habe meine Berufswahl nie bereut. Ganz im Gegenteil. Er ist vielseitig, abwechslungsreich und wird nie langweilig. Privat liebe ich es, mit unserem Bulli unterwegs zu sein, zu lesen, zu nähen, ins Theater zu gehen und die gemeinsame Zeit mit der Familie zu genießen.

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