Weltmeister in Bar-Atmosphäre beim Starcraft 2 Homestory Cup

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Homestory Cup
Der amtierende StarCraft-2-Weltmeister Joona „Serral“ Sootala (r) aus Finnland auf der Caster-Couch des „Homestory Cup“. (Foto: Benedikt Wenck / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Benedikt Wenck

Sie füllen Stadien und locken mit gigantischen Preisgeldern: Das ist die Geschichte, die oft über E-Sport-Turniere erzählt wird. Zweimal im Jahr gibt es allerdings ein Turnier, das vieles anders macht und doch internationale Beachtung bekommt.

Zum „Homestory Cup“ kommen 32 Top-Spieler aus aller Welt, um sich in der Disziplin Starcraft 2 zu messen. Dennis „TaKe“ Gehlen veranstaltete das Turnier erstmals 2010, wenige Monate nach dem Erscheinen des Echtzeit-Strategiespiels Starcraft 2. Gerade mal acht Spieler kämpften damals um nur 500 Euro Preisgeld in der kleinen Wohnung des 33-Jährigen. Alles erinnerte mehr an eine LAN-Party, die öffentlich ins Internet übertragen wurde.

Neun Jahre später ist vieles anders - und professioneller. Die Spieler sitzen nicht mehr in einer Wohnung, sondern in Takes Bar, einer Mischung aus Kneipe, Spielhalle und großem Wohnzimmer.

Dort ist die Luft zum Schneiden dick, die wenigen Klimaanlagen und Ventilatoren kommen nur schwer gegen das schwüle Klima an. Und die Stimmung ist ganz anders als in den Stadien.

Die Fans sitzen auf Sofas und in einem kleinen Kino, spielen zwischendurch Pac-Man oder Air Hockey. Manche haben sogar ihre Schuhe ausgezogen und ein paar internationale Besucher kämpfen Jetlag-bedingt mit dem Schlaf.

„Der Unterschied zu den großen shiny Events, bei denen die Leute in Anzügen moderieren, ist, dass es aus der Community herauskommt“, sagt Veranstalter Gehlen. Die Stars der Szene stehen hier direkt bei den Fans und können sich unterhalten oder ein Bier trinken. „Unser Konzept ist, dass wir von der Couch kommentieren. Auch wenn Gaming immer weiter professionalisiert wird und alle Leute damit so viel Geld wie möglich verdienen wollen, wollen wir uns auch treu bleiben.“

Finanziert wird das Event hauptsächlich durch Sponsoren, darunter ein Bürostuhlhersteller und ein Pharma-Unternehmen. Außerdem verdienen die Veranstalter durch Ticket- und Getränkeverkäufe.

„Solange wir das irgendwie refinanziert bekommen, wollen wir das auch auf jeden Fall weiter machen“, sagt Gehlen. Für die Profi-Spieler kommt bei dem Turnier vergleichsweise wenig rum. Sie spielen um 10 000 US-Dollar Preisgelder - woanders gibt es das Zehnfache.

Deswegen kommen die Spieler aber auch nicht hierher. Der 21 Jahre alte Gabriel „HeRoMaRinE“ Segat gehört zu den besten deutschen Starcraft-2-Spielern. „Bei anderen Turnieren ist man nur in der Spieler-Lounge und guckt sich die Games mit anderen Pros an und redet darüber, mehr nicht“, sagt Segat. „Hier hat man mehr Spaß-Faktor.“ Und es sind nicht nur lokale Spieler hier, sondern etwa auch der amtierenden Weltmeister Joona „Serral“ Sootala aus Finnland und die koreanischen Top-Spieler Eo „soO“ Yoon Soo und Kim „Stats“ Dae Yeob.

Und noch etwas ist anders als bei den großen Turnieren: In Deutschland gelten Berlin, Hamburg und Köln als die Städte für E-Sport-Turniere. Warum der „Homestory Cup“ in Krefeld stattfindet, ist zunächst ein persönlicher Grund: „Weil ich Krefelder bin“, sagt Gehlen. Familie und Freunde konnten ihm beim Aufbau helfen. Aber noch mehr spricht für die Stadt am Rhein. „Die Mieten in Krefeld sind günstig, und trotzdem liegen wir mitten in einem großen Ballungszentrum.“

Mit dem „Homestory Cup“ wird es auch auf jeden Fall weitergehen. Im Herbst steht das Jubiläum an, dann findet die 20. Ausgabe statt. Dafür gebe es dann auch eine sehr besondere Location, sagt Gehlen. Wo genau, verrät er allerdings erst nach Ende dieses Turniers.

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