Welterfolg mit doppelten Karten - „Memory“ wird 50

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Als der Schweizer Heinrich Hurter in den 50er Jahren für seine Enkelkinder in London ein Spiel aus quadratischen Kartontäfelchen bastelte, konnte er nicht ahnen, dass er damit die Grundlage für einen Welterfolg gelegt hatte.

Sein Sohn William, seinerzeit Militärattaché in der britischen Hauptstadt, bot die mit Ausschnitten aus Illustrierten beklebten Kartenpaare dem Ravensburger Spieleverlag - damals noch Otto-Maier-Verlag - an. Dazu hatten ihn seine englischen Freunde ermuntert, die von dem „memory-game“ fasziniert waren. Der Verlag griff begeistert zu und hob „Memory“ 1959 auf der Nürnberger Spielwarenmesse aus der Taufe. Dort soll am 4. Februar auch das 50-jährige Jubiläum gefeiert werden.

Das Gedächtnisspiel wurde schnell zum Kassenschlager. Schon im ersten Jahr gingen 8000 Exemplare über den Ladentisch. Bis heute wurde der Klassiker in über 80 Ländern 75 Millionen Mal verkauft. Nebeneinandergelegt würde die Kärtchenreihe acht Mal den Globus umrunden. Der Grund für den Siegeszug von „Memory“ liegt für den Verlag in dem ebenso schlichten wie genialen Prinzip. Wer aus einer beliebigen Zahl von verdeckt liegenden Kärtchen je zwei umdreht und die meisten Paare finden, hat gewonnen.

Zum Geburtstag bringt der Verlag in Deutschland eine Jubiläumsedition mit thematischen Bildpärchen von damals und heute heraus. Die Spieler sollen auf eine Zeitreise durch ein halbes Jahrhundert gehen, denn die Kärtchen zeigen Alltagsgegenstände, etwa eine Schreibmaschine, aus der ein Notebook geworden ist. „Kinder werden staunen, dass es damals Telefone mit Wählscheibe gab“, heißt es bei Ravensburger. Gefeiert wird auch im Ravensburger Spieleland, dem Freizeitpark des Verlagshauses. Bei internationalen „Memory“- Meisterschaften im Herbst könnten Kinder bis 14 Jahren mitspielen.

Die haben sowieso die besseren Kärtchen, wie die Psychologin Susanne Wilpers herausgefunden hat. „Je jünger der Kopf, umso leichter fällt das Bilder-Suchspiel“, sagt die Professorin der Hochschule Heilbronn. Warum die Kleinen die Großen locker abhängen, hat mit den Nervenzellen im Gehirn zu tun, die unter anderem für die Merkfähigkeit verantwortlich sind. Bei Kindern sind diese durch wesentlich mehr Synapsen (Schaltstellen) verknüpft. Deren Zahl nimmt ab der Pubertät schrittweise um die Hälfte ab. „Nicht etwa, weil wir dümmer werden, sondern klüger“, erläutert Wilpers. „Ab dem Alter von 12 oder 13 Jahren weiß unser Gehirn immer besser, mit welchen „Synapsen-Autobahnen“ es am schnellsten vorankommt.“

Von dem Spiel mit den doppelten Karten hat der Verlag immer neue Varianten mit 12 bis 72 Bild-Paaren auf den Markt gebracht. Mehr als 250 verschiedene Ausgaben sind es bisher - für Jung und Alt und mit den verschiedensten Motiven vom Pinguin bis zum Picasso. Seit den 80er Jahren zieren auch Lizenzfiguren wie Micky Maus das Gedächtnisspiel, das zudem den Weg auf den Computer gefunden hat.

Auch wenn Hurter senior, der 1982 starb, als Vater von „Memory“ gilt - ganz so neu war seine Idee nicht: Schon im 16. Jahrhundert sollen sich in Japan reiche Geschäftsleute die Zeit mit 180 sogenannten Jigai-Muscheln vertrieben haben. Dabei waren die Innenseiten der Muschelhälften mit feinen Zeichnungen versehen. Als sicher gilt, dass ab dem 19. Jahrhundert in den USA der „pelmanism“ gespielt wurde, bei dem gleiche Paare eines Kartenspiels gefunden werden mußssen. In England nannte sich dieses Prinzip „pairs“.

Der Erfolg von „Memory“ hat etliche Nachahmer auf den Plan gerufen. Dabei ist die Marke seit 1972 geschützt. Sogar das Berliner Kanzleramt hat nach Unternehmensangaben einmal abgekupfert, als es zu Wahlkampfzwecken ein „Kanzler-Memory“ auf seine Homepage stellte. Deshalb bekam es Post von der Ravensburger Rechtsabteilung. Die Verantwortlichen haben sich aber prompt entschuldigt und das Plagiat schnell wieder gelöscht.

„Memory“ -Jubiläumswebseite: www.memory.de/memory50/

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen