Weltenbummler Werner Lorant wird 60

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Deutsche Presse-Agentur

Den 16. August 2008 wird Werner Lorant so schnell nicht vergessen. Weil er sich am Spielfeldrand eine Zigarette nach der anderen ansteckte, schritt der 18 Jahre alte Referee Steffen Grimmeißen ein und untersagte dem prominenten Kettenraucher den Griff zum Glimmstängel.

Lorant war stinksauer. Ob die Maßregelung durch den jungen Referee aus dem Landkreis Donau-Ries Anlass für den bekennenden Zigarettenraucher war, Deutschland wieder den Rücken zu kehren, ist nicht bekannt. Wenige Tage später brach Lorant, der am 21. November seinen 60. Geburtstag feiert, in die Slowakei auf, um beim Erstliga-Club DAC Dunajská Streda die 16. Station seiner Trainerlaufbahn anzutreten.

An jenem August-Sonntag spielte der Münchner Amateurclub SV ATA Spor gegen den VfR Neuburg um Punkte in der Bezirksliga Oberbayern Nord. Lorant war Trainer von ATA Spor, gerade zurück von einem viermonatigen Gastspiel in China. Der FC Liaoning, Tabellenletzter der ersten Liga, hatte den Fußball-Lehrer und Buchautor („Eine beinharte Story“) entlassen, obwohl Lorant behauptete, er habe keine Lust mehr gehabt, „und Karten für Olympia hatte ich auch keine“.

Die Stippvisite bei einem achtklassigen Verein - so weit unten war Lorant in seiner abwechslungsreichen Trainerkarriere noch nie gewesen. Als gestandener Bundesliga-Profi mit 325 Spielen, UEFA-Cupsieger 1980 und DFB-Pokalsieger 1981 mit Eintracht Frankfurt, wechselte der gelernte Maler und Anstreicher 1984 die Seiten und trat im unterfränkischen Heidingsfeld sein erstes Traineramt an. Es folgten der FC Schweinfurt und Viktoria Aschaffenburg, ehe er am 1. Juli 1992 den TSV 1860 München übernahm.

Bei den „Löwen“ startete Lorant mit harter Hand seine Erfolgsstory und schaffte innerhalb von zwei Jahren den Durchmarsch von der höchsten bayerischen Amateurklasse (Bayernliga) in die Bundesliga. Mit markanten Sprüchen wie „Die Spieler sollen rennen und das Maul halten“ oder „Die junge Generation ist total versaut, die können sich ja nicht mal allein eine Wohnung suchen oder am Landratsamt anmelden“ machte sich der knallharte „Löwen“-Dompteur aber nicht nur Freunde. Am 18. Oktober 2001 war sein Kredit aufgebraucht. Fünf Tage nach der 1:5-Pleite gegen den Lokalrivalen FC Bayern wurde Lorant entlassen.

Nach zumeist kurzen Gastspielen bei Fenerbahce Istanbul, beim Zweitligisten LR Ahlen, dem FC Incheon in Südkorea, bei Apoel Nikosia, beim türkischen Aufsteiger Sivasspor, Saipa Teheran und wieder in der Türkei bei Kayseri Erciyesspor kehrte der Wandervogel nach Deutschland zurück. Ende März heuerte Lorant bei der SpVgg Unterhaching an. Ein halbes Jahr später, nach dem Abstieg von der 2. Liga in die Regionalliga, packte er wieder die Koffer.

Er wolle dem Neuanfang bei der SpVgg nicht im Wege stehen, sagte Lorant und ging wieder in die Türkei. Beim Erstliga-Aufsteiger Kasimpasasport wurde er nach sechs Niederlagen in Serie vor die Tür gesetzt. In der slowakischen Provinzstadt Streda nahe der ungarischen Grenze hat Lorants Weltreise nun ein vorläufiges Ende gefunden.

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