Weltelite startet im Bullentäle

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Ein schwieriger Kurs und viele Zuschauer warten auf die Mountainbiker im Bullentäle.
Ein schwieriger Kurs und viele Zuschauer warten auf die Mountainbiker im Bullentäle. (Foto: Andreas Dobslaff)
Schwäbische Zeitung

Der UCI-Mountainbike-Weltcup in Albstadt verspricht am Pfingstwochenende großen Sport. Das Short-Track Race bereits am heutigen Freitag (Frauen: 17.30 Uhr; Männer: 18.15 Uhr) könnte einiges verändern und nicht nur Weltmeister Nino Schurter ist sehr gespannt, was das Wochenende im Bullentäle bringt. Sein langjähriger Konkurrent Julien Absalon hat am Montag seinen sofortigen Rücktritt erklärt, aber es sind andere da, die einen dritten Schurter-Sieg in Albstadt verhinden wollen. Bei den Frauen ist die Konstellation ohnehin sehr offen.

Seit dem Auftakt in Stellenbosch sind zehn Wochen vergangen, die Karten wurden in dieser Zeit neu gemischt. Der Kurs in Albstadt hat eine deutlich andere Charakteristik als der in Südafrika. Trotzdem: Am Schweizer Weltmeister Nino Schurter kommt man auf der Suche nach (Top-)Favoriten nicht vorbei. Er kann alles, wie er voriges Jahr eindrucksvoll belegte, als er alle sechs Weltcup-Rennen für sich entschied. Er selbst erkennt in dem Niederländer Mathieu van der Poel einen ganz großen Widersacher. Der Cyclo-Cross-Star war 2017 in Albstadt Zweiter und kommt mit der Empfehlung von drei Etappensiegen an drei Tagen bei einem spanischen Etappenrennen. Trotz Sturz auf Etappe eins.

Aber auch andere kommen infrahe: Stellenbosch-Sieger Sam Gaze aus Neuseeland, der vor zwei Jahren das U23-Rennen auf der Alb gewann, vor dem starken Kletterer Titouan Carod aus Frankreich. Sollte Gaze ein Sieg im Short Track gelingen, wie Schurter glaubt, könnte das einen weiteren Motivationsschub auslösen. Für „Lokalmatador“ Manuel Fumic - er ist in Kirchheim/Teck zu Hause - ist ein anderer Franzose ein heißer Tipp: Maxime Marotte. „Max ist heiß“, sagt Manuel Fumic über seinen Cannondale-Teamkollegen, der sich in Stellenbosch nur knapp geschlagen geben musste und Dritter wurde. Fumic traut sich, angesichts seines geschienten Ringfingers eine Platzierung im Vorderfeld zu? „Das Training lief super, aber wenn ich unter die besten Zehn oder Acht komme, wäre ich glücklich“, sagt Fumic. Er hofft auf gutes Wetter: „Das hat Albstadt auch mehr als verdient.“

Andere Kandidaten für den Erfolg sind: der Schweizer Mathias Flückiger, den im Vorjahr im Bullentäle ein spektakulärer Sturz aus dem Rennen um den Sieg katapultierte. Zuletzt bot er Schurter in Solothurn Paroli. „Es hat nicht viel gefehlt“, sagt Flückiger.

Hochkarätiges Frauenfeld

Dagegen hat der 33-fache Weltcupsieger Julien Absalon am vergangenen Montag seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Grund ist eine Pollenallergie, die sich in diesem Frühjahr so sehr ausgedehnt hat, dass er die Reißleine zog. „Das macht mich etwas nachdenklich“, gesteht Nino Schurter. „Julien ist ein großer Champion, ich vermisse ihn bereits in den Rennen.“ Vor Ort wird Absalon allerdings auftauchen, als Teamchef seiner eigenen kleinen Equipe und als Freund von Pauline Ferrand Prevot. Für die Deutschen hinter Fumic wäre eine Platzierung unter den Top 20 schon ein Erfolg. Markus Schulte-Lünzum hat es 2017 als 14. ja vorgemacht.

Bei den Frauen zählt Stellenbosch-Siegerin und Weltmeisterin Annika Langvad zu den Favoritinnen. Dort lieferte sie sich ein Duell mit Absalon-Freundin und Albstadt-Siegerin von 2014, Pauline Ferrand Prevot. 2016 feierte Langvad in Albstadt einen ihrer bisher fünf Weltcupsiege. Die frisch gebackene, dänische Meisterin, die nur zehn Minuten langsamer als der Männermeister war sagt. „Das gab mir die Bestätigung, dass die Form gut ist“, so Langvad. Wohl wahr. Dagegen hat Jolanda Neff aus der Schweiz derzeit Probleme: Schlüsselbeinbruch im Januar, frühe Rückkehr, Sechste in Stellenbosch und im April ein heftiger Trainingssturz auf den Oberschenkel, der sie erst mal ausbremste. „Momentan geht es mir gut und ich bin im Training. Vorjahres- und Gesamtweltcupsiegerin Yana Belomoina hatte im Herbst ebenfalls einen Trainingsunfall auf der Straße (Oberschenkelbruch), ist inzwischen aber wieder genesen.

Auch die Deutschen rechnen sich etwas aus: Sabine Spitz hat schon in Stellenbosch als Achte wie auch bei ihrem Sieg in Singen gezeigt, dass sie gut in Form ist. „In den Anstiegen ging es sehr gut“, meinte Spitz. Was das für Albstadt heißt? „Also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagt sie lachend. Ein Top-Ten-Resultat sei möglich. Das gilt auch für Elisabeth Brandau, die 2016 Siebte war - vor der zweiten Baby-Pause. Jetzt ist sie zurück und hat mit vier Saisonsiegen brilliert. Allerdings lag sie vergangene Woche fünf Tage krank im Bett gelegen, sagt Brandau. „Ich gehe zumindest erholt in das Weltcup-Wochenende“, sagt sie mit einem Lachen. „Die Form ist da. Ich freue mich auf Albstadt, aber ich mache mir keinen Druck“, sagt die Schönaicherin. Neun Wochen nach einem Kahnbeinbruch feiert Adelheid Morath ein Comeback. Die Freiburgerin ist froh, überhaupt dabei zu sein. „Albstadt war im Saisonplan eigentlich ein Highligt. Ich freue mich drauf, die Form ist gut, aber was das wert ist, kann ich überhaupt nicht sagen. Ich will auch nicht viel darüber nachdenken, sondern einfach das Beste draus machen.“

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