Thomas Weller in einer für ihn typischen Offensivaktion: Links angetäuscht, rechts vorbei - und der Gegner springt ins Leere. (Foto: Bodon)
Sportredakteur

Jetzt kann es jeder sehen: Thomas Weller besitzt auf dem Platz das gewisse „Etwas“. Der in Zürich geborene Sohn des früheren VfB Stuttgart, Hannover 96 und 1860 München-Profis Hans-Joachim „Hanjo“ Weller hat den Ball zum Freund. So richtig zu Tage traten die technischen Fähigkeiten des 32-Jährigen in Pfullendorf allerdings erst, als ihn Interimstrainer Klaus Steidle aus der defensiven Zwangsjacke befreite, die ihm Steidles Vorgänger Adnan Sijaric mit der Rolle des linken Außenverteidigers übergestreift hatte. „Für mich ist das ein Offensivspieler“, erkannte Steidle instinktsicher und ließ Weller gegen Waldhof Mannheim auf der linken offensiven Außenbahn ran. Bester Mann auf dem Platz und entscheidende Figur beim ersten Sieg nach zuvor acht Pleiten in Serie war prompt Weller, der auf der linken Seite an diesem Tag den wohl filigransten Part spielte, den jemals ein Linksaußen des SC Pfullendorf gespielt hat. Weller bereitete beim 3:0 zwei Tore brillant vor und machte eines mit ganz viel Gefühl selbst. Dass er sich die „Note eins“ dann doch noch verdarb, lag daran, dass nach seinem Tor zum 3:0 das Temperament mit ihm durchging, er Gelb-Rot kassierte, weil er sich vor Freude das Trikot vom Leib riss.

Da übernahmen für eine Sekunde vielleicht die väterlichen Gene die Kontrolle über sein Tun, denn Hanjo Weller galt in den Siebzigern als temperamentvoller Kicker auf und abseits des Platzes, als „Lebemann des Fußballs“. Neben Buffy Ettmayer war er ein zeitlang die schillerndste Figur des VfB Stuttgart, im Trikot oder beim „Après-Kick“ im Pelzmantel. Im Herbst seiner Karriere verschlug es Weller senior einst in die Schweiz. Sohn Thomas kam in Zürich zur Welt und genoss die feine Ausbildung beim FCZ. Mit 18 Jahren unterschrieb Thomas Weller dann beim deutschen Regionalligisten SC Paderborn, denn es zog ihn immer nach Deutschland: „Ich bin Deutscher, auch wenn ich natürlich Schweizer wurzeln habe und mich der Schweiz sehr verbunden fühle“, sagt er in leichtem „Schwyzer-Dütsch“, und fügt schmunzelnd an: „Ich habe die deutsche Fahne immer hochgehalten in meinen Clubs, obwohl die Deutschen in der Schweiz ja nicht unbedingt sehr beliebt sind.“

Nach zwei Jahren in Paderborn spielte er für die U23 von 1860 München in der Regionalliga, ehe er in die Schweiz zurückkehrte. Es folgten Jahre beim FC Winterthur, FC Vaduz, FC Schaffhausen, FC St. Gallen, in denen er es für Schaffhausen und St. Gallen auf rund 60 Spiele in der Schweizer Nationalliga A, der „Super League“, wie die höchste Profiliga der Eidgenossen heutzutage heißt, brachte.

Zuletzt kickte er noch für den FC Wohlen (2. Liga) und weil der Ehrgeiz ungebrochen groß ist, zog es ihn auf Vermittlung des Singener Spielerberaters Alexander Mehrle nochmal über die Grenze. „Ich weiß, dass Pfullendorf ein prima Schaufenster ist und ich hoffe, dass ich vielleicht doch nochmal eine Offerte eines deutschen Dritt- oder vielleicht auch Zweitligisten erhalte.“ Denn Profi-Fußball macht eben süchtig. Weller: „In St. Gallen hatten wir sogar nach dem Abstieg in die 2. Liga immer 10 000 bis 15 000 Zuschauer. Die Stimmung bei den Spielen ist riesig. Du verdienst gutes Geld und wirst überall in der Stadt erkannt. Wenn man ehrlich ist, ist es doch genau all das, was man im Fußball erreichen will.“

Weller wohnt in Taegerwilen bei Kreuzlingen in der Schweiz, pendelt täglich mit dem Auto zum Training nach Pfullendorf. Hier will er seinen Beitrag zum Klassenerhalt des SCP leisten. Doch er sagt auch ganz klar: „Ich hoffe, dass ich in der Winterpause in die 3. Liga wechseln kann.“ Weller und der SCP – mehr als eine flüchtige Beziehung dürfte das also kaum werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen