Wellensittiche mausern das ganze Jahr über

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Deutsche Presse-Agentur

Wellensittiche lieben es, blitzschnell durch die Lüfte zu segeln. Um so flink unterwegs zu sein, brauchen sie kräftige und gesunde Federn. Weil diese sich aber mit der Zeit abnutzen, werden sie regelmäßig während der Mauser ausgetauscht.

„Die Mauser ist ein ganz natürlicher Prozess und keine Krankheit“, sagt Elke Deininger von der Akademie für Tierschutz in Neubiberg bei München. Nur alte Federn fallen aus.

Im Gegensatz zu vielen heimischen Vogelarten haben die aus Australien stammenden Wellensittiche allerdings keine festen Zeiten, zu denen sie ihr Gefieder erneuern. Ganz im Gegenteil: Ein gesunder Wellensittich sollte eigentlich ständig ein paar Federn lassen. „Man nennt das Dauermauser“, sagt Norbert Kummerfeld, Leiter der Klinik für Zier- und Wildvögel an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Einmal im Jahr kommen die Tiere dann in die sogenannte Hauptmauser, bei der sie mehr Federn als sonst verlieren. Der Zeitpunkt, wann diese Phase beginnt, ist von Tier zu Tier verschieden.

Ist eine abgenutzte Feder erst einmal ausgefallen, entsteht an derselben Stelle eine neue. Wenn diese aus der Haut hinaus wächst, ist sie zunächst von einer fast durchsichtigen Hülle umgeben, die sie schützt und mit Nährstoffen versorgt. Diese Röhrchen nennt man „Kiele“. „Ist die Feder von der Länge her ausgewachsen, öffnen sich die Kiele und fallen ab“, sagt Gabriele Rejsek vom Verein der Wellensittich-Freunde Deutschland in Köln.

Vor allem während der Mauser können Wellensittiche vitaminreiches Futter gut gebrauchen. „Vogelmiere, Melone und Salatgurke eignen sich sehr gut als Futter während der Mauser“, sagt Elke Deininger. Zusätzlich können Halter noch beim Tierarzt erhältliche Vitamintropfen ins Trinkwasser geben, das gibt zusätzliche Kraft. Auch Leckereien wie Kolbenhirse sind erlaubt.

Sorgen um den kleinen Liebling sollten sich Halter erst dann machen, wenn sie zum Beispiel kahle Stellen im Gefieder des Vogels entdecken. „Eigentlich darf man beim Wellensittich auch während der Mauser die Haut nicht sehen, denn ein gesundes Tier verliert nicht so viele Federn auf einmal“, sagt Elke Deininger. Auch wenn der Vogel sehr gerupft aussieht, die neuen Federn nicht richtig nachwachsen oder stumpf aussehen, sollte man mit ihm zum Tierarzt gehen. Dann könnte eine Stoffwechselstörung vorliegen.

Die stark durchbluteten Kiele können während der Mauser ebenfalls zum Problem werden. „Werden zu viele ausgebildet, können einzelne Kiele abbrechen. Dadurch wird die Feder darin zerstört“, sagt Vogelexperte Norbert Kummerfeld. Knickt ein solcher Blutkiel ab, verursacht er außerdem eine blutende Wunde, die einen bräunlichen Fleck im Gefieder hinterlassen kann. Fällt dem Halter bei seinem Liebling eine solche Verfärbung auf, sollte er seinen gefiederten Freund einem fachkundigen Tierarzt vorstellen. Denn auch wenn das Tier laut Norbert Kummerfeld nicht an diesem Blutverlust sterben kann, sollte die betroffene Stelle besser untersucht werden.

Bei der „Französischen Mauser“ handelt es sich trotz des Namens um keine Mauser im eigentlichen Sinn, sondern um eine Erkrankung. „Die Französische Mauser wird wahrscheinlich von einem Virus ausgelöst und ist nicht heilbar“, sagt Norbert Kummerfeld, Leiter der Klinik für Zier- und Wildvögel an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Bricht die Krankheit aus, verlieren die Tiere ihre Schwungfedern und können deshalb nicht mehr fliegen. Man nennt sie deshalb Renner oder Hüpfer. Jungvögel können an einer akuten Französischen Mauser auch sterben. Vogeleltern geben die Krankheit manchmal schon an ihre Jungen weiter, bevor diese geschlüpft sind. Erwachsene Tiere stecken sich jedoch nicht mehr gegenseitig an.

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