Was sich aus Digitalkameras herausholen lässt

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Deutsche Presse-Agentur

Kompakte Digitalkameras sind ein Verkaufsschlager. Mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland besitzt nach Zahlen des Branchenverbands BITKOM in Berlin mindestens eine, viele sogar mehrere.

Doch was sich mit den handlichen Knipsen alles anstellen lässt, wissen offenbar nur die wenigsten. „Viele nutzen für Aufnahmen leider nur den Automatik-Modus“, sagt Constanze Claus vom Photoindustrie-Verband in Frankfurt. Dabei lässt sich aus den Kameras viel mehr herausholen, wenn Besitzer statt des Standardprogramms einmal andere Einstellungen ausprobieren.

Constanze Claus nennt als Beispiel die Motivprogramme, die inzwischen nahezu alle kompakten Digitalkameras an Bord haben. „Sie erleichtern das Fotografieren ungemein. Man sollte sie daher auch nutzen“, sagt die Verbandssprecherin. Bei einem Motivprogramm wählt die Kamera entsprechend der jeweiligen Aufnahmesituation automatisch Einstellungen wie Blende, Verschlusszeit und Lichtempfindlichkeit (ISO-Zahl) vor. „Der Fotograf kann sich auf das Motiv konzentrieren.“

Gängige Motivprogramme sind Landschaft, Porträt, Makro, Innen- oder Nachtaufnahme sowie Sport. Moderne Kameras beherrschen laut Claus weitaus mehr - bis zu 30 Modi sind bei einigen Modellen vorgesehen. Und manche Kameras bieten Fotografen darüber hinaus sogar die Möglichkeit, eigene Programme zu definieren. Oft benötigte Einstellungen lassen sich dann ebenfalls per Tastendruck abrufen.

Der Vorteil eines Motivprogramms im Vergleich zum Automatikmodus ist, dass die Kamera-Einstellungen bereits auf die besondere Aufnahmesituation abgestimmt sind. Bettina Steeger von Canon Deutschland in Krefeld verdeutlicht das am Beispiel Nachtmodus: „Die Kamera blitzt dabei nicht "volles Rohr", wodurch die Atmosphäre des Bildes verloren ginge, sondern nutzt das Restlicht der Umgebung und verwendet den Blitz nur kurz zum Aufhellen.“ Dafür verwendet die Kamera eine längere Belichtungszeit, weshalb auf eine ruhige Haltung zu achten ist. Gegebenenfalls muss der Fotograf ein Stativ verwenden.

Alternativ bietet sich für solche Situationen auch der Selbstauslöser-Modus an, sagt Ron Vollrath, Dozent für Fotografie an der Volkshochschule Hamburg. Die Kamera wird dabei irgendwo aufgesetzt, Aufnahmemodus und Bildausschnitt vorgewählt und dann der Selbstauslöser eingeschaltet - „damit man beim Auslösen nicht verwackelt“, erklärt Vollrath. Denn selbst der leichte Druck auf den Auslöser kann bei lichtschwachen Situationen zu Verwacklern führen.

Je nach Aufnahmesituation lässt sich die Bildqualität laut Vollrath auch mit Hilfe der Belichtungskorrektur verbessern. Manche Kameramodelle haben dafür Tasten am Gehäuse, bei anderen muss die Funktion über das Menü aufgerufen werden. Per Plus- und Minus-Taste kann das Bild um einzelne Blendenstufen aufgehellt oder abgedunkelt werden. Das ist Vollrath zufolge etwa bei Aufnahmen im Schnee oder bei Gegenlicht hilfreich, die sonst leicht überbelichtet ausfallen. Constanze Claus empfiehlt, von einem Motiv Belichtungsreihen mit unterschiedlichen Blendenstufen zu machen und später zu Hause am Rechner die beste Aufnahme auszuwählen und den Rest zu verwerfen.

Für Aufnahmen im Schnee ist außerdem die Weißabgleich-Funktion wichtig. „Damit kann man einen Farbstich im Bild ausgleichen“, erläutert VHS-Dozent Vollrath. Bei Schnee oder auch bei Kunstlicht erscheint das Weiß häufig nicht weiß, sondern bläulich. „Mit dem Weißabgleich wird die Farbskala entsprechend der Lichtverhältnisse verschoben.“ Als Resultat erhält der Fotograf wieder richtige Farben.

Diese Wirkung machen sich auch bestimmte Farbmodi zunutze, die es bei manchen Kameras gibt. Damit können Fotografen etwa Aufnahmen mit Sepia-Effekt machen, sagt Bettina Steeger von Canon. Das Bild erscheint dabei in einem gelblich-bräunlichen Farbton wie bei ausgeblichenen älteren Schwarzweiß-Fotos. „Das macht Porträts weicher und schmeichelt den Fotografierten.“ Interessante Lichteffekte lassen sich Ron Vollrath zufolge auch durch einen gezielten Einsatz des Blitzes erreichen. Kamerabesitzer sollten dazu ruhig einmal mit der Blitzfunktionstaste herumspielen und gucken, was dann bei den Aufnahmen herauskommt.

„Ganz wichtig ist es, alle Funktionen in Ruhe auszuprobieren“, sagt Vollrath. Kamerabesitzer dürften keine Scheu haben und müssten auch schon mal in die Bedienungsanleitung schauen, ergänzt Bettina Steeger. „Es lohnt sich aber, die Funktionen auszuprobieren, wenn man interessante Fotos haben möchte.“ Und komplizierter zu bedienen als ein Handy sei eine Digitalkamera letztlich auch nicht.

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