Was ist der Mensch?

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 Pfarrer Edgar Jans
Pfarrer Edgar Jans (Foto: PR)
Pfarrer Edgar Jans und Isny

In der Bezeichnung „Aschermittwoch“ klingt schon das Zeichen der Asche an. In den katholischen Gottesdiensten lassen sich Christen am Aschermittwoch ein Aschenkreuz auf die Stirn streuen. Es ist ein eindrückliches, aber auch ein schwieriges Zeichen zu Beginn der Fastenzeit: Die Asche als Zeichen der Vergänglichkeit. Nicht gerade einfacher wird es durch die begleitenden Worte: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ Der Mensch: nicht mehr als ein Häufchen Asche?

Was ist der Mensch? Es ist eine uralte Frage, die den Menschen schon immer beschäftigt hat. Auch in den biblischen Psalmen wird diese Frage zweimal gestellt: „Was ist der Mensch, dass du, Gott, an ihn denkst?“ Die Antworten könnten kaum gegensätzlicher sein: In Psalm 144 heißt die Antwort: „Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten.“ In Psalm 8 klingt die Antwort dagegen ganz anders: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“

Der Mensch – ein flüchtiger Schatten, ein Häufchen Asche, oder doch ein großartiges Wesen mit unverwechselbarer Würde? Zwischen diesen Polen bewegt sich die Antwort auf die Frage nach dem Menschen. Einerseits sind wir gerade im heutigen naturwissenschaftlichen Weltbild angesichts der unvorstellbaren Größe des Weltalls wirklich nur ein winziges Staubkörnchen. Andererseits sagt der Glaube und sagt vor allem auch das Herz: Das kann nicht die ganze Antwort sein. Denn für uns gilt: Jeder Mensch ist wichtig, jeder Mensch hat eine unverlierbare Würde.

Der Aschermittwoch lädt uns ein, uns diese Frage neu zu stellen: Was ist der Mensch? Und woher kommt bei aller Vergänglichkeit seine einzigartige Würde? Eine mögliche Antwort darauf heißt: die Liebe. Unsere Erfahrung sagt: Auch geliebte Menschen sind vergänglich, aber in unseren Herzen leben sie weiter. Das verleiht ihnen etwas Einzigartiges. Und unser Glaube sagt: Jeder Mensch ist geliebt: hoffentlich von vielen Menschen, ganz sicher aber von Gott. Das schenkt jedem eine unverlierbare Würde.

Das Zeichen der Asche mag uns an beides erinnern: unser Leben ist vergänglich, aber weil wir von Gott geliebt sind, besitzen wir doch eine unvergängliche Würde.

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