Was Handy-Nutzer nach der Mobilfunk-Messe erwartet

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Deutsche Presse-Agentur

Der Mann muss es wissen: „Handys sind nicht mehr nur Adressbücher mit eingebautem Mikrofon und Lautsprecher“, sagt Microsoft-Chef Steve Ballmer.

Sein Unternehmen liefert mit Windows Mobile schließlich das Betriebssystem für Millionen Handys. Nun ist der Software-Riese aber nicht unbedingt dafür bekannt, technologische Wagnisse einzugehen. Daher handelt es sich bei der Präsentationen eines Marktplatzes für Windows Mobile-Software auf dem Mobile World Congress in Barcelona (16. bis 19. Februar) eher um die Bestätigung eines Trends als um eine Innovation.

Microsoft schafft mit dem sogenannten Marketplace eine Plattform, auf der Software-Entwickler ihre Anwendungen für Windows Mobile einfacher vertreiben können als bisher. Ähnliches bieten auch andere Unternehmen in der Mobilfunkbranche an - etwa Nokia mit der Plattform Ovi. Die Idee dahinter: Der Handy-Besitzer soll sich die Anwendungen selbst und möglichst eng an seinen Bedürfnissen orientiert zusammenstellen können. „Dadurch ergeben sich mehr Möglichkeiten, das Handy zu individualisieren“, erklärt Björn Brodersen vom Telekommunikationsportal „teltarif.de“.

Viele der in Barcelona präsentierten neuen Handys folgen dem Trend. Sie erlauben es dem Benutzer, die Start-Oberfläche so zu gestalten, dass er sofort alle für ihn wichtigen Anwendungen im Blick hat und sie mit nur einem Fingertipp auf den Bildschirm starten kann. Handys, die diese Möglichkeit nicht von Haus aus mitbringen, lassen sich inzwischen nachrüsten. Yahoo! hat in Barcelona eine entsprechende Software namens Mobile for Smartphones vorgestellt. Die Software bündelt den Zugriff auf die unterschiedlichsten Anwendungen. Welche Programm-Icons im sogenannten Launcher, dem Startfenster, erscheinen, legt der Nutzer selber fest. Derzeit ist die Software nur als Beta erhältlich, die finale Version soll im Mai folgen.

Eine Gemeinsamkeit vieler Handy-Neuheiten 2009 ist ein Touchscreen. Handys, die sich ausschließlich über eine Tastatur bedienen lassen, wird es wohl bald nicht mehr geben. „Jetzt hat jeder ein anderes iPhone“, sagt Björn Brodersen und spielt auf die Ähnlichkeit vieler Geräte mit dem Apple-Handy an. Der koreanische Hersteller LG zum Beispiel präsentierte auf der Handy-Schau das Arena genannte Handymodell LG-KM900. Nicht nur das Gerät selbst, sondern vor allem dessen Nutzeroberfläche, ähnelt dem des iPhones sehr.

Die Hardware-Ausstattung des Arena kann durchaus als beispielhaft für die neue Smartphone-Generation gelten: Drei-Zoll-Touchscreen, WLAN, acht Gigabyte interner Speicher, UMTS mit HSDPA 7.2, GPS und eine Fünf-Megapixel-Kamera stehen auf der Habenliste des Modells. Nokia kündigte in Barcelona neue Modelle für seine E-Serie an. Dazu gehören das dünne E55 mit Multifunktionstastatur und das E75, ein Slider-Modell mit vollwertiger Tastatur zum Ausziehen, das im März auf den Markt kommt. Außerdem kündigte der finnische Hersteller die Markteinführung seines neuen N97 mit Touchscreen für den Juni an.

Mit den Handys ist es auch ein bisschen wie mit Hollywood-Filmen: Die Erfolgreichen bekommen eine Fortsetzung. HTC etwa will im Frühjahr den Touch Diamond2 herausbringen - mit überarbeiteter Touch-Oberfläche, 3,2-Zoll-Display im Breitbildformat, GPS, WLAN und Fünf-Megapixelkamera. Das Touch Pro2 folgt dann im Sommer. Dessen berührungssensitiver Bildschirm ist mit einer Diagonale von 3,6 Zoll noch etwas größer, darunter wartet eine herausziehbare Schiebe-Tastatur auf ihren Einsatz.

Während Touch Diamond2 und Touch Pro2 mit Windows Mobile 6.1 arbeiten, läuft auf dem HTC Magic das lizenzfreie Betriebssystem Android. Dieses Gerät wurde ebenfalls auf der Handy-Schau präsentiert - nicht wie das erste Android-Handy von T-Mobile, sondern von Vodafone. Der Provider wird das Handy nach eigenen Angaben von April an anbieten. Anders als beim ersten Android-Handy, dem G1, hat das Magic keine Tastatur - es wird ausschließlich per Touchscreen bedient.

Aber was wollte eigentlich Steve Ballmer auf dem Mobile World Congress? Vor allem hat der Microsoft-Chef die nächste Version von Windows Mobile angekündigt. Die Version 6.5 soll es dem Nutzer noch einfacher machen, auf das mobile Web zuzugreifen. Laut Björn Brodersen von „teltarif.de“ ergibt das durchaus Sinn. Schließlich sei absehbar, dass Handys bald ständig online sind.

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