Was die Soko Wohnungseinbruch gebracht hat

Lesedauer: 5 Min

Sechs Monate lang hat es im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West eine Sonderkommission (Soko) Wohnungseinbruch gegeben. Während dieser Zeit hat sie 113 vollendete und 86 versuchte Einbrüche aufgenommen. Dies berichtete Polizeipräsident Werner Strößner am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Insgesamt sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 148 auf 199 gesunken.

Anlass für die Gründung der Soko waren die über Jahre zunehmenden Einbrüche im Präsidiumsgebiet zwischen Neu-Ulm, Bodensee und Allgäuer Alpen. Strößner und seine Leute suchten sich als Zeitrahmen die Monate mit den höchsten Fallzahlen heraus: von Oktober bis einschließlich März. „61 Prozent der Fälle passieren in dieser Zeit“, sagt Strößner. Dies habe mit dem früh hereinbrechenden Abend zu tun.

Die Fallzahlen beziehen sich dann auch auf diesen Zeitraum. 15 Beamten waren als harter Kern von diversen Dienststellen für die Soko abgestellt. Sie teilte sich in die Bereiche Süd, Mitte und Nord. Bei Bedarf wurde das Kontingent erhöht – auch mithilfe der Bereitschaftspolizei, der Bundespolizei oder des Zolls. Den Aufwand rechtfertigt Strößner mit den Worten: „Bei Wohnungseinbrüchen wird das Sicherheitsgefühl der Betroffenen massiv beeinträchtigt.“ Mit Blick auf die allgemeine Kriminalitätsstatistik liegt der Anteil der Wohnungseinbrüche an allen Verbrechen gerade bei einem Prozent.

Unter den 199 registrierten Fällen sind 113 vollendete Wohnungseinbruchdiebstähle und 86 Versuche. Der Wert der Gesamtbeute liegt laut Polizeiangaben bei mehr als 600 000 Euro. Zudem sei bei den Einbrüchen ein Sachschaden von fast 125 000 Euro entstanden. Zur Aufklärungsquote kann Strößner noch keine konkreten Zahlen verkünden. Der Grund seien die teilweise noch nicht abgeschlossenen Ermittlungen.

Kriminaldirektor und Soko-Chef Michael Keck ergänzt den Polizeipräsidenten aber insofern, dass 45 Tatverdächtige identifiziert seien. Mehr als die Hälfte hätte keinen deutschen Pass. Diese Menschen kämen „überwiegend aus dem osteuropäischen Ausland, insbesondere aus dem Kosovo, aus Ungarn, Rumänien und Bulgarien“. In drei Ermittlungsverfahren gebe es Bezüge zur organisierten Bandenkriminalität.

Rund 16 600 Personen überprüft

Um erfolgreich zu sein, hat die Polizei unter anderem zahlreiche Fahndungen und Überprüfungen durchgeführt. „Insgesamt wurden rund 16 600 Personen und nahezu 11 000 Fahrzeuge einer Kontrolle unterzogen“, berichtet Keck. Dabei seien 294 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten festgestellt worden. Dies betreffe Drogen- sowie Waffenrechtsdelikte. Hinzu kämen Verletzungen des Aufenthaltsrechts, Verkehrsverstöße, Fahndungsnotierungen und nicht befolgte Haftbefehle.

Im Hinblick auf Wohnungseinbrüche habe man Informationen für die Lagebeurteilung und Ermittlungen erhalten, meint Keck. Wie die Polizei teilweise zum Erfolg kommt, beschreibt er in drei ausgesuchten Fällen. Bei einem davon beobachteten Beamte zwei Kosovaren in einem Baumarkt. Die Polizei hat durchaus einen Blick auf solche Läden, weil sich Verbrecher dort offenbar gerne mit Einbruchswerkzeug eindecken.

Im vorliegenden Fall suchten die Kosovaren Handschuhe und verhielten sich heimlich. Die Beamten wurden neugierig. Durch weitere Ermittlungen konnte einer der Kosovaren von der Kripo Ulm bei einem Einbruch auf frischer Tat geschnappt werden. Er wird beschuldigt, im vergangenen Herbst im Illertal 13 Einbrüche unternommen zu haben. Im Vorjahr soll er im Raum Biberach sogar auf 36 Einbrüche gekommen sein.

Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West sieht die Soko als Erfolgsgeschichte. Für den Moment ist sie aber aufgelöst. Die Beamten kehren an ihre eigentlichen Arbeitsplätze zurück. Einbruchskriminalität wird weiter im üblichen Dienstbetrieb verfolgt. „Nehmen die Fallzahlen aber wieder zu“, betont Polizeipräsident Strößner, „kann die Soko nach den vorliegenden Erfahrungen rasch wieder ins Leben gerufen werden.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen