Warum Peitschen knallen und mehr sind als Folterwerkzeuge

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Oliver Simmendinger (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Am  Sonntag, 6. Mai, öffnet das Deutsche Peitschenmuseum in Killer im Killertal (Zollernalbkreis) zum ersten Mal in diesem Jahr seine Türen. Museumsleiter Oliver Simmendinger blickt zuversichtlich in die kommende Saison: „Es gibt bereits einige gebuchte Termine außerhalb der sonntäglichen Öffnungen“, versichert er. Viele Reise-Gruppen seien neugierig auf das, was es im einzigen Peitschenmuseum Deutschlands –bestätigt durch die Redaktion des Guiness Buch der Rekorde- zu sehen gibt. Nicht etwa Folterinstrumente oder gar Utensilien aus der sogenannten SM-Szene - weit gefehlt, im Peitschenmuseum versucht der Heimatverein Killer e.V. bereits seit fast 20 Jahren das festzuhalten, was heute beinahe ausgestorben ist: das Peitschenmacherhandwerk.

Wie der Schreiner oder Tischler musste auch der Peitschenmacher noch bis vor einigen Jahrzehnten für drei Jahre „in die Lehre gehen“, um anschließend eine Prüfung bei der Handelskammer abzulegen. Dabei erlernten die Auszubildenden den Umgang mit unterschiedlichsten Materialen und Werkzeugen. Genau denjenigen, die zur Herstellung einer sogenannten „Fahr- oder Stockpeitsche“ erforderlich waren.

Denn vor dem Durchbruch der Motorisierung war ein Leben ohne Peitsche undenkbar. Die Arbeitstiere, die beispielsweise in der Landwirtschaft oder zur Fortbewegung eingesetzt wurden, setzten sich schließlich nicht von alleine in Bewegung. Genau dafür benötigte man Peitschen, deren Knall helfen sollte das Tier nach dem Willen des Menschen zu bewegen/lenken.

Doch warum knallt eine Peitsche eigentlich? Aus welchem Material wurden Peitschen früher hergestellt und wie kommt es, dass einst in einem kleinen 500-Seelen-Dorf nahe schwäbischen Alb, nämlich in Killer, das Zentrum der Deutschen Peitschenfertigung zu finden war? Die Antworten auf diese und andere Fragen zum Thema erhält man beim Besuch des Peitschenmuseums.

Am kommenden Sonntag geöffnet ab 10 Uhr (bis 17.30) Uhr. Das gemütliche Museumscafe lädt nach einem Besuch zum Verweilen ein. Es werden ganztägig warme Speisen, Kaffee und Kuchen angeboten. Zur Eröffnung hat sich abermals Zoltan Farkas mit seiner Frau Erika angemeldet. Das Ehepaar mit ungarischen Wurzeln und mittlerweile selbst Mitglied im Heimatverein, wird über den Tag verteilt immer wieder ihre ohrenbetäubende und vor allem spektakuläre Peitschenshow präsentieren.

Im Wartesaal des ehemaligen Bahnhofsgebäudes werden erstmals kürzlich gespendete Geschäftsbücher einer ehemaligen Killermer Peitschenfabrik ausgestellt. Dort sind sämtliche Waren-Lieferungen über mehrere Jahre seit 1909 dokumentiert. Dazu gehören selbstverständlich Peitschen aber auch Zubehör wie Riemen, Ohrenkappen, Brustnetze, usw. Ein Besuch lohnt also nicht nur für Museums-Neulinge sondern durchaus auch für Besucher aus der Region. Kinder bis 13 Jahre haben freien Eintritt.

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