Wangener Rat stimmt Entwürfen der Gemeinschaftsunterkünfte für Obdachlose und Flüchtlinge zu

Lesedauer: 5 Min
So könnten die beiden geplanten Gebäude zur Unterbringung von Obdachlosen und Flüchtlingen am Herzmannser Weg (im Vordergrund) (Foto: wassung bader architekten)
Bernd Treffler

Die künftige Heimat für Obdachlose und Flüchtlinge am Herzmannser Weg ist einen Schritt weiter. Der Wangener Gemeinderat hat die Stadt beauftragt, die Planungen für eine dortige Gemeinschaftsunterkunft fortzuführen. Entsprechende Entwürfe für zwei dreigeschossige Gebäude wurden dem Gremium in der Sitzung am Montagabend vorgestellt. Sie stießen auf breite Zustimmung.

Die geplanten Neubauten für Wohnungssuchende und Asylbewerber sollen zwar nur eine „vorübergehende Notunterkunft“ sein, wie Ordnungsamtsleiter Kurt Kiedaisch den Räten vorab erklärte. Rein optisch machten die von Architekt Harald Bader vorgestellten Entwürfe der beiden Gebäude an der Ecke Südring/Herzmannser Weg zwar einen nüchternen, aber durchaus ansprechenden Eindruck.

Es handelt sich dabei um zwei identische Baukörper, deren Stirnseite nach Norden, Richtung Südring zeigt. Das am Herzmannser Weg gelegene Gebäude ist für die städtischen Obdachlosen vorgesehen, in dem östlich davon gelegenen Bau will der Kreis Flüchtlinge unterbringen. Vorgesehen ist auch eine strenge Trennung zwischen öffentlichem und privatem Raum. In den Obergeschossen sind kleine, organisatorisch eigenständige Wohnheiten mit Küche, Sanitäranlage und Nasszelle. Wegen des flexiblen Zuschnitts sollen pro Gebäude bis zu 84, insgesamt also bis zu 168 Menschen Platz finden. Dazu kommt jeweils eine behindertengerechte Wohnung im Erdgeschoss. Ansonsten sind dort Büros, Lager, Besucher-WCs, Foyers oder Gemeinschaftsräume vorgesehen.

Die offene Form im Erdgeschoss lasse Höfe zum Aufenthalt draußen entstehen, hebe, so Harald Bader, die streng rechtwinklige Form der Obergeschosse auf und stelle so einen „Qualitätsgewinn" dar. In einem dritten, eingeschossigen Trakt entlang des Südrings sind Räume für Technik, Müll und Fahrräder untergebracht. Daneben sind einige Stellplätze vorgesehen. Weil die Hauptgebäude identisch sind, könnten laut Architekt Planungskosten eingespart werden. Dennoch würden auf Stadt und Landkreis jeweils Kosten in Höhe von drei Millionen Euro zukommen.

Die in Massivbauweise errichteten Gebäude sollen eine gewisse Nachhaltigkeit und Wertbeständigkeit gewährleisten. Aus diesem Grund sei eine Containerlösung allenfalls eine zeitlich befristete Lösung, so Kurt Kiedaisch. Der Ordnungsamtsleiter verwies bei der Gemeinschaftsunterkunft von Obdachlosen und Asylbewerbern auf Synergieeffekte, die sich die Stadt vor allem bei der Sozialbetreuung und beim Gebäudemanagement erhoffe. Für das laufende Jahr sei die Stadt verpflichtet, elf Flüchtlinge aufzunehmen. Sie werden laut Kiedaisch vorübergehend im Auwiesenweg untergebracht. Baubeginn für die beiden geplanten Gemeinschaftsunterkünfte soll spätestens 2015 sein, die Fertigstellung ein Jahr später.

Otto Lautenschlager (Freie Wähler), Paul Müller (CDU) und Tilman Schauwecker (GOL) bezeichneten die Pläne als gelungen. Weil aktuell bereits 141 Familienmitglieder in den städtischen Obdachlosenunterkünften untergebracht sind, befürchtete der GOL-Fraktionschef aber eine „Verschlechterung für Familien". „Wir werden noch weiteren Wohnraum für Obdachlose brauchen und werden gegebenenfalls Mietwohnungen suchen müssen“, entgegnete Kiedaisch, der auf Nachfrage von Claudia Goldschalt (GOL) noch nicht sagen konnte, ob der zugehende Sozialdienst künftig ebenfalls sein Büro am Herzmannser Weg haben wird. Ebenfalls prüfen will die Stadt, ob die Gemeinschaftsunterkünfte an die städtische Nahwärme angeschlossen werden. OB Michael Lang legte Wert darauf, dass sich die Menschen „trotz aller Bescheidenheit der Gebäude wohlfühlen sollen“.

Am Ende stimmte der Rat mehrheitlich dem Verwaltungsvorschlag zu, die Planungen fortzuführen und die dabei anfallenden Kosten in Höhe von 130 000 Euro zu finanzieren. Dagegen stimmte lediglich die SPD-Fraktion, die die „schöne Planung" zwar anerkannte, grundsätzlich aber weiterhin eine dezentrale Unterbringung bevorzugt.

Mehr zum Thema