Wünsche in der Warteschleife - Lange Lieferfristen

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Deutsche Presse-Agentur

Weil die Autohersteller kaum noch Neuwagen verkaufen, haben die wenigen Interessenten beste Chancen - könnte man meinen. Denn um den Verkauf anzukurbeln, werden Rabatte gewährt und dem Käufer die Wünsche von den Augen abgelesen.

Die Realität sieht jedoch in einigen Punkten anders aus. Gerade in Krisenzeiten bedeuten Sonderwünsche auch längere Lieferfristen. „In Zeiten von Produktionskürzungen oder Produktionsstopps werden die Lieferzeiten tatsächlich länger“, bestätigt Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Denn die Hersteller reagieren erstmal auf die aktuelle Situation, in der sie wegen der geringen Nachfrage eben nicht mehr Fahrzeuge absetzen können. Das hat dann Auswirkungen, wenn einer der seltenen Kunden tatsächlich bei einem Händler auftaucht und gerade jetzt sein bis ins Detail nach Wunsch ausgestattete Fahrzeug ordern möchte.

Mit betroffen von den zurückgehenden Zahlen sind auch die Zulieferer. Denn kein Autohersteller produziert jedes Einzelteil des Fahrzeugs selbst. Leichtmetallfelgen oder Sitzbezüge werden von beauftragten Unternehmen geliefert und ins bestellte Auto eingebaut.

Was das in Zeiten gekürzter Produktion bedeuten kann, dafür hat Ferdinand Dudenhöffer das Beispiel „VW Golf mit gelber Lederausstattung“. So ein Auto erklärt, was zu den Verzögerungen führen kann: Der Wagen wird beim Autohersteller bestellt, der wiederum ordert beim Zulieferer die gelbe Lederausstattung. Dort wird man aber nicht eine einzige gelbe Ausstattung auflegen. Man sammelt in der Regel eine bestimmte Anzahl entsprechender Aufträge und stellt sie dann in einem Rutsch her - nur dauert es bei der schlechten Auftragslage natürlich länger, bis eine solche Anzahl beisammen ist.

Nachfragen bei Herstellern bestätigen dieses Problem. Zum Beispiel Fiat Deutschland in Frankfurt/Main: „Die Lieferfristen bewegen sich bei uns im normalen Rahmen“, sagt Sprecher Thomas Kern. Innerhalb weniger Wochen sollte der georderte Neuwagen bereitstehen. Jedenfalls unter der Voraussetzung, dass es sich um ein Fahrzeug ohne viele Extras handelt. Will der Kunde es aber individuell, kann die Sache anders aussehen: „Wer zum Beispiel einen Fiat 500 mit dem großen Sonnendach Skydome in einer Wunschfarbe und mit dem Sonderleder von Poltrona Frau ordert, der muss längere Wartezeiten einkalkulieren.“ Dann lässt der Wagen etwa vier bis sechs Monate auf sich warten.

Allerdings gibt es auch ein anderes Phänomen: Denn selbst ohne die besagten gelben Ledersitze kann es bei bestimmten Fahrzeugvorlieben zur Geduldsprobe kommen. So muss mancher Autohersteller feststellen, dass die Kundschaft eine Vorliebe für kleinere und sparsame Motoren entwickelt, mit der man nicht gerechnet hat. So hat Audi in Ingolstadt normale Lieferzeiten. „Eine Ausnahme ist bei uns ein Modell wie der Audi A3 mit 1,4-TFSI-Motor - hier liegen die Lieferfristen bei rund einem halben Jahr“, so Audi-Sprecherin Esther Bahne.

Allerdings haben laut Ferdinand Dudenhöffer Beispiele wie VW Tiguan oder Opel Insignia gezeigt, dass durchaus noch mit Anpassungen oder Umstellung der Produktion solche Fristen verkürzt werden können. Wer allerdings wirklich ein neues Auto kaufen will und von der Krise profitieren möchte, verzichtet auf ausgefallene Wünsche, und kauft ein Auto, das womöglich schon beim Händler auf Käufer wartet.

Bei Neuwagen-Kaufverträgen wird in der Regel eine unverbindliche Lieferfrist genannt, so Herbert Engelmohr von der Rechtsabteilung des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt. Der Käufer kann daher nicht sofort vom Vertrag zurücktreten, wenn der Termin nicht eingehalten wurde. Vielmehr gerate der Verkäufer erst nach Ablauf von sechs Wochen nach Ende der unverbindlichen Lieferfrist in Verzug - und nach einer schriftlichen Mahnung. Dann erst hat ein Käufer Anspruch auf Schadensersatz für entstandene Kosten, wie zum Beispiel für einen in der Zwischenzeit genutzten Mietwagen. Will der Käufer vom Vertrag zurücktreten, muss er nach Ablauf der sechs Wochen den Händler zur Lieferung aufgefordert und eine Nachfrist mit Datum gesetzt haben. Zwei Wochen sind laut dem AvD ausreichend.

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