Vorsorgevollmacht: Sicherheit vor Missbrauch im Alter

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Deutsche Presse-Agentur

Mit zunehmendem Alter sind die viele Menschen auf Hilfe angewiesen. Sie können ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr ohne weiteres selbst erledigen.

Oft ist es daher nötig, in diesem Lebensabschnitt wichtige Entscheidungen rechtlich auf Dritte zu übertragen. Dafür bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten - die Betreuungsverfügung und die Vorsorgevollmacht. Viele Betroffene und ihre Familienangehörigen wissen aber nicht, wie sich die Regelungen genau auswirken und wie man sich vor Missbrauch durch sie schützt.

Rechtliche Betreuung oder Vorsorgevollmacht - die Voraussetzungen und Folgen sind unterschiedlich. „Eine Vorsorgevollmacht erstellt jemand freiwillig in gesunden Tagen, damit er jemanden hat, der im Ernstfall für ihn handeln kann“, erklärt die Rechtsanwältin Ingrid Groß aus Augsburg, die Mitglied im Familienausschuss des Deutschen Anwaltvereins in Berlin ist. Eine rechtliche Betreuung wird dagegen erst installiert, wenn eine Person rechtlich nicht mehr für sich selbst handeln kann und sie keine Vorsorgevollmacht ausgestellt hat.

„Ein rechtlicher Betreuer wird vom Gericht bestellt, wenn der Betroffene aufgrund einer Krankheit nicht mehr seine Angelegenheiten regeln kann“, erklärt die Rechtsanwältin Bärbel Schönhof aus Bochum. Der dritte Begriff ist der der Betreuungsverfügung. „Das ist der Wunsch für die Auswahl des rechtlichen Betreuers an das Gericht“, sagt Groß. Etwa, wenn eine bestimmte Person im Ernstfall vom Gericht bestellt werden soll, um sich um das Rechtliche zu kümmern. Die rechtliche Betreuung - und somit die Betreuungsverfügung - ist aber nicht so weitreichend wie die Vorsorgevollmacht.

Denn im Gegensatz zu einem rechtlichen Betreuer handle ein Bevollmächtigter mit Vorsorgevollmacht rein privatrechtlich. Daher ist dieser Fall stärker anfällig für Missbrauch. „Das sind die Fälle, die dann bei mir auflaufen“, sagt Groß, „zum Beispiel, wenn bei einem Dementen dann einfach Geld abgehoben wird.“

Diese Fälle gibt es, weil der Inhaber der Vorsorgevollmacht nicht verpflichtet ist, gegenüber dem Gericht Rechenschaft abzulegen, erläutert Groß. „Der Bevollmächtigte wird nicht vom Gericht kontrolliert.“ Er sollte daher immer jemand sein, dem der Betroffene vollständig vertraut, rät Schönhof. „Der Bevollmächtigte muss quasi nur Rechenschaft ablegen, wenn er erwischt wird. Der rechtliche Betreuer muss jährlich mit Belegen beim Gericht Rechenschaft über seine Tätigkeit ablegen“, sagt Groß.

Erst im Zweifelsfall habe der Bevollmächtigte die Pflicht, Belege und Rechnungen über das vorzulegen, was er eingenommen und ausgegeben hat, sagt Groß. „Der Betroffene kann im Missbrauchsfall Schadenersatz fordern.“ Hat der Betroffene das Gefühl, hintergangen zu werden, könne er auch beantragen, dass zusätzlich ein Kontrollbetreuer eingesetzt wird, erklärt Heinrich Meyer-Götz, Anwalt für Familienrecht in Dresden.

Literatur: Walter Zimmermann: Ratgeber Betreuungsrecht - Hilfe für Betreute und Betreuer, Beck-Rechtsratgeber im dtv, ISBN 978-3-406-54999-1, 10 Euro

Rechtliche Betreuung: Entscheidungen dokumentieren

Die sogenannte rechtliche Betreuung ist das Ergebnis mehrerer Umbenennungen. Im Volksmund ist der Begriff der Entmündigung nach wie vor verbreitet. Damit ging früher das „Bereitstellen eines Vormundes“ einher, erläutert die Rechtsanwältin Ingrid Groß aus Hamburg. Diese Fälle wurden umbenannt in „Gebrechlichkeitspflegschaft“, anschließend in „Betreuung“. Das habe allerdings auch danach geklungen, als helfe der Bestellte „beim Essen und Spazierengehen“, sagt Groß. Daher gibt es seit Anfang dieses Jahrtausends den „rechtlichen Betreuer“, der sich um die Rechtsgeschäfte kümmert.

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