Vorsitzender Frank Neumann über den Bezirksbienenzuchtverein Aulendorf: "Die Honigbiene ist sehr sanftmütig"

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Schwäbische Zeitung

SZ: Herr Neumann, was fasziniert Sie an Bienen?

Frank Neumann: Als Erstes fasziniert mich die große Leistungsfähigkeit von Bienen. Bienen erschaffen sich ihren Lebensraum in ihrem Bienenstock selber. Daneben produziert ein aktiver Bienenstock 40 bis 80 Kilogramm Honig in einer Saison. Nicht zu vergessen ist der große Nutzen für die Landwirtschaft. Ohne die Bestäubungstätigkeit durch Bienen würde man wesentlich weniger Früchte ernten können.

SZ: Warum engagieren Sie sich als Vorsitzender in diesem Verein?

Frank Neumann: Zum einen, weil ich ein naturverbundener Mensch bin. Ich erlebe gerne die Natur. Die Imkertätigkeit mit den Bienen ist für mich sehr entspannend. Des Weiteren ist mir der Naturschutz sehr wichtig. Die Biene ist ein Teil des Naturkreislaufs und ein wichtiger Bioindikator. Geht es der Biene gut, geht es der Umwelt gut. Somit verstehe ich die Arbeit mit Bienen als aktiven Naturschutz und Dienst für die Allgemeinheit.

SZ: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, wenn man in den Verein eintreten möchte?

Frank Neumann: Man sollte sich für die Natur und die ökologischen Zusammenhänge interessieren. In unserem Verein bilden wir Imker selber aus. Die Ausbildung umfasst zwei Theorieteile und fünf Praxisteile. Dabei bekommt der Interessierte den gesamten Jahreszyklus eines Bienenvolkes mit. Danach wird ihm ein junges Bienenvolk zur Pflege übergeben, das er zusammen mit einem Mentor betreut. Man kann sich dann später als Imker vielen Spezialthemen widmen, wie zum Beispiel den Pollen, die man als diätisches Nahrungsergänzungsmittel verwenden kann.

SZ: Wie sieht die Tätigkeit als Imker aus?

Frank Neumann: Da die Bienen sich selber versorgen, hält sich der Arbeitsaufwand eines Imkers in Grenzen, lediglich ein bis zwei Stunden an jedem zweiten Wochenende muss an Zeit für die Bienenpflege investiert werden. Die Hauptarbeit fällt während der Schwärmzeit und der Honigerntezeit im Mai und Juni an. Man muss auch nicht viel Geld für eine Imkerausrüstung ausgeben, und Geräte wie eine Wabenschleuder kann man beim Verein ausleihen. Außerdem ist die westliche Honigbiene (Apis Mellifera) ein sehr sanftmütiges Tier und nicht gefährlich.

SZ: Welche Aktivitäten unternimmt der Verein während des Jahres?

Frank Neumann: Im Februar findet immer unsere Jahreshauptversammlung statt. Während des gesamten Bienenjahres finden im Gasthaus „Hirschen“ in Zollenreute Fachvorträge zu bienenspezifischen Themen statt. Im August lädt der Verein alle Vereinsmitglieder mit ihren Familien zum jährliches „Imkerfestle“ ein. Ein weiterer Höhepunkt ist im Oktober eine gemeinsame Vortragsveranstaltung der Imkervereine Bad Waldsee und Aulendorf. Jahresabschluss ist die Nikolausfeier im Dezember.

SZ: Was wünschen Sie sich als erster Vorsitzender des Vereins für die Zukunft?

Frank Neumann: Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir Imker durch unsere Tätigkeit noch mehr Menschen für die Zusammenhänge in der Natur und deren Schutz begeistern können. Außerdem möchten wir verstärkt Kinder und Jugendliche für die Bienenpflege interessieren. Imkern ist etwas für die ganze Familie.

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