Von unterwegs ins Internet: Messe zeigt Handy-Trends

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Deutsche Presse-Agentur

Die Zukunft des Mobilfunks zeigt sich derzeit in Barcelona. Dort trifft sich die Branche zur Leistungsschau (16. bis 19. Februar). Natürlich wurden in der katalanischen Metropole neue Handys präsentiert.

Doch ebenso wichtig sind die Anwendungen, die sich damit nutzen lassen. Denn mit Gesprächen allein verdienen die Unternehmen künftig nicht mehr genug Geld. Man setzt auf Datendienste, sprich auf das mobile Internet.

Der Branchenverband BITKOM erwartet in diesem Jahr ein Umsatzzuwachs bei den mobilen Internetdiensten um acht Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Wo es seiner Meinung nach lang geht, beschrieb Noika-Chef Olli-Pekka Kallasvuo in Barcelona so: „Unsere neuen Geräte werden die Möglichkeiten des mobilen Internets entfesseln.“

Diese sind im wesentlichen von vier Faktoren abhängig: einem schnellen Zugang, bezahlbaren Tarifen, Spaß machenden Handys und entsprechenden Anwendungen im Netz. Wie es geht, macht Apple seit eineinhalb Jahren vor - mit dem iPhone, dem angebundenen App Store und iTunes. Die Nutzer können nahtlos unterschiedliche Dienste und Anwendungen für ihr Handy nutzen.

Nun machen es die Dinos unter den Handyherstellern dem Neuling Apple nach. Bei Nokia soll eine neue Plattform unter „publish.ovi.com“ es Software-Entwicklern leichter machen, ihre für Nokia-Handys geschriebenen Programme anzubieten. Wie in Apples App Store soll die Zahl der Anwendungen auf diese Weise zügig wachsen. Zudem eröffnet das Unternehmen im Mai zunächst in neun Ländern den sogenannten Ovi Store - dort können Nokia-Nutzer online digitale Inhalte für ihre Handys einkaufen - Musik und Filme wie „Ice Age 3“ etwa. Vom Herbst an soll Ovi Store weltweit zugänglich sein.

Auch Microsoft ist auf der Messe vertreten - das Unternehmen liefert mit Windows Mobile ein Betriebssystem für unzählige Handys. In gewohnter Manier brüllte Microsoft-Chef Steve Ballmer diesmal: „Wir haben drei Ankündigungen zu machen.“ Erstens richtet nun auch Microsoft eine Plattform für den Vertrieb von Handy-Anwendungen ein - sie heißt Marketplace. Zweitens ist der Service My Phone neu - er gestattet es, Daten vom Handy, etwa Bilder, im Web zu speichern. Von dort aus lassen sie sich auf andere Handys übertragen, was zum Beispiel beim Verlust des Telefons sinnvoll ist. My Phone setzt Windows Mobile 6.1 voraus.

Die dritte von Steve Ballmer angekündigte Neuheit ist eine weitere Version von Microsofts Smartphone-Software: Windows Mobile 6.5 kommt mit einem Startfenster daher, das die wichtigsten Funktionen des Handys auf einen Blick zeigt - und ein wenig an das iPhone erinnert.

Die ersten Endgeräte werden bald auf den Markt kommen. Peter Chou, Chef des Herstellers HTC, verkündete, dass die gerade auf der Messe vorgestellten Modelle Diamond2 und Touch Pro2 „ready for Windows Mobile 6.5“ seien. Wer jetzt kauft, bekommt das Update gratis.

Chou, dessen Firma wohl der größte Produzent von Windows-Handys ist, schwärmte von der Zusammenarbeit mit Microsoft. Was HTC nicht daran hindert, mit dem G1 ein auf der Android-Software basierendes Handy zu bauen. Der Nachfolger des G1 wird von HTC nicht zusammen mit T-Mobile auf den Markt gebracht, sondern mit Vodafone. Das HTC Magic ähnelt jedoch - abgesehen vom Betriebssystem - vielen anderen neuen Smartphones.

Touch, also die Möglichkeit, das Handy mit den Fingern über das Display zu bedienen, ist dabei ein Muss. Die Benutzeroberfläche haben viele Hersteller geradezu frech vom iPhone übernommen. Allerdings haben die Kopisten aus Apples Fehlern gelernt: Viele der „Kopien“ kommen mit einer Tastatur daher, die bei Bedarf unter dem Touchscreen hervorgezogen werden kann - die gibt es beim Apple-Handy nicht.

Barcelona hat auch einen neuen Handy-Hersteller hervorgebracht: Acer steigt in den Mobilfunkmarkt ein - und verkündete die Einführung von gleich zehn Modellen in diesem Jahr. Sie arbeiten alle mit Windows Mobile - Steve Ballmer dürfte es freuen. Und viel Konkurrenz ist auch für den Käufer gut.

Nokia-Plattform Ovi: publish.ovi.com

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