Heute sehr beliebt auf der Alb: Fuchs- und Schleppjagden.
Heute sehr beliebt auf der Alb: Fuchs- und Schleppjagden. (Foto: privat)
Heinz Surek Von Heinz Surek

Laichingen - „Der Jäger von Fall“, so lautet der Titel eines Romans von Ludwig Ganghofer, der auch erfolgreich verfilmt wurde. Den Roman „Der Jäger von Laichingen“ gibt es (noch) nicht, wohl aber viel zu berichten über „Die Jäger von der Laichinger Alb“, und dies soll heute geschehen.

Es handelt sich dabei um prächtige Forst- und Jagdleute des vergangenen Jahrhunderts, mit Ecken und Kanten, und somit auch mit Profil. Da gab es beispielsweise den Laichinger Arzt Dr. Karl Emil Hartmann. Ein streitbarer liberaler Demokrat war er, der in Laichingen die erste politische Partei, die „Deutsche Volkspartei“, gründete und dabei die Regierung in Stuttgart derart kritisierte, dass er wegen Majestätsbeleidigung angeklagt wurde.

Als Querdenker und Ideengeber gelang es ihm sogar, die Laichinger davon zu überzeugen, in ihrer Hüle Fische auszusetzen und einen Fischzuchtverein zu gründen. Sein Jagdrevier war viel größer als die heutigen: Es reichte von Eichhalden über Hohenlau, Neubahn und Freienhau bis Kaltenbuch, wo er vor nunmehr über hundert Jahren nach Herzenslust das edle Waidwerk ausübte.

Als er aber 1897 Laichingen verließ, um am Michelsberg in Ulm eine Privatklinik zu eröffnen, musste er sein Laichinger Jagdgebiet etwas vernachlässigen, so dass im Jahre 1909 einige Wilderer dort leichte Beute machen konnten. 50 Reichsmark versprach er jedem, der einen der Wilderer „namhaft“ machen konnte – er brauchte sein Geld dafür nicht auszugeben,

Mit Wilderern herumschlagen musste sich auch der Laichinger Förster Friedrich Weixler, der im Truppenübungsplatz Münsingen als Heeres-Oberförster Dienst tat. Auch dort trieben nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit großer Lebensmittelknappheit, mehrere Wilderer ihr Unwesen. Am 28. November 1919 wurde auf Weixler gar ein Mordversuch unternommen, als ein Wilderer, den er gestellt hatte, mehrere scharfe Schüsse auf den Oberförster abgab. Die Staatsanwaltschaft setzte eine Belohnung von 500 Reichsmark zur Ergreifung des Täters aus – auch wieder erfolglos.

Als Nachfolger von Forstwart Karl Hölzle kam im Jahre 1934 der aus Weidenstetten stammende Revierförster Hugo Weihmüller nach Laichingen. Über zwanzig Jahre lang versah er das Laichinger Revier, baute die „Pflanzschule“ im Wald „Westerlau“ auf und ging natürlich auch auf die Jagd. Er war damals schon ein weitblickender Forstmann, der das komplizierte Zusammenspiel von verschiedenartigen Waldbäumen, den Tieren des Waldes bis hin zu den Insekten und Kleinstlebewesen, der Kräuter, Pflanzen und Pilze im Ökosystem Wald erkannte und förderte.

So war ihm insbesondere der Schutz der Vogelwelt ein großes Anliegen. Schon ein Jahr nach seinem Dienstantritt in Laichingen gründete er hier die rührige Ortsgruppe des Vogelschutzbundes, die viele Jahre später in den Naturschutzbund (NABU) integriert wurde. Freundlich und humorvoll konnte er sein; wenn er allerdings, auf dem Hochsitz auf das Wild lauernd, von Spaziergängern oder herumtollenden Kindern gestört wurde, dann ging auf die „Störer“ eine Schimpfkanonade nieder, die sie so schnell nicht vergaßen. Seine Nachfolger als Revierförster waren und sind Heinz Roller und Alfred Daiber.

Ein lachender Philosoph im grünen Rock war Jagdpächter Hugo Bühler. Gern erzählte er im „Waldhorn“ und im „Engel“ seine Jagderlebnisse, und man wusste oft nicht so recht, ob er nicht etwas flunkerte. Wir sprechen vom Jäger-Latein, das allerdings nicht Hauptfach in der Jagdschule war und ist. Das „grüne Abitur“, so nennen die Jäger gern die Erlangung des Jagdscheins. Spötter hingegen meinen, dieser Ausdruck beziehe sich auf das Jäger-Latein. Schon erstaunlich sind die Berichte von „Doubletten“, also der Erlegung von zwei Stück Wild unmittelbar hintereinander.

Zur vorgerückter Stunde konnte die Doublette gar zur „Triplette“ werden, bei der gleich drei Füchse auf einmal ins Gras beißen müssen. Erstaunlich auch der Bericht in der „Schwäbischen Albzeitung“ über einen Berghüler Jäger, der mit einer Kugel gleich zwei kapitale Wildsauen erlegt haben soll. Auch auf der alljährlichen „Trophäenschau“ in Münsingen, zu der der Laichinger Jäger Gerhard Lohrmann gern seinen in den bayerischen Bergen geschossenen und präparierten Auerhahn mitbrachte, wurden wohl ebenfalls die Jagderfolge etwas zu dick aufgetragen.

Man braucht sich nicht zu wundern, dass als Reaktion auf derartige Berichte einige der prahlenden Jäger selbst zur Zielscheibe des Spotts wurden. So unterstellte man einem Laichinger Jäger, er habe seinen eigenen Rucksack „erschossen“, weil er die beiden Tragriemen mit den „Löffeln“ Meister Lampes verwechselt habe. Außerdem will man unter einzelnen Hochsitzen eine ganze Batterie von Spirituosen-Flaschen, natürlich der Marke „Jägermeister“, gefunden haben.

Kein Jäger, wohl aber ein großer Freund des Waldes und des Wildes war der Laichinger Schriftsteller Karl Heinrich Bischoff. Regelmäßig begleitete er seinen Freund, den Kohlen- und Eisenwarenhändler Hans Reutter, in dessen Jagdrevier auf Weidstetten, ließ sich einen Hochsitz zuweisen und wartete auf das austretende Rehwild. In seinen Romanen und Erzählungen schildert er immer wieder solche Begegnungen mit diesen schönen und anmutigen Tieren des Waldes. Er selbst wollte nicht schießen, aber das Aufbrechen des Wildes, die „rote Arbeit“, beherrschte er aus dem Effeff.

Absoluter Grandseigneur unter den Laichinger Jägern war aber der Maschinenbau-Unternehmer Eberhard Hoeckle aus Mössingen. Ein „gütiges Geschick“ habe ihn auf die Alb geführt, berichtete er einmal, und so habe er bereits 1931 hier ein Jagdrevier gepachtet. Später gehörten auch Anteile auf der Westerheimer und Zaininger Markung zu seinen Jagdgründen. Gern hätte er nach dem Krieg sein Stammwerk in Laichingen gegründet, aber die Lobby der Leinenweber im Gemeinderat lehnte dies ab.

Großzügig unterstützte Hoeckle die Vereine in Westerheim, Zainingen und Laichingen bei ihren Anschaffungen und Investitionen. Besonders bei den Westerheimern war Hoeckle sehr beliebt. Einmal, im Winter 1973, lud er zu einer Drückjagd in den Westerheimer Wäldern ein, um den Schwarzwildbestand zu dezimieren. Als die Strecke ausgelegt wurde, gab es für die Jäger und Treiber eine kräftige Erbsensuppe und natürlich auch Getränke. Ein junger Redakteur der „Schwäbischen Zeitung“ verglich in seinem Zeitungsbericht diese Jägermahlzeit im Freien mit dem „Hoflager eines Fürsten“.

Daraufhin gab es in den nächsten Tagen eine Flut von Leserbriefen der Westerheimer (heute würden wir von einem „Shitstorm“ sprechen), in denen – völlig zurecht – gerade die Bescheidenheit und Menschlichkeit Hoeckles hervorgehoben wurde. 27 Jahre lang war Hoeckle Laichinger Hegeringleiter; dabei achtete er darauf, dass die Jäger auch Aufgaben des Naturschutzes wahrnahmen. Öffentliche Kritik an der Jägerei registrierte auch er, aber anders als andere war er auch zur Selbstkritik bereit: „Nicht immer waren wir Jäger an diesen Angriffen schuldlos.“

Laichingen - „Der Jäger von Fall“, so lautet der Titel eines Romans von Ludwig Ganghofer, der auch verfilmt wurde. Den Roman „Der Jäger von Laichingen“ gibt es (noch) nicht, wohl aber viel zu berichten über „Die Jäger von der Laichinger Alb“, und dies soll geschehen.

Es handelt sich dabei um prächtige Forst- und Jagdleute des letzten Jahrhunderts, mit Ecken und Kanten, und somit auch mit Profil. Da gab es den Laichinger Arzt Dr. Karl Emil Hartmann. Ein streitbarer liberaler Demokrat war er, der in Laichingen die erste politische Partei, die „Deutsche Volkspartei“, gründete und dabei die Regierung in Stuttgart derart kritisierte, dass er wegen Majestätsbeleidigung angeklagt wurde.

Als Querdenker und Ideengeber gelang es ihm sogar, die Laichinger davon zu überzeugen, in ihrer Hüle Fische auszusetzen und einen Fischzuchtverein zu gründen. Sein Jagdrevier war viel größer als die heutigen: Es reichte von Eichhalden über Hohenlau, Neubahn und Freienhau bis Kaltenbuch, wo er vor nunmehr über hundert Jahren nach Herzenslust das edle Waidwerk ausübte.

Als er aber 1897 Laichingen verließ, um am Michelsberg in Ulm eine Privatklinik zu eröffnen, musste er sein Laichinger Jagdgebiet etwas vernachlässigen, so dass 1909 einige Wilderer dort leichte Beute machen konnten. 50 Reichsmark versprach er jedem, der einen der Wilderer „namhaft“ machen konnte - er brauchte sein Geld dafür nicht auszugeben.

Gar ein Mordversuch

Mit Wilderern herumschlagen musste sich auch der Laichinger Förster Friedrich Weixler, der im Truppenübungsplatz Münsingen als Heeres-Oberförster Dienst tat. Auch dort trieben nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit großer Lebensmittelknappheit, Wilderer ihr Unwesen. Am 28. November 1919 wurde auf Weixler gar ein Mordversuch unternommen, als ein Wilderer, den er gestellt hatte, mehrere scharfe Schüsse auf den Oberförster abgab. Die Staatsanwaltschaft setzte eine Belohnung von 500 Reichsmark zur Ergreifung des Täters aus – erfolglos.

Als Nachfolger von Forstwart Karl Hölzle kam im Jahre 1934 der aus Weidenstetten stammende Revierförster Hugo Weihmüller nach Laichingen. Über zwanzig Jahre lang versah er das Laichinger Revier, baute die „Pflanzschule“ im Wald „Westerlau“ auf und ging natürlich auch auf die Jagd. Er war damals schon ein weitblickender Forstmann, der das komplizierte Zusammenspiel von verschiedenartigen Waldbäumen, den Tieren des Waldes bis hin zu den Insekten und Kleinstlebewesen, der Kräuter, Pflanzen und Pilze im Ökosystem Wald erkannte und förderte.

Ihm war der Schutz der Vogelwelt ein großes Anliegen. Schon ein Jahr nach seinem Dienstantritt in Laichingen gründete er hier die rührige Ortsgruppe des Vogelschutzbundes, die viele Jahre später in den Naturschutzbund (NABU) integriert wurde. Freundlich und humorvoll konnte er sein; wenn er allerdings, auf dem Hochsitz auf das Wild lauernd, von Spaziergängern oder herumtollenden Kindern gestört wurde, dann ging auf die „Störer“ eine Schimpfkanonade nieder, die sie so schnell nicht vergaßen. Seine Nachfolger als Revierförster waren und sind Heinz Roller und Alfred Daiber.

Philosoph im „grünen Rock“

Ein lachender Philosoph im grünen Rock war Jäger Hugo Bühler. Gern erzählte er im „Waldhorn“ und im „Engel“ seine Jagderlebnisse, und man wusste oft nicht so recht, ob er nicht etwas flunkerte. Wir sprechen vom Jäger-Latein, das allerdings nicht Hauptfach in der Jagdschule war und ist. Das „grüne Abitur“, so nennen die Jäger gern die Erlangung des Jagdscheins. Spötter hingegen meinen, dieser Ausdruck beziehe sich auf das Jäger-Latein. Erstaunlich sind die Berichte von „Doubletten“, also der Erlegung von zwei Stück Wild gleich hintereinander.

Zur vorgerückter Stunde konnte die Doublette gar zur „Triplette“ werden, bei der gleich drei Füchse auf einmal ins Gras beißen müssen. Erstaunlich auch der Bericht in der „Schwäbischen Albzeitung“ über einen Berghüler Jäger, der mit einer Kugel gleich zwei kapitale Wildsauen erlegt haben soll. Auch auf der alljährlichen „Trophäenschau“ in Münsingen, zu der der Laichinger Jäger Gerhard Lohrmann gern seinen in den bayerischen Bergen geschossenen und präparierten Auerhahn mitbrachte, wurden wohl die Jagderfolge etwas zu dick aufgetragen.

Eigenen Rucksack „erschossen“

Man braucht sich nicht zu wundern, dass als Reaktion auf derartige Berichte einige der prahlenden Jäger selbst zur Zielscheibe des Spotts wurden. So unterstellte man einem Laichinger Jäger, er habe seinen eigenen Rucksack „erschossen“, weil er die beiden Tragriemen mit den „Löffeln“ Meister Lampes verwechselt habe. Außerdem will man unter einzelnen Hochsitzen eine ganze Batterie von Spirituosen-Flaschen, natürlich der Marke „Jägermeister“, gefunden haben.

Kein Jäger, wohl aber ein großer Freund des Waldes und des Wildes war der Laichinger Schriftsteller Karl Heinrich Bischoff. Regelmäßig begleitete er seinen Freund, den Kohlen- und Eisenwarenhändler Hans Reutter, in dessen Jagdrevier auf Weidstetten, ließ sich einen Hochsitz zuweisen und wartete auf das austretende Rehwild. In seinen Romanen und Erzählungen schildert er immer wieder solche Begegnungen mit diesen schönen und anmutigen Tieren des Waldes. Er selbst wollte nicht schießen, aber das Aufbrechen des Wildes, die „rote Arbeit“, beherrschte er aus dem Effeff.

Grandseigneur unter den Laichinger Jägern war aber der Maschinenbau-Unternehmer Eberhard Hoeckle aus Mössingen. Ein „gütiges Geschick“ habe ihn auf die Alb geführt, berichtete er einmal, und so habe er bereits 1931 hier ein Jagdrevier gepachtet. Später gehörten auch Anteile auf der Westerheimer und Zaininger Markung zu seinen Jagdgründen. Gern hätte er nach dem Krieg sein Stammwerk in Laichingen gegründet, aber die Lobby der Leinenweber im Gemeinderat lehnte dies ab.

Unterstützung für die Vereine

Großzügig unterstützte Hoeckle die Vereine in Westerheim, Zainingen und Laichingen bei ihren Anschaffungen und Investitionen. Besonders bei den Westerheimern war Hoeckle sehr beliebt. Einmal, im Winter 1973, lud er zu einer Drückjagd in den Westerheimer Wäldern ein, um den Schwarzwildbestand zu dezimieren. Als die Strecke ausgelegt wurde, gab es für die Jäger und Treiber eine kräftige Erbsensuppe und natürlich auch Getränke. Ein junger Redakteur der „Schwäbischen Zeitung“ verglich in seinem Zeitungsbericht diese Jägermahlzeit im Freien mit dem „Hoflager eines Fürsten“.

Daraufhin gab es in den nächsten Tagen eine Flut von Leserbriefen der Westerheimer (heute würden wir von einem „Shitstorm“ sprechen), in denen – völlig zurecht – gerade die Bescheidenheit und Menschlichkeit Hoeckles hervorgehoben wurde. 27 Jahre lang war Hoeckle Laichinger Hegeringleiter; dabei achtete er darauf, dass die Jäger auch Aufgaben des Naturschutzes wahrnahmen. Öffentliche Kritik an der Jägerei registrierte auch er, aber anders als andere war er auch zur Selbstkritik bereit: „Nicht immer waren wir Jäger an diesen Angriffen schuldlos.“

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