Volkssternwarte Kempten stellt das geplante Observatorium in Eschach vor

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Infostand mit Pavillon dahinter
Der Infostand der Sternwarte Kempten auf dem Parkplatz über dem Eschacher Weiher. Hinter dem weißen Wohnmobil im Hintergrund wird die Sternwarte entstehen. (Foto: Walter Schmid)
Walter Schmid

Die Volkssternwarte Kempten wird auf dem Grundstück neben dem Parkplatz über dem Eschacher Weiher ein Observatorium für Beobachtungen des Sternenhimmels bauen. „Es soll eine Einrichtung zur Volksbildung entstehen die Bildungsaufgaben im Allgemeinen und im naturwissenschaftlichen Sinne wahrnimmt“, erklärt Paolo Acquadra den Besuchern gleich neben ihrem künftigen Standort. Er ist selbst Lehrer, Hobbyastronom und Vorsitzender des Vereins. Der Besucherandrang an dem glutheißen Sonntag ist überschaubar. Die allermeisten eilen so schnell wie möglich den Berg hinab Richtung Wasser. Immer wieder interessieren sich einige für die Infos unter dem Partyzelt und ums daneben platzierte Himmelsteleskop, betreut von einigen Aktiven des Vereins.

Das Gelände neben dem Parkplatz auf der Höhe von 1040 Metern sei gekauft, Pläne und Baugenehmigung liegen vor. Die Aktiven betonen: „Ein Observatorium soll es werden, man könne es gerne auch Volkssternwarte oder Feriensternwarte nennen, die allen Interessierten, der Allgäuer Bevölkerung und den Feriengästen zur Verfügung steht. Man kann dann den Sternenhimmel und dessen Objekte im Weltraum selbst betrachten unter fachlicher Begleitung.“ Ein weiterer Schwerpunkt liege in der astronomischen Arbeit der Vereinsmitglieder und zusätzliche wissenschaftliche Forschung in Kooperation mit der Kemptener Hochschule, deren Professoren und den Studierenden.

Wegen der Windstöße auf über 1000 Metern Höhe mussten die Männer der Sternwarte immer wieder ihren Sonnenschutz festhalten, hatten gleichzeitig Gelegenheit auf die ideale Lage des Standortes aufmerksam zu machen: geringe Lichtverschmutzung bei Nacht, freie Sicht gen Süden, gute Erreichbarkeit durch den angrenzenden Parkplatz und in dieser Höhe frei von der dunstigen Luft im Illertal.

Nicht ganz unglücklich scheint der Verein darüber zu sein, dass sie in der Stadt ihren seitherigen Standort wegen eines Baugebietes aufgeben mussten und ganz ordentlich finanziell entschädigt wurden. Es sei eine Basis für den Neubau, damit sie im kommenden Jahr beginnen können. Es würden freilich noch ein paar Hunderttausender fehlen und sie seien deswegen noch auf Sponsoren angewiesen. Im Ganzen soll ein Lagerraum mit einer darüber liegenden Beobachtungsplattform mit mobiler Dachkonstruktion entstehen. Daneben der Vortragsraum mit 50 Sitzplätzen und kleinem Technikraum und ein Verbindungsgang zu einer Teleskopkuppel von fünf Metern Durchmesser.

Andreas Steinhauser erklärt nebenbei den Besuchern eine digitale Sonnenuhr, ein nie gesehenes Spritzgussteil mit Schlitzen und Löchern, das in die Sonne gehalten, auf der Unterlage am Boden ziemlich genau die Uhrzeit anzeigt.

Reinhold Kutter ist der Fachmann am H-Alfa Sonnenteleskop. Entsprechende Filter ermöglichen den direkten Blick in die Sonne, die sich als feuerrote Scheibe darstellt. Von Zeit zu Zeit könne man an den Rändern der Sonne sogenannte Fackelauswürfe aus besonders heißen Gasen erkennen, durch die sich auf der Erde Magnetfeldlinien ergeben und dann als Polarlichter fürs menschliche Auge sichtbar werden. Man müsse sich die Dimensionen des glühenden Balls so vorstellen: In den Durchmesser der Sonne passe 109 Mal die Erde nebeneinander hinein. „Da wird man ganz klein und völlig unbedeutend auf unserem winzigen Stern im Weltraum den wir unsere Erde nennen“, meint ein erstaunter Sonnenbeobachter.

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