Volieren für Vögel: Freiflug möglichst inklusive

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Deutsche Presse-Agentur

In einer Voliere können Vögel ihre Flügel richtig ausstrecken oder auch mal eine Runde fliegen. Je nach Größe ist sogar noch Platz für weitere Tiere und somit für Gesellschaft, die viele Vogelarten brauchen.

„Daher ist eine Voliere eine sehr gute Sache„, sagt Norbert Kummerfeld, Tierarzt und Leiter der Zier- und Wildvogelklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Doch egal, ob man sich entschließt, sie fertig zu kaufen oder selber zu bauen, gelte: „Sie muss richtig und naturgemäß gestaltet werden und den Ansprüchen der Tiere gerecht werden.“

Zuerst einmal muss man sich entscheiden, ob die Voliere außen oder innen errichtet werden soll. „Das sollte ganz auf die Bedürfnisse der Vögel abgestimmt werden“, erläutert Kummerfeld. „Deshalb ist es wichtig, sich vorab gut darüber zu informieren.“ Wenn die Tiere an kältere Temperaturen gewöhnt sind, sei eine Außenvoliere allerdings immer vorzuziehen.

Voraussetzung für eine Haltung im Freien ist jedoch, dass es einen geschlossenen Schutzraum gibt, der an die Voliere anschließt und beheizbar ist. „Im Winter sollte dieser Raum mindestens zehn Grad warm und immer frostfrei sein“, rät Steffen Beuys, Sprecher des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn. „Im Sommer wiederum schützt der Innenraum vor Wind, Regen und Hitze.“ Wichtig sei, dass die Vögel den Raum jederzeit selbstständig aufsuchen können. „Dabei muss die Anlage gleichermaßen aus- und einbruchsicher sein, damit die Vögel nicht entweichen können und Wildtiere keine Chance auf Beute haben.“

Wer keine fertige Voliere kaufen will, kann mit etwas handwerklichem Geschick auch selber eine bauen. „Dabei wird entweder der sogenannte punktgeschweißte Draht auf selbst gebaute Rahmen gezogen“, erklärt Klaus Oechsner, Präsident des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands aus Wiesbaden. „Oder man greift auf Fertigteile zurück, die man zu einer eigenen Voliere zusammenbaut.“

Unabhängig vom Standort sollte bei Volieren eine bestimmte Mindestgröße beachtet werden. Die unterscheidet sich jedoch von Vogelart zu Vogelart, wie Experte Beuys weiß. Bei sogenannten Unzertrennlichen sollte die Voliere für zwei bis vier Tiere mindestens 120 x 60 x 100 Zentimeter groß sein - vorausgesetzt, man lässt die Tiere zusätzlich regelmäßig aus dem Käfig und in einem Zimmer frei herumfliegen. Bei Nymphensittichen sollte die Voliere sogar mindestens 150 Zentimeter lang und 200 Zentimeter hoch sein - allerdings wäre auch das zum Fliegen noch zu klein.

Ist der Rohbau der Voliere fertig, geht es an die Innenausstattung. „Dazu gehören auf jeden Fall eine Badestelle, Klettermöglichkeiten, Sitzbrettchen und eine Futterstelle, die so angebracht ist, dass die Tiere nicht hineinkoten können“, rät Oechsner. Außerdem sei es sinnvoll, die Voliere am Boden mit Draht zu sichern und bis in etwa einen Meter Höhe vom Boden aus mit Glas oder Plastik zu verkleiden. „Dann können Katzen und Marder nicht so leicht daran hochspringen“, fügt der Experte hinzu. Damit die Vögel nicht wegfliegen, wenn die Besitzer die Voliere betreten, ist es hilfreich, eine Art Schleuse mit zwei Türen einzuplanen.

Beim Bau sollte auch nicht vergessen werden, dass fast alle Vögel sehr gern nagen. „Deshalb brauchen sie immer wieder neues Holz in Form von Naturästen und -zweigen, das sie zerlegen können“, sagt Tierarzt Kummerfeld. Ist der Bau vollendet und der beflügelte Bewohner erst einmal eingezogen, muss die Voliere regelmäßig gepflegt werden. „Es handelt sich schließlich um einen toten Lebensraum, den der Mensch immer wieder regenerieren muss“, erklärt Kummerfeld.

Deutscher Tierschutzbund: www.tierschutzbund.de

Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe: www.zzf.de

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