Violinsolist versprüht verteufelte Virtuosität

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Beeindruckend: der Geiger Michael Grube auf Schloss Hersberg mit Pianissimo-Spiel.

Drei Jahre nach seinem letzten Gastspiel ist der weltweit bekannte Violinsolist Professor Michael Grube erneut mit seiner Nicola-Amati-Geige von 1683 nach Schloss Hersberg gekommen, um für den Verein „NOTHilfe“ in Rastatt ein Benefizkonzert zu geben.

Dietmar Pinkawa, Vorstandsvorsitzender der NOTHilfe, zeigte sich in seiner Begrüßung dankbar, dass auch Michael Grube zum Kreis der Künstler zählt, die mit gagenfreien Konzerten zur Finanzierung der Sozialarbeit des Vereins beitragen, der seit 1985 mit Einzelhilfen und projektbezogener Hilfe überregional Menschen in Notsituationen betreut und Hilfe zur Selbsthilfe leistet.

Wer ihn vor drei Jahren gehört hat, wartet schon auf sein vergeistigtes Spiel, auf sein lyrisches Pianissimo. Im Frack steht er allein auf dem Podest und setzt nach einem Moment der Sammlung den Bogen zu entschlossenem Strich an. Aggressiv geht er Giuseppe Tartinis Allegro D-Dur „Tasso" an, spielt mit starken Kontrasten. Mit großer Ruhe zelebriert er darauf das Andante aus Jacques F. Mazas' Melodie op. 81/3, hier ist wieder der ätherisch im Raum schwebende, leise verhauchende Ton, bevor nach kurzem Innehalten im Alla-Polacca-Satz die Geige mit eingestreuten Pizzicati neckisch und übermütig zwitschert und ein Lächeln auf das Gesicht des Spielers zaubert.

Verteufelte Virtuosität, gepaart mit kapriziöser Neckerei legt er in Paganinis Caprice Nr. 17 und wechselt alsbald mit Telemanns Dolce Es-Dur zu stillem, meditativem Kammerspiel in seiner ureigenen Pianokultur. Noch eine facettenreiche Caprice von Franz Benda und Grube beschließt das Konzert mit der Partita Nr. 3 E-Dur für Violine solo BWV 1006 von Johann Sebastian Bach, einer Sammlung frei gestalteter französischer Modetänze, die den Geiger bald introvertiert in sich hineinlauschen, bald bezaubernd volksliedhaft singen, bald mehrstimmig funkeln lassen.

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