Vierbeinige Gourmets testen Futter für Artgenossen

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Deutsche Presse-Agentur

Was Ria, Momo, Krusty oder Sue mundet, ist für Hunde und Katzen in ganz Europa von großer Bedeutung. Denn nur die Produkte, die den vierbeinigen Gourmets schmecken, landen in den Verkaufsregalen.

130 Katzen und 65 Hunde führen im Pet Center („Haustierzentrum“) des Unternehmens Mars im niedersächsischen Verden ein wahrhaft paradiesisches Leben. Ihre einzige Aufgabe: Futtern. Aber nicht einfach alles, was ihnen vorgesetzt wird. Wählerisch sollen die Tiere ruhig sein. Bei rund 800 Tests pro Jahr prüft der Hersteller bekannter Marken (wie Pedigree, Chappi, Sheba oder Whiskas) den Geschmack von Neuentwicklungen oder internationalen Konkurrenzprodukten.

Pro Test sind beim Marktführer für Tiernahrung 20 bis 30 Vierbeiner beteiligt. Meist treten zwei Rezepturen gegeneinander an. Hund Krusty soll heute entscheiden, ob die Hühnchen- oder die Lammvariante eines Futters leckerer ist. Tiertrainer Marcus Wolff öffnet die Tür zu der Hunde-Wohngemeinschaft, in der der eineinhalbjährige Sheltie - ein britischer Hütehund - derzeit lebt. Krusty kläfft laut und wedelt mit dem Schwanz, als ihm der 35-Jährige die beiden Fressnäpfe entgegenstreckt. Der Hund schnüffelt an beiden, entscheidet sich aber schnell für Hühnchen und frisst den Napf genüsslich leer.

„Ein Produkt muss ganz signifikant gewinnen, damit es auf den Markt kommen darf“, erklärt der Leiter des Pet Centers, Thomas Brenten. Die Aufregung vor den Tests sei deshalb immer groß. Schließlich koste die Produktentwicklung viel Geld. Rund 150 Mitarbeiter sind in Verden allein mit der Entwicklung von neuen Mischungen aus Fleisch, Gemüse und Soße beschäftigt.

Im oberen Stockwerk leben die Katzen. Jedes Tier hat seinen individuellen Futterplatz. Nur mit dem richtigen Chip am Halsband öffnet sich die entsprechende durchsichtige Kunststoffklappe, hinter der sich jeweils zwei Futternäpfe verbergen. Was etwa auf dem Speiseplan der schwarz-weißen Momo besonders hoch im Kurs steht, können die Mitarbeiter des Pet Centers mit einer elektronischen Waage überprüfen. Sie befindet sich unter Momos Fressnäpfen und zeigt genau an, wie viel die Katze von welcher Sorte gefressen hat. Die Ergebnisse werden direkt an einen Computer weitergeleitet.

Um im Pet Center aufgenommen zu werden, müssen die Tiere nicht nur einen guten Appetit haben, sondern zudem gesund sein und das richtige Sozialverhalten zeigen. Um das Wohlbefinden der Tiere kümmern sich 14 Mitarbeiter. Die luxuriösen Unterkünfte werden jeden Tag gereinigt und auch regelmäßige Schönheitspflege, tierärztliche Untersuchungen und Gewichtskontrollen stehen auf dem Programm. Lange Spaziergänge und Toben auf dem großen Außengelände verschönern den Hunden den Tag. Jeweils zehn Katzen teilen sich eine Terrasse mit großem Kratzbaum. „Gesunde und glückliche Tiere sind wichtig für ein normales Fressverhalten“, erklärt Brenten.

Maximal drei bis vier Jahre bleiben die Geschmackstester in dem Pet Center. Danach werden sie an Familien vermittelt. Die gut gepflegten Haustiere sind heiß begehrt - die Wartelisten sind deshalb sehr lang.

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