Vier Musiker ersetzen ein kleines Orchester

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Die Musiker von „Herrn Stumpfest Zieh & Zupf Kapelle“ bedienten nicht nur zahlreiche Instrumente, sondern nebenher auch die Nebe
Die Musiker von „Herrn Stumpfest Zieh & Zupf Kapelle“ bedienten nicht nur zahlreiche Instrumente, sondern nebenher auch die Nebenmaschine – bestehend aus einer Zigarette. (Foto: Aylin duran)
Aylin Duran

BIBERACH – Wer den schwäbischen Dialekt nicht beherrscht, verstand sicherlich nur Bahnhof: Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle ist in der Gigelberghalle aufgetreten. Am Freitag konnten die Musiker auf der Bühne beweisen, dass sie zahlreiche Instrumente in Perfektion beherrschen. Doch damit nicht genug: Manfred Arold, Michael Flechsler, Marcel Hafner und Benny Jäger schreiben außerdem eigene Stücke und singen ihre Lieder selbst.

Wer die Bühne mit all den Instrumenten vor Beginn der Veranstaltung zu Gesicht bekam, erwartete womöglich, ein kleines Orchester würde auftreten. Unterstützung durch andere Musikanten hatten Arold, Flechsler, Hafner und Jäger allerdings gar nicht nötig. Während des gesamten Konzerts blieben die vier Musikanten unter sich und sprangen von Gitarre, Kontrabass, Tuba, Akkordeon, Klavier und Trompete zum Schlagzeug. Die Musik, die gespielt wurde, kann als eine Mischung aus Country- und Volksmusik bezeichnet werden. Zwischen den Stücken versäumten Arold, Flechsler, Hafner und Jäger es außerdem nie, ihr Publikum anderweitig zu unterhalten, Flachwitze zu reißen, amüsante Geschichten zu erzählen.

Die vier tobten sich an ihren Instrumenten aus. Nur zu gut wissen die Musiker, wie sie aus ihren Instrumenten alles herausholen können. In der Gigelberghalle wurde deshalb gnadenlos an Instrumenten gezogen und gezupft, in die Mundharmonika gepustet, a cappella gesungen und es wurden Mundgeräusche erzeugt. Einen triftigen Grund, weshalb man einen Kontrabass wie eine Gitarre halten sollte, konnten die Musiker ihrem Publikum sofort nennen: Es macht einen schlanken Fuß.

Wie in der Wilhelma

Um während der Show nicht zu verhungern, hatten Arold, Flechsler, Hafner und Jäger Bier und Vesper mitgebracht. Doch auch die Menschen im Saal mussten nicht am Hungertuch nagen, denn die Musiker warfen den Zuschauern verpacktes Essen zu. „Von hier oben sieht das aus wie in der Wilhelma“, scherzten sie dann.

Furchtlos wurde am Freitag der schwäbische „Highway to Hell“ befahren, die Besucher bekamen zudem die Melodie von „Biene Maja“ zu hören, „The Lion Sleeps Tonight“ wurde a cappella gesungen. „Smooth Operator“ wurde zu „cooler Trompeter“, klang letztendlich aber mehr wie „schwuler Vertreter“. Der veränderte Text brachte die Menge im Saal zum Lachen.

Auch die eigenen, schwäbischen Lieder von Arold, Flechsler, Hafner und Jäger kamen bei den Zuhörern gut an. Die Musiker erinnerten in ihren Liedern an die Zeiten, zu denen die Welt noch nicht hektisch war. Sie träumten vom Süden, wollten einfach mal abschalten.

Für ein französisches Lied baten die Musiker um rotes Licht. Die französische Nebelmaschine konnten sie problemlos selbst bedienen – auf der Bühne zündeten sie sich einfach eine Zigarette an. Um anschließend nicht zu riechen wie ein Aschenbecher, fragten sie nach dem Schlüssel für das Biberacher Hallenbad.

Die schwäbischen Texte und der A-cappella-Gesang kamen beim Publikum genauso gut an wie verrückte Experimente mit verschiedensten Instrumenten und Stücken ohne Gesang. Ohne mehrere Zugaben kamen Arold, Flechsler, Hafner und Jäger daher an diesem Abend denn auch nicht davon.

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