Vielseitiges Spiel auf schwingenden Saiten

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Roland Palatzky (links) und Matthias Waßer lassen die Finger über die Saiten fliegen.
Roland Palatzky (links) und Matthias Waßer lassen die Finger über die Saiten fliegen. (Foto: Karin Schütrumpf)
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MECKENBEUREN (scht) - Donnernder Applaus schon für „Sultans of Swing“, das als erstes Stück erklingt. Roland Palatzky und Matthias Waßer laden im Kulturschuppen zum Eintauchen „in die magische Welt der Gitarrenmusik“ ein – und sie versprechen nicht zu viel. Die Zuhörer lauschen begeistert den „magic acoustic guitars“.

Ob Jazzvariationen, selbst komponierte Stücke wie „Daddys girl“, südamerikanische Rhythmen oder bekannte Pop-Balladen – die beiden Gitarristen begeistern mit ihrem virtuosen Spiel und drücken allen Stücken ihren ganz persönlichen Stempel auf.

Die Musiker spielen „Europa“ von Carlos Santana mit fein abgestuften Nuancen von lauten und leisen Passagen und präsentieren „Billie-Jean“ in einer akzentuierten, beinahe abgehackt klingenden Version. „Moliendo-Cafe“, der Song, der 1958 um die Welt ging, und vielfach gecovert wurde, entwickelt bei den „magic acoustic guitars“ einen ganz eigenen Zauber. Bei „Bella Ciau“ heizen sich die Musiker gegenseitig an.

Wenn die Finger von Matthias Waßer in aberwitziger Geschwindigkeit über die Saiten seiner Gitarre fliegen und Roland Palatzky für einen irren Rhythmus sorgt, wippen viele Füße im Publikum, spielen die Finger gitarrenbegeisterter Zuschauer Luftgitarre auf dem Schoß. Besonders die Fans aus Reihe elf hält es kaum auf ihren Plätzen.

„Wir entschuldigen uns bei allen Klavierspielern“, kündigen die Musiker ihr Rondo alla Turca an. Mozarts türkischer Marsch klingt auch auf der Gitarre toll. „No Woman No Cry“ bringt Karibik-Feeling in den Saal. Sonnenuntergangsstimmung an der Pazifikküste provozieren die Musiker mit dem Stück „Tequilla“. Der Refrain kommt – vielstimmig gesungen - hinten aus dem Saal.

Ungewöhnliche Hilfsmittel sorgen für unerwartete Klangnuancen: Bei „Albatross“ von Fleetwood Mac greift Matthias Waßer zu einem kleinen Schnapsglas. Silberhelle Töne zupft er, wenn er das kleine Glas als Verstärker unter die Seiten hält. Mit einem Geigenbogen entstehen Passagen, die an einen Bass erinnern. Wenn die Finger mit einer Metallröhre über die Saiten streichen, erklingen verwischte Töne

Roland Palatzky kann nicht verleugnen, dass er ursprünglich auf Flamenco spezialisiert war. Der Rhythmus, den er schlägt, geht den Zuschauern ins Blut, nicht nur wenn er die Saiten bearbeitet. Auch ein kleines Trommelsolo auf dem Gitarrenbauch klingt mitreißend.

Die beiden Musiker spielen seit 15 Jahren zusammen und ergänzen sich auf der Bühne prächtig. Sie verständigen sich mit einem Seitenblick und spielen mit Freude und Begeisterung. Da passt jeder Einsatz. Kein Wunder, dass Palatzky und Waßer gern an ein Zitat von Chopin erinnern: Schöner als der Klang einer Gitarre sei nur die Musik von zwei Gitarren.

Der Meinung sind auch die Zuschauer im Kulturschuppen und fordern hartnäckig Zugaben. Der „Englishman in New York“ und die Ankündigung der Musiker, sie kämen gern wieder nach Meckenbeuren, sorgen für anhaltenden Applaus.

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