„Viele wissen nicht, wie sie reagieren sollen“

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Maximilian Kaiser ist Bereitschaftsleiter der DRK in Hausen ob Verena und informiert regelmäßig über die richtigen Notrufnummern
Maximilian Kaiser ist Bereitschaftsleiter der DRK in Hausen ob Verena und informiert regelmäßig über die richtigen Notrufnummern. (Foto: privat)
Crossmedia-Volontärin

Viele Menschen aus der Region nutzen die Notrufnummer 112 falsch. Um die Bürger zu informieren, veröffentlicht Maximilian Kaiser regelmäßig Infoseiten im Gemeindeinfoblatt zu den unterschiedlichen Rufnummern in einem Notfall. Er ist Bereitschaftsleiter der DRK Bereitschaft in Hausen ob Verena. Anne Jethon hat mit ihm gesprochen.

Warum machen Sie diese Infoseiten?

Weil viele Bürger nicht wissen, welche Notrufnummer sie im Notfall oder bei einer Erkrankung wählen müssen. Die Notrufnummern sind auch ein Thema in unseren Erste-Hilfe-Kursen. Dieses Thema kommt immer gut an, weil viele nicht wissen wie sie richtig reagieren sollen und welche Nummer sie wählen sollen.

Rufen die Leute denn oft bei der falschen Nummer an?

Die Leute wissen oft nicht, wo sie richtig aufgehoben sind. Es gibt auch viele Notrufnummern oder Rufnummern. Die meisten rufen aber vermutlich nicht absichtlich die 112 an, sondern weil sie einfach nicht alle Möglichkeiten wissen.

Haben Sie das Beispiel?

Die Leute rufen meistens die 112 oder die 110 an, weil die bekannt sind. Aber wenn sie einen Arzt brauchen ist eigentlich die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes die richtige. Das ist die 116 117. Dann, wenn sie eben einen Hausarzt am Wochenende oder nachts benötigen. Er übernimmt alle Hausarzttätigkeiten und kann auch gegebenenfalls Rezepte ausstellen. Wenn man zum Beispiel schon seit Tagen an einem Grippalen Infekt leidet und es am Wochenende oder nachts schlimmer wird, sodass man einen Arzt braucht, hilft die 116 117. Aber natürlich kann man auch in eine Notfallpraxis fahren, die sich im Landkreis im Klinikum in Tuttlingen befindet. Aber auch unsere Kollegen an der 116 117 können diese Auskunft geben.

Haben Sie denn auch eine Rückmeldung aus dem Ort bekommen?

Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Aber auch in unseren Rotkreuzkursen. Da nimmt man auch die Nummern durch. Viele kennen die 116 117 gar nicht. Sie wissen nicht, dass man die Nummer am Wochenende anrufen kann, wenn man ärztliche Hilfe braucht. Und es ist eben wichtig, dass die Leute da nicht die 112 wählen. Damit die Nummer für lebensbedrohliche Notfälle verfügbar bleibt. Auch ein Polizist hat im Ort gesagt, dass er das gut findet. Vor allem weil manche Leute bei der 110 anrufen, obwohl sie die 112 oder die 116 117 benötigen.

Was hat es eigentlich mit der 19222 auf sich?

Das war früher die zentrale Rufnummer für den Rettungsdienst. Mittlerweile erreicht man die Feuerwehr und den Rettungsdienst europaweit und kostenfrei über die 112. Heute wird die 19222 nur noch für den Krankentransport genutzt, damit die Patienten medizinisch überwacht ins Krankenhaus oder zum Arzt fahren können. Hier ist es für den Versicherten sinnvoll, bei seiner Krankenkasse im Vorfeld abzuklären, ob diese eine solche (planbare) Fahrt genehmigt und dann auch bezahlt, damit der Versicherte diese nicht im Nachhinein selbst bezahlen muss. Das lässt sich aber meistens durch einen einfachen Anruf bei der Krankenkasse klären.

Sie haben auch das Thema Rettungsgasse auf dem Infoblatt angesprochen. Ist das auch hier in der Umgebung ein Problem?

Oft wissen die Autofahrer nicht wie sie sich verhalten sollen, weil ein Fahrzeug mit Sondersignal hinter ihnen fährt oder entgegenkommt. Da habe ich mir gedacht, dass man auch die Rettungsgasse besser publik machen sollte. Eigentlich ist es ganz einfach: Wenn man ein Fahrzeug mit Sondersignal sieht, sollte man die Geschwindigkeit verringern und an den rechten Fahrbahnrand fahren. So sieht das Rettungsfahrzeug, dass der Autofahrer den Rettungsdienst gesehen hat. Die Rettungsgasse sollte auch schon bei Stop-and-go gebildet werden und vor allen Dingen bei einem Stau. So kann der Rettungsdienst, aber auch die Polizei und die Feuerwehr schneller zum Unfallort oder zum Patienten kommen.

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