VfB schrammt an Blamage vorbei

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Deutsche Presse-Agentur

Dabei wäre Gladbachs Coach Hans Meyers Griff in die Taktik-Mottenkiste mit dem tschechischen Neuzugang Tomas Galasek (36) als klassischen Libero beinahe aufgegangen. Die erneut ideen- und mutlosen Schwaben fanden praktisch kein Mittel gegen das antiquierte System.

Aber trotz des grottenschlechten Kicks lobten beide Trainer ihre Teams teilweise über den grünen Klee. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die unbedingt wollte und leidenschaftlich gefightet hat. Wir waren noch etwas verunsichert, aber ich bin dennoch hochzufrieden“, bewertete VfB-Teamchef Markus Babbel zum Erstaunen vieler Beobachter den Sieg seiner zeitweise unterirdisch agierenden Schützlinge gegen den auswärts schwächsten Fußball-Bundesligisten positiv. Sein Kollege Meyer sah „von uns bis zum 0:1 ein sehr, sehr ordentliches Spiel. Da war System drin. Das war im Herbst noch nicht so.“

Offensichtlich wollten Babbel und Meyer die mickrigen Darbietungen schönreden, um ihren verunsicherten Profis nicht auch noch den letzten Rest an Selbstvertrauen zu nehmen. Den Schwaben steckte die 1:5-Schlappe gegen Bayern München auch noch vier Tage später beim Rückrundenstart tief in den Knochen und Köpfen. Statt gegen das mit dem Rücken zur Wand stehende Schlusslicht forsch-frech nach vorne zu spielen, zögerten und zauderten die Stuttgarter.

Stürmer-Star Gomez, wie seine Teamkollegen erneut weit unter Normalniveau, bat um Verständnis: „Wir haben sehr schwere Tage hinter uns, Es war klar, dass wir Gladbach nicht an die Wand spielen.“ Immerhin räumte Gomez, der mit seinem achten Saisontreffer zum 2:0 (86.) erst spät alles klar machen konnte, ein, dass der VfB „einen anderen Fußball spielen“ wolle. Babbel merkte an, dass „spielerisch noch Luft nach oben besteht. Guten Fußball müssen wir uns hart erarbeiten.“

Die zum fünften Mal hintereinander geschlagenen Borussen trauerten der verpassten Chance nach, ihre Negativserie bei den schwächelnden Stuttgartern zu stoppen. „Wir hatten die Möglichkeit, drei Punkte zu holen. Deshalb ist es doppelt bitter, mit leeren Händen nach Hause zu fahren“, sagte Roel Brouwers, der die 13. Saisonniederlage mit eingeleitet hatte. Bei seinem Rettungsversuch nach einem Schuss von Ciprian Marica lenkte der Verteidiger den Ball ins eigene Netz (67.): „Ich wollte den Ball vor der Linie wegschlagen, hatte ihn aber leider nicht richtig erwischt. Er wäre aber auch so reingegangen.“

Aber auch der Trainer nahm einen Teil der Schuld auf sich: „Der alte Fuchs Meyer hat einen Fehler gemacht, indem er nach dem Rückstand mehr Offensivkräfte gebracht hat.“ Statt nun mehr selbst Druck erzeugen und den Ausgleich erzielen zu können, habe sein Team das 0:2 kassiert. Wie er bis zur Herkulesaufgabe gegen Spitzenreiter Hoffenheim am nächsten Samstag die Köpfe seiner Schützlinge frei bekommen kann, wusste Meyer nach dem neuerlichen Rückschlag noch nicht. „Auf jeden Fall nicht mit Psychopharmaka“, lästerte er.

Auch wenn die Niederlage unglücklich und unverdient war, muss sich Mönchengladbach gewaltig steigern, um sein Saisonziel Klassenverbleib schaffen zu können. Galaseks Urteil „wir sind besser als es unser Tabellenplatz aussagt“ wirkte nach der in Stuttgart gebotenen Leistung vorschnell.

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