Begegnungen und gemeinsames Essen steht bei der Vesperkirche auf dem Programm.
Begegnungen und gemeinsames Essen steht bei der Vesperkirche auf dem Programm. (Foto: dpa)
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Wenn unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und unterschiedlichen Geschichten an einem Ort zusammenkommen, dann ist Vesperkirchenzeit. Für das vierwöchige Sozialprojekt ist alles bereit. Am Montag wurde die Pauluskirche ausgeräumt, am Mittwoch wurden Stühle und Tische von Konfirmanden aus der Johanneskirche in den Neckarstadtteil transportiert und in der Pauluskirche aufgestellt.

Und auch das Mitarbeiterteam, das von Pfarrer Andreas Güntter und Pastor Hans-Ulrich Hofmann über Aufgaben, Ablauf und Neuerungen informiert wurde, ist gut aufgestellt. 391 Helfer – rund 50 weniger als im vergangenen Jahr – werden an 1359 Diensten arbeiten, berichtet Güntter. Zum letzten Mal wird die Vesperkirche unter seiner Federführung laufen. Er wechselt im März an die Villinger Johanneskirche. 139 neue Mitarbeiter, davon 41 Konfirmanden, sind diesmal mit dabei und versprühen frischen Wind.

Doch was ist die Vesperkirche überhaupt? „Sie ist keine Armenspeisung, sondern für alle Gäste eine festliche Mahlzeit“, betont der Pfarrer. Für vier Wochen verwandle sich die Pauluskirche in einen Festsaal mit reichlich gedeckten Tischen. Im Gegensatz zu Großstädten wie Stuttgart, in denen das Armutsthema viel mehr im Fokus der Vesperkirche stehe, liege in Schwenningen der Schwerpunkt auf der Begegnung.

Denn: „Bedürftigkeit ist ein ganz weites Feld“, macht Andreas Güntter deutlich. Da sei einmal die finanzielle Bedürftigkeit. Und da seien Menschen, die das ganze Jahr allein sind. Ein paar wenige Vesperkirchen-Gäste lebten auf der Straße oder im Sozialzentrum am Neckar.

Darüber hinaus kämen diejenigen Menschen zum gemeinsamen Essen in die Pauluskirche, die an den Rand der Gesellschaft geraten sind. „Sie sind psychisch aus dem Gleichgewicht geraten“, so Güntter. „Sie alle genießen das Essen und die Möglichkeit, sich über mehrere Stunden bei uns aufzuhalten, besonders.“

Reden, sich unterhalten, etwas von sich preisgeben, das müsse man in der Vesperkirche nicht. „Man darf“, fügt Güntter hinzu. Viele kämen, um einfach die Atmosphäre aufzunehmen.

Es ist ein stetiges Nehmen und Geben während der vierwöchigen Vesperkirchenzeit. Denn nicht nur die Gäste machen den Charakter des Sozialprojekts aus, auch die Teilnehmer. Neben altbewährten Ehrenamtlichen und den Neulingen helfen mittlerweile verschiedenste Institutionen und Vereine mit. Pfarrer Güntter nennt die Christy-Brown-Schüler, die ihre Mithilfe auf zwei Wochen ausweiten. Auch mehrere Firmen aus VS geben ihren Auszubildenden die Möglichkeit, an einem Tag die Vesperkirchen-Atmosphäre zu schnuppern. Muslimische Freunde, der Frauenkreis mit Migrantinnen, die Alevitische Gemeinde oder die Rotarier sind ebenfalls mit von der Partie.

Die Vesperkirche ist vom 19. Januar bis 16. Februar täglich von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Mittagessen wird von 12 bis 14 Uhr ausgegeben. Bedürftige erhalten das Essen für einen Euro, alle anderen essen zum Selbstkostenpreis ab vier Euro. Wiederum gibt es ein separates vegetarisches Menü. Um 13 Uhr gibt es eine Besinnungsphase, auch Beratungen und medizinische Dienste werden angeboten. Für die Kuchenorgel auf der Empore können Kuchenspenden (ohne Alkohol, keine Sahnetorten) im Gemeindehaus abgegeben werden.

Die Kulturveranstaltungen finden, wenn nicht anders genannt, stets um 19.30 Uhr in der Pauluskirche statt.

Das Programm: Sonntag, 19. Januar, „Musik verbindet“ – Piano, Gesang, Percussion und mehr: Eröffnungskonzert mit sechs jungen Musikern aus VS; Donnerstag, 23. Januar, Film in der Vesperkirche; Samstag, 25. Januar, „Huljet, huljet, kinderlech...“: Jiddische Lieder und Klezmer-Instrumentalstücke von der Freiburger Gruppe HULJET; Sonntag, 26. Januar, Muslenzentrum, Konzert mit den SWANO Dixie Stompers und den „Four Sax. Brothers“ plus; Donnerstag, 30. Januar, Film in der Vesperkirche; Samstag, 1. Februar, Konzert mit der Hammertown-Band; Mittwoch, 5. Februar, Eurythmie-Theater Antonius mit Henric Boeters und Peter Holl: Bilder einer Ausstellung; Donnerstag, 6. Februar, „Ein halbes Jahr im Paradies“: Abend mit dem Filmemacher Hermann Schlenker; Samstag, 8. Februar, Johanneskirche, Zähringer Chörle Villingen: Liebesliederwalzer von J. Brahms, dazu Werke von O. Nicolai, G. Fauré, J. Rutter; Donnerstag, 13. Februar, A-capella mit dem Futa-Ensemble aus Villingen.

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