Verletzter Hambüchen überrascht mit „Weltrekord“

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Schwäbische Zeitung

Straubenhardt (dpa) ­ Fabian Hambüchen musste nach seinem Überraschungscoup erstmal tief durchatmen. Trotz Bänderriss im kleinen Finger hat sich der Reck-Weltmeister in seinem vorletzten Wettkampf dieses Jahres mit einem „Weltrekord“ beschert.

Der 21-Jährige zeigte im Bundesliga- Derby gegen das TurnTeam Stuttgart als letzter Athlet mit einem Ausgangswert von 7,5 Punkten die schwierigste je geturnte Reckübung und baute ein neues Element in seinen Vortrag ein, der selbst Experten mit der Zunge schnalzen lässt.

„Das war eigentlich überhaupt nicht geplant. Mein Vater hat mich vor dem Einturnen gefragt, ob ich Lust hätte, den Pineda am Anfang zu turnen. Ich hab mich gut gefühlt und gedacht: Komm, hier kannst Du es ausprobieren“, sagte Hambüchen. Das von dem Mexikaner Tony Pineda 1985 erstmals gezeigte spektakuläre Übungsteil besteht aus einem Gienger-Salto mit einer zusätzlichen halben Drehung. „Also im Prinzip ein Doppelsalto gebückt mit ganzer Schraube über die Reckstange“, erläuterte Vater Wolfgang Hambüchen und jubilierte: „Das ist ab nächstes Jahr ein G-Teil. Das bringt ihm dann acht Zehntel.“

Beim Einturnen ging der Versuch des Pineda-Fliegers, der seit zwei Monaten im Training bereits sitzt, noch knapp neben die Reckstange. Im Wettkampf saß er dann perfekt. „Wahnsinn. Das geile Gefühl war, das Ding gleich am Anfang zu bringen. Aber es war eine Riesenfreude und man ist einfach stolz danach. Am Ende, wenn alles schwer wird, probiert man nur noch, sich durchzukämpfen“, sagte Fabian Hambüchen, der mit 16,50 Punkten seine zweithöchste Gesamtnote nach den 16,65 vom vorolympischen Länderkampf in Dessau erhielt.

Das Finale gegen Meister Cottbus am 13. Dezember in Heidelberg will er in jedem Fall bestreiten. „Ich kann Euch ja in Heidelberg nicht alleine lassen, das wäre ja langweilig. Und wir werden das Ding holen, das könnt ihr uns glauben!“, ließ er nach der Traum-Übung gleich noch einen Treueschwur ans Publikum folgen. Die Fingerverletzung sei der Grund, warum er nicht beim zeitgleichen Weltcup-Finale in Madrid starten wolle. „Ich könnte derzeit nicht sicher sagen, ob ich das morgen noch einmal so turnen kann. Hier kann ich Straubenhardt aber selbst dann helfen, wenn ich ein wenig leichter turne“, hofft er. Der sechsfache Weltmeister Marian Dragulescu, der gemeinsam mit Hambüchen für Straubenhardts Top-Platz in der Vorrunde sorgte, verzichtet für den Titel und die damit verbundenen finanziellen Anreize gleichfalls auf Madrid. „Bundesliga macht einfach mehr Spaß“, sagte der Rumäne.

„Selbstverständlich ist unser Ziel auch in Heidelberg zu gewinnen. Aber wenn Cottbus in Bestbesetzung da ist, dann wird es schwer“, sagte Hambüchen, der 27 Zähler zum klaren Erfolg der Straubenhardter über Stuttgart (57:17) beisteuerte. Der Titelverteidiger hatte keine Mühe, mit einem 45:20 über Vizemeister TG Saar den sechsten Sieg in Serie zu landen. Mit dem beste Punktesammler der Liga, dem Ukrainer Roman Sosulja, und den beiden Olympia-Turnern Philipp Boy und Robert Juckel sind auch die Lausitzer gut aufgestellt und wollen dem Favoriten in Heidelberg das Siegen schwer machen. Absteigen muss der FC Bayern München, der gegen Wetzgau (24:39) alle Hoffnungen auf den Klassenerhalt begraben musste.

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