Vergiftete Hunde: Immer mehr Tierhalter melden sich

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In und um Wangen sind in den letzten Wochen immer wieder Hunde vergiftet worden. (Foto: dpa)
Jan Peter Steppat

Die Nachricht von der an Rattengift verendeten Hündin in der Berger Höhe versetzt Hundehalter in der Region in Angst. Immer mehr Besitzer melden sich beim Tierschutzverein Wangen und berichten von ähnlichen Vorkommnissen. Erst am Dienstag rief eine Hundehalterin bei der Vereinsvorsitzenden Karin Vetter an: Ihr Tier habe an der Straße Argenufer offenbar ausgelegte Fleischbrocken gefressen und anschließend erbrochen. Ähnliches sei bereits Mitte Dezember der Fall gewesen.

Damit nicht genug. Seit die Schwäbische Zeitung am Samstag von der verendeten Hündin berichtete, gab es weitere Anrufe:

Am Karpfenbachweg hat demnach ein 15-jähriger Jack-Russell-Terrier epileptische Anfälle bekommen, die anscheinend auf eine Vergiftung zurückzuführen gewesen seien. Weil das Tier so betagt ist, erlitt es später sogar einen Schlaganfall. In derselben Straße sei nach Anwohneraussagen zuvor auch ein Labrador vergiftet worden.

Vor rund zwei Monaten hat eine Hundehalterin aus Neuravensburg bei ihrem Tier Vergiftungserscheinungen festgestellt. Es wurde gerettet. „Seitdem darf der Hund nur noch mit einem Maulkorb raus“, berichtet Karin Vetter über das Gespräch mit der Besitzerin des Hundes.

In St. Leonhard bei Leutkirch ist am Silvestertag ein junger Hund vergiftet worden. Der Halter hatte ihn erst im Sommer als Welpe angeschafft, nachdem sein zehn Jahre alter „Vorgänger“ kurz zuvor an einer Vergiftung gestorben war.

Karin Vetter ist geschockt ob der offensichtlichen Vergiftungsserie: „So etwas habe ich in dieser Häufigkeit noch nicht mitbekommen“, sagte sie gestern. Zumal Vergiftungsfälle in Waltersbühl und Isny den Tierschützern schon länger bekannt waren (die SZ berichtete).

Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Wangen ist erst kürzlich sogar selbst betroffen gewesen – auch wenn ihr „nur“ gedroht wurde. Ein wohl stark angetrunkener Mann sei Anfang Dezember vom Bahnhof in Richtung ihres Grundstücks geschwankt und sah im Garten Vetters Hund: „Du Sauköter“, soll der Betrunkene gerufen haben. „Ich schlag’ dich tot. Ich habe Rattengift.“

Zunächst habe sie sich nichts dabei gedacht, erzählt Karin Vetter. Den Mann habe sie wegen seines angeschlagenen Zustands nicht vollends ernst genommen. Doch seit sich die Anrufe beim Verein häufen, ist sie gewarnt: „Ich lasse meinen Hund nicht mehr ohne Leine in den Garten.“ Zu groß ist die Angst, jemand könne vergiftetes Fleisch auf ihr Grundstück werfen.

Aufgeschreckt ist Vetter zudem, seit sie vergangenen Donnerstag beim Gassi-Gehen an der Realschule Lyoner-Streifen fand. Sie weiß nicht, ob die Wurst vergiftet war. Dennoch appelliert sie an alle Hundehalter und andere Spaziergänger: Herumliegendes Fleisch sollten sie aufnehmen und wegwerfen, damit nicht noch mehr Hunde in Mitleidenschaft gezogen werden.

Dies wäre ein Zeichen der Solidarität. In anderer Hinsicht besteht sie schon: Die Belohnungssumme für Hinweise zum möglichen Täter in der Berger Höhe liegt mittlerweile bei 600 Euro. Neben dem Tierschutzverein und dem Landesverband haben auch Privatleute die Summe aufgestockt.

Empörung herrscht ebenfalls in der SZ-Facebook-Gruppe „Du weißt, dass du aus Wangen bist...“: Spontan haben sich dort Tierfreunde bereit erklärt, zusätzlich Geld zu geben, damit Täter gefasst werden, die absichtlich Hunde vergiften.

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