Verbraucher verstehen Label „Ohne Gentechnik“ falsch

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Deutsche Presse-Agentur

Von der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ erwarten Verbraucher den völligen Verzicht auf Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln - anders als die gesetzliche Regelung es vorsieht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung der Universität Gießen von 1012 hessischen Verbrauchern. Den allermeisten Befragten sei nicht klar, dass der Hinweis „Ohne Gentechnik“ nicht den völligen Verzicht auf diese Technik bedeutet, sagte Prof. Roland Herrmann bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

Auftraggeber der gezielten Befragung per E-Mail, an der im vergangenen Oktober Personen im Alter von 16 bis 59 Jahren teilnahmen, ist die Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen (MGH). Nach Angaben von Herrmann ist die Untersuchung die erste repräsentative Verbraucherbefragung zu diesem Thema.

Drei von vier Befragten meinten, Rind- oder Schweinefleisch dürfe das Label „Ohne Gentechnik“ nicht tragen, wenn die Tiere erst in den letzten zwölf beziehungsweise vier Monaten kein Futter aus gentechnisch veränderten Bestandteilen bekommen haben. Seit der Novellierung des Gentechnikrechts im Frühjahr 2008 ist dies aber zulässig. Knapp 80 Prozent der befragten Verbraucher tolerieren bei Lebensmitteln mit der Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“ keinerlei gentechnisch veränderten Bestandteile im Futter. Etwas größer ist die Akzeptanz von gentechnisch hergestellten Medikamenten: Den Verzicht auf solche Mittel erwarten nur 65 Prozent von einem „Ohne Gentechnik“-Produkt.

Bei der allgemeinen Einstellung zur Gentechnik dominiert nach dem Ergebnis der Befragung nach wie vor die kritische Haltung. Mehr als die Hälfte der Befragten äußerten sich besorgt über Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Gut 90 Prozent der Befragten haben sich schon einmal Gedanken über den Einsatz von Gentechnik in der Nahrungsmittelerzeugung gemacht, das Label „Ohne Gentechnik“ ist aber den meisten unbekannt - nur 27 Prozent gaben an, es schon einmal gesehen zu haben.

Für MGH-Geschäftsführer Peter Klingmann zeigt das Ergebnis der Befragung, dass die Verbraucher die geltende Regelung nicht akzeptieren. Den Landwirten empfiehlt er, zur Klarstellung ergänzende Hinweise wie „keine Fütterung von gentechnisch veränderten Organismen in der Mast“. Zwar habe die neue Kennzeichnungsverordnung mehr Transparenz zum Ziel, sie habe aber auch Fachleute verwirrt.

Für Greenpeace ist die Verordnung dagegen ein Fortschritt. „Die 'Ohne Gentechnik'-Kennzeichnung bringt die lang ersehnte Entscheidungsfreiheit für Verbraucher bei Milch, Eier und Fleisch“, sagte Greenpeace-Agrarexperte Alexander Hissting. Alle so gekennzeichneten Lebensmittel seien völlig frei von gentechnisch veränderten Zutaten. Auch bei der Fütterung werde auf Gen-Pflanzen verzichtet, entweder während der Mast wie bei Schweinen oder sogar während der gesamte Lebensdauer wie bei Hähnchen.

Nach Erwartungen von Greenpeace werden künftig immer mehr Hersteller entsprechend gekennzeichnete Produkte anbieten, damit würden immer weniger gentechnisch veränderte Pflanzen verarbeitet. Hissting mahnte jedoch eine bessere Information der Verbraucher über die Bedingungen für das Label an.

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