Verbraucher überraschend weiter in Kauflaune

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Deutsche Presse-Agentur

Bei deutschen Verbrauchern sitzt das Geld trotz Wirtschaftskrise locker. Auslöser für einen überraschend deutlichen Anstieg der Konsumneigung im Januar ist vor allem der deutliche Rückgang der Energiepreise in den vergangenen Monaten.

Das berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch in Nürnberg. Zugleich steige aber die Angst vor Arbeitslosigkeit und einem konjunkturellen Einbruch deutlich an. Die Konjunkturerwartung sank auf den tiefsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des Konsumklimas in diesem Jahr werde die Lage auf dem Arbeitsmarkt sein, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das ist das Topthema für die Verbraucher. Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich noch immer als Konsumbremse herausgestellt.“ Dagegen spielten Inflationsängste nahezu keine Rolle mehr. Im vergangenen Jahr hatten noch Preissteigerungen für Energie und Lebensmittel die Konsumstimmung entscheidend beeinflusst.

Der Gesamtindikator für das Konsumklima erreicht laut GfK- Prognose im Februar 2,2 Punkte, das ist derselbe Wert wie im Januar. Die Konsumneigung werde vor allem durch den nachlassenden Preisdruck gestützt. So waren die Kosten für Benzin und Heizöl spürbar gesunken. „Deutlich geringere Energiekosten schonen zum einen die Budgets der privaten Haushalte und sorgen zudem generell für eine bessere Stimmung“, erläuterte die GfK das Ergebnis ihrer Interviews mit rund 2000 Verbrauchern. Die Bereitschaft der Konsumenten zu größeren Anschaffungen stieg im Januar deutlich an. Der Indikator machte einen kräftigen Sprung von knapp 22 Punkten nach oben und liegt mit 15,5 Punkten erstmals seit August 2007 wieder im positiven Bereich.

Zugleich sorgten aber Meldungen über Kurzarbeit und Entlassungen dafür, dass bei den Beschäftigten die Angst vor Arbeitslosigkeit wieder zunehme. Dementsprechend macht sich laut GfK immer mehr Skepsis über die weiteren Einkommensaussichten breit. Die Arbeitnehmer sähen sich von den schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft zunehmend persönlich betroffen. Der Indikator sank mit minus 20,5 Punkten auf den tiefsten Stand seit März 2003.

Zutiefst pessimistisch beurteilen die Verbraucher die konjunkturelle Entwicklung. Der Indikator verschlechterte sich nach dem Rekordtief vom Dezember nochmals geringfügig auf minus 32,9 Punkte. „Die ständig revidierten Prognosen der letzten Wochen zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland haben auch die Konjunkturaussichten der Bundesbürger negativ beeinflusst“, hieß es.

Einbrechende Exportmärkte, eine stark rückläufige Produktion und vor allem sinkende Neuzulassungen von Autos sorgten dafür, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr in einer tiefen Rezession gesehen werde. Die Abwrackprämie war nach Einschätzung des GfK-Experten Bürkl deshalb ein richtiger Schritt, um die Nachfrage zu stimulieren. „Der Verbraucher weiß derartige Anreize zu schätzen“, sagte er. Den gesamtwirtschaftlichen Effekt dürfe man aber nicht überschätzen.

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