Venus im Pelz bei Pariser Prêt-à-Porter-Schauen

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Deutsche Presse-Agentur

Die Mode muss schon eine gewisse Macht haben, wenn sie die Pariser Polizei und Anflüge von Massenhysterie auf den Plan rufen kann. Tumultartige Szenen gab es in Paris vor der Prêt-à-Porter-Schau von Jean Paul Gaultiers Damenkollektion für Herbst/Winter 2009/10.

Anti-Pelz-Aktivisten hatten in deutlich größerer Zahl als in den vergangenen Jahren einen Aufmarsch organisiert. Ihre wütenden Rufe irritierten die Besucher - beim Einlass kam leichte Panik auf. Die beiden Polizisten, die von ihrer Truppe schließlich sicherheitshalber mit hinein geschickt wurden, um am Laufsteg nach dem Rechten zu sehen, wurden allerdings kurz vor Beginn des Defilees zurückbeordert.

Um Macht ging es auch auf dem Runway: Gaultier hatte ein Edelbordell in Szene gesetzt - kaum ein Modell kam ohne Anspielung auf die SM-Szene aus. Es gab androgyne Frauen im Stil männlicher „Freier“ in locker geschnittenen Nadelstreifen-Dreiteilern mit seitlich herabhängenden Metallketten sowie „leichte Mädchen“ mit flatternden Chiffonkleidern, ausladenden Lockentürmen, langen Ohrringen, tiefroten High Heels und Ledermasken auf dem Gesicht. Gebändigt wurden die Entwürfe mit gekreuzten Lederriemen - etwa als Träger am Oberteil schwarzer Etuikleider - oder als über eine Bluse gebreitete Netzstruktur. Schon die Einladung war in eine Netzstrumpfhose gehüllt worden, und auch Gaultiers üppige (und zahlreiche) Pelzmäntel für die moderne Venus waren mit Netzen bespannt. Auf die Spitze getrieben wurde das Spektakel durch einen inszenierten Kampf zweier Models, der von einer Domina mit langem Rotschopf, Lederbustier und zischender Peitsche beendet wurde.

Karl Lagerfeld ließ bei der Schau seiner eigenen Kollektion die Besucher dann buchstäblich im Pariser Regen stehen. Er startete mit fast einer Stunde Verspätung und zeigte einen femininen Regiments-Look: Offiersjacken und -mäntel in Grautönen waren schmal geschnitten, mit kastigen Oberteilen und mit Fellbesatz verziert. Dazu gab es schmale Röcke, schwarze Satin-Leggings mit roter Paspelnaht, hochhackige Stiefeletten und mit Fell überzogenen Motorradhelme.

Der Schweizer Albert Kriemler hatte sich von architektonischen Trapezformen inspirieren lassen und machte daraus eine perfekte Symbiose von Gradlinigkeit, Zartheit und Sportswear de luxe. Ultraschick wirkten seine trapezförmig gesteppten Bomberjacken aus cremefarbenem Lammfell, seine Seidentüllpullover und -kleider in Grau und gedeckten Rottönen, bestickt mit einem schräg gesetzten Gitter aus Wollstreifen, und seine schmalen Lederröcke. Hinzu kamen scharf geschnittene Zigarettenhosen und tadellose Mäntel mit hohem Kragen und Pelzbesatz.

Nach zwei weniger gelungenen Saisons bei dem spanischen Luxushaus Loewe hat der britische Designer Stuart Vevers zu einer eigenen Handschrift gefunden, die Loewes außergewöhnliches Knowhow in Sachen Leder mit Sexyness verbindet. Schmale Shirtkleider mit kleinen Puffärmeln aus butterweichem Leder in Ziegelrot, hautenge schwarze Lederblusen und tolle Kaschmirmäntel in Doubleface-Qualität wirkten atemberaubend nobel. Hinzu kamen Blousonjacken mit Fuchspelzkragen und Kostüme aus grobem Glanztweed.

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