US-Demokraten stellen sich hinter Obama

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Deutsche Presse-Agentur

Historischer Schritt in den USA, demonstratives Zusammenrücken der Demokraten im Rennen ums Weiße Haus: Barack Obama ist zum ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten mit echten Siegeschancen gekürt worden.

Auch Ex-Präsident Bill Clinton stellte sich nach seiner Frau Hillary nun klar hinter den Senator aus Illinois. „Barack Obama ist bereit, Präsident der Vereinigten Staaten zu sein. (... ) Er ist in der Lage, Amerika zu führen und die Führung der USA in der Welt wiederherzustellen“, rief Clinton am Donnerstag den jubelnden Delegierten beim Parteitag in Denver (Bundesstaat Colorado) zu.

Nach der mit Spannung erwarteten Rede Obamas am Abend wurde schon an diesem Freitag die Antwort des Republikaners John McCain erwartet, der seinen Vize ernennen dürfte. Kommende Woche wird er beim republikanischen Parteitag in Minneapolis/St. Paul offiziell zum Kandidaten ernannt. Der Vietnamveteran und ehemalige Bomberpilot McCain wird an diesem Freitag 72 Jahre alt - er wäre beim Amtsantritt im Januar der älteste Präsident der US-Geschichte.

US-Medien werteten die Nominierung des 47 Jahre alten Obama übereinstimmend als einen großen Schritt im jahrzehntelangen Kampf um Rassengleichheit. „Eine Nacht für die Geschichtsbücher“, titelte die Zeitung „USA Today“ am Donnerstag. Die konservative „Washington Times“ sprach von einem „historischen Wachwechsel“ nach der Clinton-Ära.

Parteitags-Strategen hatten Obama gemahnt, sich in seiner Rede zum Abschluss des viertägigen Treffens vor allem auf seinen Gegner McCain zu konzentrieren. Kritiker hatten Obama mehrfach vorgeworfen, den Rivalen nicht aggressiv genug anzugreifen. Außerdem hieß es, Obama müsse mehr als bisher seine konkreten Positionen deutlich machen.

„In den heutigen Zeiten benötigt man mehr als einen mutigen Soldaten, man benötigt einen klugen Führer“, nahm der demokratische Vize-Präsidentschaftskandidat Joe Biden den Gegner ins Visier. Zugleich warf er Präsident George W. Bush und McCain eine „katastrophale Außenpolitik“ vor. In Afghanistan organisierten sich die Taliban-Kämpfer wieder, außenpolitisch sei Washington isoliert. Dagegen habe Obama richtig entschieden. Auch in der Wirtschaftspolitik würde McCain lediglich die Politik von Bush fortsetzen, die von Steuergeschenken für Reiche und für Ölkonzerne geprägt ist.

Einen demonstrativen Schulterschluss mit Obama suchte Ex-Präsident Clinton. Ohne jeden Vorbehalt stellte er sich hinter den Kandidaten und versprach ihm seine volle Unterstützung. „Obama ist der richtige Mann für den Job“, sagte Clinton. Er sei bereit, „den amerikanischen Traum wiederherzustellen“. Dagegen hatten US-Medien in den vergangenen Wochen immer wieder berichtet, Bill Clinton beurteile im privaten Kreis die Siegeschancen Obamas am 4. November sehr skeptisch.

Ausdrücklich betonte Clinton, Obama sei auch zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte befähigt - was seine Ehefrau Hillary im Vorwahlkampf zum Ärger vieler Demokraten offen bestritten hatte. Allerdings machte er keinen Hehl daraus, dass er lieber seine Frau Hillary als Präsidentschaftskandidatin gesehen hätte. „Am Ende hat meine Kandidatin nicht gewonnen.“

Die Nominierung Obamas war per Akklamation (auf Zuruf) vollzogen worden. Zunächst standen formell sowohl Obama als auch Hillary Clinton zur Abstimmung, die bei den parteiinternen Vorwahlen nur knapp unterlegen war. Bereits zuvor hatte Clinton ihre Anhänger mehrfach aufgerufen, die Konflikte der Vergangenheit und ihre Enttäuschung hinter sich zu lassen und Geschlossenheit zu zeigen.

In dem langwierigen Abstimmungsverfahren hatten am Mittwoch (Ortszeit) bereits die ersten Bundesstaaten die Zahl ihrer Delegierten bekanntgegeben, wie sie bei den Vorwahlen bestimmt worden waren. Dann beantragte Clinton unter dem Jubel der über 5000 Delegierten eine Nominierung per Zuruf. Der Parteitag solle „mit einer Stimme sprechen“. Hintergrund der Entscheidung war die Parteitags-Strategie, den Eindruck einer Kampfabstimmung zu vermeiden.

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