Urlaubstrends 2009: Spaltung in Billig- und Luxussektor

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Deutsche Presse-Agentur

Die Reisewirtschaft steht wieder einmal vor gravierenden Veränderungen. Auf den Erholungsurlaub wollen viele Bundesbürger auch im Zeichen der Wirtschaftskrise im kommenden Jahr nicht verzichten - die Branche übt sich daher in Zweckoptimismus.

Aber die Reisebudgets werden zweifellos kleiner, so mancher Wochenend-Trip wird entfallen und der Urlaub wird kurzfristiger gebucht. Das erwarten jedenfalls Experten im Angesicht der Konjunkturflaute. Leidtragende könnten etwa Billigflieger sein, profitieren könnten unter anderem die deutschen Feriengebiete.

Die Urlaubsanbieter sind vorerst noch optimistisch, dass es sie nicht allzu schwer trifft. Die Urlaubsreise sei das letzte, an dem ein Haushalt spare, sagt etwa Thomas Middelhoff, der scheidende Chef des Konzerns Arcandor, zu dem Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann-Reisen gehört. „Wir werden mit der Krise fertig werden, auch ohne Abstriche an der Profitabilität machen zu müssen“, ist er überzeugt. Branchenprimus TUI setzt vor allem auf eine vergleichsweise kaufkräftige Kundschaft, die in der Krise nicht so schnell und existenziell betroffen sei wie andere. Hochpreisige Angebote bei TUI verbuchten bis zuletzt noch zweistellige Zuwächse.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) erwartet 2009 insgesamt nur noch ein „seichtes Plus“. Die Verunsicherung sei groß. Von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung könne sich die Ferienindustrie nicht abkoppeln, sagt DRV-Chef Klaus Laepple. Vor allem der Trend zum Zweit- oder Dritturlaub sei gebrochen. Das trifft ein bisher wichtiges Wachstumsfeld der Branche: Die Städtereise am Wochenende, die Wellness-Woche zwischendurch oder der Kurzurlaub zum Sonnetanken und Verschnaufen haben wie wenig andere Trends die Kassen in der Vergangenheit zusätzlich klingeln lassen.

Die Deutschen beherrschten beim Urlaub zunehmend die Kunst des „Dreifach-Sparens“, sagt der Geschäftsführer der BAT Stiftung für Zukunftsfragen, Ulrich Reinhardt. Zuerst werde die Länge der Reise verkürzt, dann würden die Ausgaben im Urlaub eingeschränkt - weniger Ausflüge, seltener ins Restaurant oder weniger Trinkgeld. Auch die Ziele änderten sich, deutsche Ferienanbieter könnten davon profitieren.

Reinhardt sieht für die Zukunft des Tourismus „eine zunehmende Spaltung in einen Billig- und Luxusbereich“. Das Premiumsegment werde weiter boomen. „Ob 5-Sterne-Hotel, Kreuzfahrttourismus oder Luxusreise - ein Teil der Deutschen wird auch weiterhin beim Thema Urlaub nicht aufs Geld schauen“, sagt der Forscher. Zudem lasse sich ein „Luxesetrend“ feststellen - eine Mischung aus Luxus und Askese: Flüge zum Schnäppchenpreis und am Ziel aber dann durchaus ein nobles Hotel. Das gehe zu Lasten des mittleren Preissegments.

Auch nach Einschätzung des Direktors der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), Martin Buck, wird es keinen großen Einbruch bei den Urlaubsreisen geben. „Reisen ist ein Menschenrecht, die Leute werden immer reisen“, zitiert er den Chef der TUI-Reisetochter TUI Travel, Peter Long. Die Buchungen für die nächste ITB liefen ebenfalls gut. „Wir sind stabil auf hohem Niveau.“

Allerdings nehme der Trend zu Kurzreisen ab und zugleich gehe der Anteil der Billig-Flugreisen zurück. Auto und Bahn hätten bereits Anteile dazugewonnen und lägen nun vorn. „Das Auto und die Bahn haben das Flugzeug überholt.“ Die Gründe dafür seien unter anderem in den hohen Ölpreisen der vergangenen Monate zu finden, die die Flugpreise in die Höhe trieben. „Die 'Geiz-ist-Geil-Mentalität' kommt zurück“, sagt Buck. Schnäppchen seien wieder gefragt und für die Tourismusindustrie werde es schwerer, mit Frühbucheraktionen für die eigene Planungssicherheit zusorgen. „Die Konsumenten werden es sich nicht gefallen lassen, früh buchen zu müssen.“

Einbrüche gebe es bisher bereits bei Geschäftsreisen. Jede größere Firma, die weniger Aufträge verzeichne, versuche nun, bei Reisen zu sparen. Aber das Segment werde sich angesichts der Globalisierung wieder erholen. So habe es auch nach Krisen wie dem 11. September 2001 schlimme Horrorszenarien gegeben. „Aber wenig später wollten alle schon wieder Geschäfte machen.“

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