Union wenig einheitlich: Erben im Ausland macht Arbeit

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Deutsche Presse-Agentur

Mallorca, Österreich oder Italien: Im Ruhestand zieht es viele Deutsche ins Ausland. Wenn sie dort dann sterben, erheben oft beide Länder Ansprüche auf Erbschaftsteuer. Und die Erben müssen sich um viel Papierkram kümmern.

Die Europäische Union (EU) will die Situation der Erben jetzt erleichtern. Bis dahin haben sie allerdings noch mit vielen Problemen zu kämpfen. Im Kern soll das Erbrecht in den EU-Mitgliedsländern vereinfacht werden. Künftig soll nicht mehr die Staatsangehörigkeit darüber entscheiden, nach welchem nationalen Recht vererbt wird, sondern der Wohnsitz. Nach Angaben der EU erben jedes Jahr rund 450 000 EU-Bürger Werte von etwa 123 Milliarden Euro. Mit der Reform sollen bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt werden.

Die heutigen Probleme für Erben fangen beim Thema Doppelbesteuerung an. So wird das Vermögen jedes Deutschen oder Ausländers, der mindestens fünf Jahre in Deutschland gewohnt hat, der deutschen Erbschaftssteuer unterworfen, sagt Hubertus Rohlfing, Fachanwalt für Erbrecht und Notar in Hamm. Gleichzeitig kann es allerdings passieren, dass das Land, in dem der Verstorbene zuletzt gewohnt hat, auch eine Steuer erhebt.

In diesem Fall müssen die Hinterbliebenen nicht den vollen Betrag in Deutschland zahlen - die im Ausland anfallende Erbschaftssteuer wird auf die deutsche Erbschaftssteuer angerechnet, erklärt Rohlfing. Wichtig sei aber in einem solchen Fall, dass ein entsprechender Antrag gestellt wird. Mit Dänemark, Schweden, der Schweiz und den USA hat Deutschland ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen. Das bedeutet, dass dort nicht eigens ein Antrag gestellt werden muss. Bei Nachlässen in anderen Ländern müssen sich Erben selbst kümmern.

Eine Vereinheitlichung ist nach Einschätzung von Erbrechtsexperten aus Verbrauchersicht wünschenswert: „Manche Staaten erheben immer dann Erbschaftsteuer, wenn sich Nachlasswerte auf ihrem Territorium befinden“ - etwa in Spanien, sagt Anton Steiner, Vorstandsmitglied im Deutschen Forum für Erbrecht in München. Andere besteuern dann, wenn der Erbe auf ihrem Territorium einen Wohnsitz oder einen Zweitwohnsitz hat. Und schließlich gebe es Staaten - etwa die USA -, die dann Steuern erheben, wenn der Erblasser ihre Staatsangehörigkeit hatte.

Ein einheitliches Erbrecht greift dann allerdings auch nicht. „Man muss dort genau gucken, in welchem Bundesstaat das Vermögen ist“, erklärt Jan Bittler von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge in Angelbachtal bei Heidelberg. Je nach Bundesstaat kommen weitere Regelungen hinzu. In Florida gebe es beispielsweise kein Pflichtteilsrecht. Ähnlich sei die Situation in Frankreich. Dort wird der Pflichtteil anders berechnet.

Und selbst ein Erbfall im Nachbarland Österreich kann Probleme mit sich bringen, sagt Steiner. Dort werde teilweise beim Erben einer Immobilie der deutsche Erbschein nicht anerkannt. Der Jurist rät daher, sich die örtlichen Spielregeln im Vorfeld genau anzusehen. Oft helfe es zum Beispiel, wenn das Ferienhaus schon zu Lebzeiten auf die Kinder übertragen wird.

Die Europäische Union plant derzeit, das Erbrecht in den Mitgliedsländern zu vereinfachen. Dabei geht es nicht darum, das jeweilige nationale Erbrecht zu ändern. Der sogenannte Anknüpfungspunkt soll vereinheitlicht werden. Das bedeutet, dass nicht mehr die Staatsangehörigkeit künftig darüber entscheiden soll, nach welchem nationalen Recht vererbt wird, sondern der Wohnsitz. Etwa im Jahr 2010 soll diese Regelung ins Europäische Parlament eingebracht werden. Jedes Jahr erben rund 450 000 EU-Bürger Werte von etwa 123 Milliarden Euro. Mit der Reform sollen bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt werden.

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