Unentbehrlich: Seniorenkreis Taldorf fordert Sammel-Kleinbus

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 Zum Gruppenbild vereint: die Mitglieder des Seniorenkreises Taldorf anlässlich ihrer Feier zum 30-jährigen Bestehen.
Zum Gruppenbild vereint: die Mitglieder des Seniorenkreises Taldorf anlässlich ihrer Feier zum 30-jährigen Bestehen. (Foto: Seniorenkreis Taldorf)
Günter Peitz

Keinerlei ständige Einkaufsmöglichkeit vor Ort, um den täglichen Bedarf zu decken, weder Doktor noch Apotheke. Kein Gemeindemobil wie in Eschach oder Berg, mit dem gemeinsame Einkaufs-Sammelfahrten oder Ausflüge unternommen werden könnten. Derzeit kein Linienbusverkehr, da die Straße zwischen Dürrnast und Taldorf gesperrt ist: Wer im idyllisch gelegenen Taldorf wohnt und altersbedingt nicht mehr Auto fahren kann, hat es nicht leicht. Das ist bei Gesprächen am Rande der Feier zum 30-jährigen Bestehen des Seniorenkreises Taldorf deutlich geworden. Zur Umleitung wegen der Straßensperrung kommt hinzu, dass zusätzliche Ampeln an der B 33 zu enormen Staus führen (die SZ berichtete).

Doch wurde beim Jubiläum, das der 30-köpfige Seniorenkreis mit seinem Leitungsteam Nicole Heymann, Klara Röss, Marianne Weber und Kurt Heymann mit einem Gottesdienst mit Pfarrer Reinhold Hübschle und Pastoralreferentin Angelika Böhm bei einem anschließenden geselligen Beisammensein feierte, sehr deutlich: Die Taldorfer halten zusammen. Sie machen das Beste aus ihrer abgeschiedenen Lage. Dabei hilft ihnen nun schon seit drei Jahrzehnten der im Jahr 1989 vom damaligen Pfarrer Georg Spohn ins Leben gerufene Seniorenkreis, eine Unterabteilung der katholischen Kirchengemeinde.

Kennenlernen beim Reden

Kirche kann in Taldorf wegen des Pfarrermangels nur mehr alle drei bis vier Wochen gehalten werden. Pfarrer Hübschle hat fünf Gemeinden zu betreuen. Früher trafen sich die Taldorfer, die sich alle kennen, allwöchentlich nach dem Gottesdienst und unterhielten sich. „Man sieht sich ja kaum noch“, klagen jetzt manche, seit nur noch in größeren Abständen gemeinsam Gottesdienst gefeiert werden kann. Hier schließt der Seniorenkreis mit seinen regelmäßigen Treffen einmal monatlich im Gemeindehaus die Lücke, zumindest teilweise. „Unsere Mitglieder wollen gar nicht so viel Programm, sondern hauptsächlich miteinander reden“, weiß Nicole Heymann.

Natürlich wird auch Programm geboten. Einen festen Platz haben die Krankensalbung gemeinsam mit der katholischen Gemeinde Bavendorf, Adventsfeiern, Fasnetveranstaltungen, gemeinsam gefeierte Geburtstage und in der Regel zwei Ausflüge pro Jahr. Zusätzlich bietet der Seniorenkreis Taldorf unter Leitung von Evi Schmid einmal wöchentlich Morgengymnastik, Sturzprophylaxe und Gedächtnistraining an. Ein gutes Dutzend Taldorfer Senioren macht begeistert mit.

Mit seinem Leitungsteam steht der Seniorenkreis Taldorf gut da. Das war nicht immer so. Vor 15 Jahren, erinnert sich Nicole Heymann, war sein Fortbestand in Frage gestellt. Erste Vorsitzende war Hedwig Beck gewesen. Als sie altersbedingt aufhörte, fand sich zunächst niemand mehr, der ihr nachzufolgen bereit war, bis Hannelore Heymann, die Mutter der derzeitigen Leiterin, in die Bresche sprang. Von den Gründungsmitgliedern lebt heute niemand mehr.

Problem Lebensmittelkauf

Nicole Heymann übernahm, nachdem ihre Mutter gestorben war. Sie ist fast genauso alt wie der Seniorenkreis. Dem Kreis brachte anlässlich seines „Dreißigsten“ eine Abordnung des Musikvereins ein Ständchen dar. Neben Pfarrer Hübschle sprach auch Heymann. Sie hielt die Festrede. Cornelia Wachter vertrat die Ortschaft Taldorf bei der Feier, an der auch Mitglieder aus Bavendorf und von kleineren Dörfern der Ortschaft teilnahmen, außerdem zahlreiche Junge. Ein in der Kirche aufgestellter „Stammbaum“ würdigt die Verdienste der bisher besonders aktiven Mitglieder des Seniorenkreises.

Bei den Feierlichkeiten kamen auch aktuelle Probleme zur Sprache. Ein Sammel-Kleinbus für Einkaufs- und andere Fahrten werde vermisst, auch ein Lebensmittel-Laden vor Ort. Nur ein Bäckerei-Verkaufswagen aus Ailingen macht jeweils am Mittwoch in Taldorf Station. Ansonsten müssen die Taldorfer nach Dürnast, Bavendorf, Hefigkofen oder in die Ravensburger Weststadt, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

Die nächsten Hausärzte praktizieren in Oberzell, Oberteuringen, Horgenzell und Ravensburg. Stellen die Doktoren Rezepte aus, können diese mitunter nicht sofort eingelöst werden, weil Medikamente nicht vorrätig seien. Manche Apotheken liefern dann frei Haus, andere nicht – womit eine zweite Fahrt organisiert werden muss, um sie abzuholen. Daher hat für den Taldorfer Seniorenkreis das Thema Mobilität hohe Priorität.

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