Umfeld der Heuneburg steht im Blickpunkt

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 Stefanie Bürkle (v.l.), Langenenslingens Bürgermeister Andreas Schneider, Klaus Burger, Katrin Schütz, Dirk Krausse und Magnus
Stefanie Bürkle (v.l.), Langenenslingens Bürgermeister Andreas Schneider, Klaus Burger, Katrin Schütz, Dirk Krausse und Magnus Hoppe eröffnen die Sonderausstellung. (Foto: Christoph Klawitter)
Christoph Klawitter

Die neue Sonderausstellung „Burgen, Bauern, Bestattungen“ rückt das Umfeld der Heuneburg in den Mittelpunkt. Anhand von Schautafeln auf dem Heuneburg-Gelände können sich Besucher darüber informieren. Am Mittwochnachmittag hat Katrin Schütz (CDU), Staatssekretärin im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium, die Ausstellung unter dem Beisein zahlreicher Gäste eröffnet.

Nicht um die Heuneburg selbst dreht sich die Ausstellung. „Es geht um das Umfeld der Heuneburg“, sagte Landesarchäologe Dirk Krausse. Noch bis vor wenigen Jahren konzentrierten sich die Forschungen auf die Heuneburg und das unmittelbare Umfeld. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Langfristprojekts nehmen Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege nun seit 2014 verstärkt auch das weitere Hinterland in den Blick. Über die Erkenntnisse dieser Forschung können sich die Besucher jetzt in der Ausstellung informieren.

Besonders sticht die Alte Burg bei Langenenslingen hervor. „Was da konkret für Handlungen stattfanden, wissen wir nicht“, sagte Krausse. Da Skelette gefunden worden sind, gibt es die Vermutung, dass es sich um einen Kult- oder Versammlungsplatz gehandelt hat. Fragen wirft die Architektur auf: So hatte die Alte Burg ein mächtiges Mauerwerk. „Bei der Alten Burg haben wir eine Stärke von 13 Metern“, sagte Krausse – bei der Heuneburg dagegen nur eine Stärke von drei Metern, ergänzte er. Auch wegen dieser monumentalen Ausmaße sei die Alte Burg früher irrtümlicherweise früher als mittelalterlich eingeschätzt worden.

Die Kelten haben die Alte Burg baulich stark verändert im Laufe der Zeit. Vielleicht wurde sie auch als Pferde- und Wagenrennbahn benutzt, heißt es in einem erklärenden Text der Ausstellung. Die Alte Burg war länger besiedelt als die Heuneburg: „Sie überlebte die Heuneburg noch für einige Generationen“, sagte Krausse.

Sichtbeziehungen zwischen den Höhensiedlungen

In der Ausstellung erfährt der Geschichtsinteressierte auch etwas über neue Grabungen an der sogenannten Großen Heuneburg bei Zwiefalten-Upflamör. Zunehmend ins Interesse der Archäologen ist der Bussen, „der heilige Berg Oberschwabens“, gerückt. „Auf dem Bussen wurde bisher noch nie gegraben“, sagte Krausse. Im Sommer sind demnach erstmals Grabungen geplant. Wie die Ausstellung auch informiert, scheinen Sichtbeziehungen zwischen den Höhensiedlungen in der frühkeltischen Zeit gespielt zu haben. Zwischen der Heuneburg als Machtzentrum und der Alten Burg gab es demnach eine direkte Sichtachse. Wenn man den Wald Richtung Alte Burg ausdünne, könne man diese alte Sichtachse wieder herstellen, meinte Krausse, halb im Scherz, halb im Ernst. Die Ausstellung thematisiert neben den Bettelbühl-Gräbern und dem Gräberfeld bei Unlingen auch die ländlichen Siedlungen der Bauern. „Kein einziges ländliches Gehöft im Umfeld der Heuneburg ist bisher ausgegraben worden“, sieht Dirk Krausse hier weiteren Forschungsbedarf. Die Ausstellung informiert über Funde ländlicher Siedlungen in Ensmad und Emerfeld. Auf der Rückseite der Schautafeln erwartet die Besucher noch etwas Besonderes: Ein Künstler hat Szenen aus dem Alltag der Kelten rekonstruiert. So können die Besucher sich ein Bild davon machen, wie die Kelten womöglich ausgesehen und wie sie gelebt haben.

Staatssekretärin Katrin Schütz eröffnete die Ausstellung. Sie sagte, dass die aktuellen Untersuchungen die herausragende Bedeutung der Heuneburg während der mitteleuropäischen Eisenzeit unterstreichen würden. Generell sei archäologische Forschung über die Kelten wichtig: „Dabei geht es auch darum, die historischen Kelten von denjenigen aus den mittelalterlichen Sagen abzugrenzen“, sagte sie. „Ich bin mir sicher, dass auch diese Ausstellung auf sehr reges Interesse stoßen wird.“ Archäologe Leif Hansen führte die Staatssekretärin und die weiteren Gäste dann durch die Ausstellung.

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