TV-Fahndung wirft Fragen auf

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Mit Phantombild und Stimmprobe fahndete die Polizei im Fernsehen nach einem Verdächtigen im Mordfall Bögerl. Der war zu diesem Z
Mit Phantombild und Stimmprobe fahndete die Polizei im Fernsehen nach einem Verdächtigen im Mordfall Bögerl. Der war zu diesem Zeitpunkt schon identifiziert - und wie sich später rausstellte, unschuldig. (Foto: Polizei/ZDF)
Schwäbische Zeitung
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Noch bevor bei „Aktenzeichen XY“ nach dem Verdächtigen gesucht wurde, den die Polizei für den Täter im Mordfall Bögerl gehalten hat, wurde er festgenommen. Dass man trotzdem abends im Fernsehen nach dem Mann gesucht hat, der tags darauf auf freien Fuß gesetzt wurde, hatte seinen Grund, sagt Armin Burger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ellwangen.

Im Juli vergangenen Jahres soll der Mann im nordrhein-westfälischen Hagen gegenüber Zeugen mehrfach damit geprahlt haben, Maria Bögerl aus Hass auf die Familie ermordet zu haben, so Armin Burger. Zudem gab er an, sich in den Wäldern auszukennen, und habe ein Survival-Messer benannt, „das als Tatwaffe nicht ausgeschlossen werden kann“, sagt der Sprecher der Ellwanger Staatsanwaltschaft.

Gesuchter wurde vor Ausstrahlung identifiziert

Dies genügte den Ermittlern für eine öffentliche Fahndung. Ein Phantombild und eine Stimmprobe wurden am vergangenen Mittwoch veröffentlicht – noch bevor der Fall bei „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt wurde, nahm die Polizei den Verdächtigen fest. Gesendet wurde der Fahndungsaufruf dennoch – warum? „Zu diesem Zeitpunkt haben wir nicht gewusst, dass diese Person die ist, die wir gesucht haben“, oder ob sich möglicherweise Hinweise auf andere Aufenthaltsorte oder Personen hätten ergeben können. Befragt worden sei der Verdächtige auch erst spät in der Nacht, das Ergebnis dieser Vernehmung „lag erst sehr spät vor“.

Der Verdacht gegen den 47-Jährigen, den die Polizei für den Täter im Mordfall Bögerl gehalten hatte, ließ sich jedoch nicht erhärten. Er kam wieder auf freien Fuß, da seine DNA-Probe laut Staatsanwaltschaft nicht mit den Spuren, die im Auto der ermordeten Bankiersgattin gefunden wurden, übereinstimmten. Die weiteren Ermittlungen gegen den Mann wurden routinemäßig abgearbeitet, so Burger in der vergangenen Woche, der jetzt davon ausgeht, dass ihm die Akten von der Polizei bald vorliegen.

Einer der größten ungelösten Mordfälle

Der Fall Maria Bögerl ist einer der größten ungelösten Mordfälle in Deutschland. Am 12. Mai 2010 wurde die Frau des damaligen Heidenheimer Sparkassenchefs Thomas Bögerl aus ihrem Haus in Heidenheim-Schnaitheim entführt. Die Täter verlangten 300000 Euro Lösegeld, die Übergabe des Geldes an der A7 scheiterte.

Anfang Juni 2010 fand ein Spaziergänger die Leiche der 54-Jährigen an einem Waldrand zwischen Nietheim und Niesitz auf dem Härtsfeld. Die zweifache Mutter wurde erstochen. Im Wagen des Opfers, der zwei Tage nach dem Verschwinden Maria Börgerls im Innenhof des Klosters Neresheim auftauchte, fanden Ermittler neben persönlichen Gegenständen des Opfers DNA-Spuren eines Mannes, der bislang nicht identifiziert werden konnte.

DNA-Spuren stammen nicht von Tatverdächtigem

Der Entführungs- und Mordfall Maria Bögerl aus dem Jahr 2010 hat in ganz Europa Schlagzeilen gemacht. Gestern dann wieder Aufregung: Die Polizei sucht mit einer Tonaufnahme und einem Phantombild nach einem dringend Tatverdächtigen Mann. Er soll damit geprahlt haben, die Bankiersfrau Maria Bögerl umgebracht zu haben. Doch die so heiß geglaubte Spur verläuft ins Leere.

Der Mordfall Maria Bögerl - Eine Chronolgie des Verbrechens

Seit dem Jahr 2010 hält der Mordfall Bögerl die Bundesrepublik und die Polizei in Atem. Der Fall zählt zu einem der spektakulärsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Mehr als 10.000 gesicherte Spuren gab es, der entscheidende Hinweis fehlte aber bislang. David Reimann und Kristina Priebe mit der Chronologie eines Verbrechens.“

Neue Spur im Mordfall Bögerl
Im Mordfall Maria Bögerl gibt es laut Bundeskriminalamt neue Hinweise. Gesucht wird ein Mann der zuletzt im nordrhein-westfälischen Hagen gesehen wurde. Dort soll er in einem Gespräch konkrete Angaben zu dem Mord gemacht haben.
Ermittlungen gehen weiter
Laut des SWR können diese nun besser analysiert werden als vor 5,5 Jahren
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