Tuttlinger Landrat fordert Akzeptanz für politische Entscheidungen ein

Landrat Stefan Bär
Landrat Stefan Bär (Foto: Landratsamt)
Schwäbische.de

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

wir alle haben ein schwieriges Jahr hinter uns. Wieder war Corona das alles beherrschende Thema. Vor einem Jahr haben wir noch zuversichtlich auf 2021 geblickt, in der Erwartung, dass das Impfen die Trendwende bringen würden. Leider hält sich das Virus nicht an unsere Planungen.

Betroffen machen uns vor allem die mit Corona verbundenen Schicksale. Über 190 mit dem Corona-Virus Verstorbene und über 16 000 Infektionen allein in unserem Landkreis sind eine traurige Bilanz. Unsere Anteilnahme und Mitgefühl gilt denjenigen, die geliebte Menschen verloren haben und allen, die schwer erkrankt sind und an den Folgen weiterhin leiden.

Eine schwere Last bedeutet die Pandemie für die im Gesundheitswesen Beschäftigten, Pfleger/innen, Ärzt/innen, medizinischen Fachangestellten, Rettungsorganisationen und viele weitere. Besonders ihnen gilt unser Dank, unsere Anerkennung und Wertschätzung für ihr großartiges Engagement und ihren unermüdlichen Einsatz, der oft über die Belastungsgrenze hinausgeht.

Omikron: „Werden das nur gemeinsam schaffen“

Wir alle sehnen uns nach Normalität und Unbeschwertheit, nach allem, was unser Leben vor Corona so lebenswert gemacht hat. Doch es wird noch einige Zeit dauern, bis wir all das wieder genießen können. Der Höhepunkt der vierten Welle ist zwar vorbei. Nun aber wartet mit Omikron eine neue Variante, auf die wir uns vorbereiten müssen. Wir werden das nur gemeinsam schaffen.

Das Virus hat nicht nur unsere Gesundheitsversorgung, sondern auch unsere Gesellschaft an ihre Grenzen gebracht. Die existenziellen Sorgen für viele Betriebe und Einzelpersonen sind das eine und schon schlimm genug. Die Diskussionen um die richtigen Maßnahmen oder das Impfen das andere. Hier prallen Meinungen aufeinander und belasten uns im Arbeitsumfeld, in der Freizeit und bis in die Familie hinein.

Streitkultur ist Stück weit verloren gegangen

Einige nehmen das Virus aber auch zum Anlass, in einer bisher ungekannten Art und Weise mit Hass und Hetze ihre Ablehnung unseres demokratischen Systems zum Ausdruck zu bringen. Denen müssen wir mit aller Entschiedenheit entgegentreten. Demokratie lebt vom Streit, sie braucht aber auch eine Streitkultur, die uns ein Stück weit verloren gegangen scheint.

Was wir brauchen sind keine Beschimpfungen, sondern Respekt für andere Meinungen sowie am Ende Akzeptanz der von den gewählten Vertretern getroffenen Entscheidungen und insbesondere die Einhaltung von Regeln. Beides gehört zu dem demokratischen Grundverständnis, ohne das eine freie Gesellschaft wie unsere nicht funktionieren kann.

Wichtigster Wunsch für 2022:

Das Virus werden wir am Ende medizinisch besiegen oder so kontrollieren, dass wir wieder ein normales Leben führen können. Aber auch als Gesellschaft werden wir wieder zusammenfinden müssen. Diese Herausforderung scheint mindestens genauso groß wie die medizinische. Dass uns beides gelingt, ist mein wichtigster Wunsch für 2022.

Doch auch außerhalb von Corona gibt es wichtige Aufgaben. So erwarten uns im Bereich des Klimaschutzes – um das größte globale Thema zu benennen – große Herausforderungen, die wir als Ansporn und Chance begreifen sollten. Jede Ebene – Bund, Land, Kommunen – ist gefordert und wird einen Beitrag leisten müssen, ebenso wie jeder einzelne von uns.

Wie kann man die medizinischeVersorgung sicherstellen?

Darüber hinaus ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung. Wir wollen die medizinischen Angebote im stationären und ambulanten Bereich sicherstellen und verbessern. Es gilt, gemeinsam mit Partnern aus unterschiedlichen Bereichen die wohnortnahen Versorgungsangebote aktiv mitzugestalten. Wichtige Schritte dazu sind die baulichen Investitionen in das Klinikum in Tuttlingen, aber auch die Umnutzung des Gesundheitszentrums Spaichingen zu einem Schwerpunkt der ambulanten und pflegerischen Versorgung. Mit Investitionen in unsere Schulen wollen wir zudem unsere Bildungslandschaft im beruflichen und sonderpädagogischen Bereich weiter stärken und unserer Verantwortung gegenüber der jüngeren Generation gerecht werden.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Organisationen, unseren kommunalen, landes- und bundespolitischen Verantwortungsträgern, Kirchen und Unternehmen, die sich ganz besonders für unsere Gemeinschaft engagieren, für unsere Grundhaltungen und Überzeugungen einstehen und zu einem guten Miteinander beitragen. Lassen sie uns auch in 2022 gemeinsam für die Menschen im Landkreis Tuttlingen unser Bestes geben.

Für das Jahr 2022 wünsche ich Ihnen alles Gute, neue Kraft und Mut, Zuversicht und vor allem Gesundheit!

Ihr Stefan Bär, Landrat

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