Turniertanz spricht immer mehr Senioren an

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Deutsche Presse-Agentur

Zwei, drei, vier! Das Ehepaar Friederike und Jürgen Ensslin gibt beim Tanz-Wettbewerb alles. Die beiden absolvieren gekonnt eine Wendung nach der anderen und vergessen nie, den Zuschauern und Juroren auch noch entspannt zuzulächeln.

Der 67-jährige Jürgen Ensslin hält seine 63 Jahre alte Ehefrau dabei fest in den Armen. Tanz-Wettbewerbe für Senioren sind nichts Ungewöhnliches - und das Ehepaar Ensslin beweist, dass sich anspruchsvolles Tanzen und ein gewisses Alter nicht ausschließen. Im Gegenteil: Sie gehören sogar zu den besten ihrer Klasse.

„Wir tanzen schon seit einigen Jahren zusammen, aber seit wir beide pensioniert sind, haben wir dafür noch mehr Zeit“, erzählt Friederike Ensslin aus Heimsheim in der Nähe von Stuttgart. Den beiden ist ihre Leidenschaft sogar so wichtig, dass sie fünfmal pro Woche jeweils mehrere Stunden trainieren und regelmäßig zu Turnieren im In- und Ausland reisen.

„Anspruchsvolles Wettbewerbs-Tanzen ist auch bei Senioren keine Ausnahme“, bestätigt Heidi Estler vom Deutschen Tanzsportverband in Stuttgart. „Das ist sogar sehr gefragt.“ Der Fairness wegen gibt es vier Altersbereiche: Die jüngste „Seniorenklasse“ umfasst Paare im Alter von 35 bis 45 Jahren, die nächste die bis 55 Jahren. Danach tanzen Männer und Frauen bis 65 Jahren gegeneinander, und die Gruppe Senioren IV ist schließlich für die Über-65-Jährigen.

Voraussetzung für Turniertanz ist, dass man einen festen Partner hat. „Es gibt auch Wettbewerbe für zwei Frauen oder zwei Männer - das Equality-Tanzen -, doch die meisten Paare bestehen aus einem Mann und einer Frau“, sagt Estler. Das sei aber kein Problem: „Entgegen der weit verbreiteten Meinung haben viele Männer Spaß am Tanzen, sie müssen nur auf den Geschmack gebracht werden.“

So war es auch beim Ehepaar Ensslin. „Ich habe schon immer sehr gerne getanzt, aber mein Mann hat erst mit 45 Jahren angefangen“, erzählt Friederike Ensslin. Damals schenkte er ihr einen Tanzkurs und fand plötzlich selbst Gefallen daran. „Das Tanzen ist zwar körperlich anstrengend, doch es hält fit und macht uns viel Spaß“, sagt Friederike Ensslin. Das Alter mache dabei kaum Probleme, man steigere sich trotzdem stetig.

Nicht alle Senioren fühlen sich jedoch körperlich fit genug, so viel und so intensiv zu tanzen. Deswegen gibt es bei den Vereinen des Deutschen Tanzsportverbandes auch die Möglichkeit, spezielle Seniorenkurse zu belegen - und nur ein Mal pro Woche zu trainieren. „Dort lernt man Standard- und Lateinamerikanische Tänze sowie Square- und Linedance“, erklärt Sprecherin Estler. Die Kurse seien zudem so ausgerichtet, dass auch Anfänger im fortgeschrittenen Alter mithalten können. „Einige Teilnehmer sind sogar 80 Jahre alt.“   

Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten zum Tanzen. Der Bundesverband Seniorentanz in Bremen bietet bundesweit spezielle Kurse für Senioren an. „Dabei geht es nicht um Standardtänze, sondern vor allem um Gesellschaftstänze“, sagt Heide Quandt vom Bundesvorstand. Die Tänze werden so verändert, dass sie keine schnellen Drehungen und gefährlichen Sprünge enthalten. „Außerdem muss man bei uns keinen festen Partner haben“, sagt Quandt. „Die Tänze sind so angelegt, dass man häufig den Tanzpartner wechselt.“

Bundesverband Seniorentanz: www.seniorentanz.de

Deutscher Tanzsportverband: www.tanzsport.de

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