Tunnel wird zur Dauerbaustelle

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Die A 96 bekommt neue Notzufahrten. (Foto: Steppat)
Schwäbische Zeitung
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An den Anblick von Bauarbeitern am Autobahntunnel bei Herfatz wird man sich in den kommenden Jahren gewöhnen müssen. In dieser Woche haben Sanierungsarbeiten begonnen, die laut Regierungspräsidium Tübingen erst 2014 enden werden. Die Sicherheit im Tunnel soll dadurch deutlich steigen. Insgesamt verbaut der Bund bis dahin 6,7 Millionen Euro.

Erstes sicht- und spürbares Zeichen sind die Baustellenampel und -fahrzeuge an der B 32. Die Autos staute sich gestern Nachmittag Richtung Wangen zum Teil weit zurück, weil der Verkehr am Abzweig zu einem Feldweg nur noch einspurig fließen darf. Aus dem Weg wird eine neue Notverbindung zur Autobahn, erläutert ein Sprecher des Regierungspräsidiums.

Sicherheitstechnik ist Kernstück

Aus gutem Grund: Sollte es in dem Tunnel einmal krachen und die Autobahn gesperrt werden müssen, könnte der Verkehr über die neue Verbindung abfließen. Gleiches entsteht auf der anderen Autobahnseite für den Verkehr Richtung Lindau. Die aktuell gute Nachricht für alle Autofahrer: Wahrscheinlich bereits Anfang kommender Woche wird die Ampel an der B 32 wieder Geschichte sein.

Was bei der Vorbeifahrt derzeit auffällt, ist allerdings nicht das Kernstück der Sanierungsarbeiten, die in diesem Jahr bis Ende September dauern sollen: „Die gesamte Tunneltechnik wird ersetzt“, so der Sprecher des Regierungspräsidiums. Soll heißen. Entlüftung, Beleuchtung und Wärmewechsler werden ausgetauscht, die Fluchtweg erneuert und die Leitungen zu einer Zentrale in Stuttgart stabilisiert. Von dort werden sämtliche Autobahntunnel des Landes per Kamera überwacht.

Hintergrund der jetzt anlaufenden Arbeiten sind die so genannte Richtlinie für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln (RABT). Sie war 2006 zuletzt aktualisiert worden und schreibt europaweit erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in den Röhren vor. Laut Bundesverkehrsministerium sollen alle deutschen Tunnel bis 2013 auf diese neuen Sicherheitsstandards gebracht werden. Investitionskosten von mehr als 700 Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Der verheerende Unfall im Mont-Blanc-Tunnel 1999 und weitere Unglücke im Tauern- und im Gotthardtunnel waren Auslöser für die geltenden Vorgaben. Die beinhalten eine Aufrüstung der Sicherheitstechnik und bautechnische Sanierungen.

2013 und 2014 geht es weiter

Letztere sollen in den kommenden beiden Jahren angegangen werden: 2013 die Tunnelröhre in Fahrtrichtung Memmingen, 2014 jene in Richtung Lindau. Bereits dieses Jahr entsteht neben dem Herfatzer Tunnel ein Löschwasserbecken. „Wir wollen nicht, dass das Wasser in die Argen fließt", so das RP. Die Behörde lässt zudem das Betriebsgebäude für den Löschwasservorrat und die Druckerhöhungsanlage erweitern.

Vermutlich weitgehend staufrei werden die diesjährigen Arbeiten über die Bühne gehen. Denn bislang ist lediglich geplant, dass in Fahrtrichtung Memmingen der Pannenstreifen gesperrt wird, da er als Baustellenzufahrt dient. In Richtung Lindau läuft's laut RP wie gewohnt weiter. Anders dürfte es in den kommenden beiden Jahren aussehen, wenn die Röhren selbst saniert werden. Nähere Auskünfte gab es dazu gestern aber nicht.

Die Baukosten – 1,2 Millionen Euro in diesem Jahr, drei Millionen im Jahr 2013 und noch einmal 2,5 Millionen 2014– trägt vollständig der Bund.

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