Trotz Krise keine Abkehr vom nachhaltigen Tourismus

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Deutsche Presse-Agentur

Der wirtschaftliche Abschwung bedeutet Experten zufolge nicht automatisch einen Dämpfer für das nachhaltige Reisen. „Momentan lässt sich noch keine Veränderung des Buchungsverhaltens beobachten“, sagte Heinz Fuchs von der Organisation Tourism Watch.

Zwar werde am Urlaub vielleicht am ehesten gespart, wenn in großem Umfang Entlassungen anstehen. Andererseits seien in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Werte wie Sicherheit, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit gefragt: „So etwas zählt dann umso mehr, auch beim Reisen.“ Tourism Watch ist eine Einrichtung des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) in Bonn.

Veranstalter, die auf nachhaltiges Reisen setzen, könnten nun unter Umständen sogar profitieren: „Das kann das Segment sein, das stabiler ist als der gesamte Reisemarkt“, sagte Fuchs. Dies widerspreche auch nicht dem Trend zum Beispiel im Einzelhandel zu mehr Preisbewusstsein: „Die Discounter sind ein Gewinner der Krise. Andererseits legen bei den Discountern gerade die Fair-Trade-Produkte deutlich zu.“ In der vergleichsweise kleinen Nische für nachhaltiges Reisen gebe es daher auch angesichts der Wirtschaftsprobleme noch ein Wachstumspotenzial: „Es gibt Anzeichen dafür, dass der Markt für nachhaltige Reisen eher noch wächst als schrumpft“, erklärte Fuchs.

Dafür spreche auch, dass die im Forum Anders Reisen (FAR) zusammengeschlossenen Veranstalter, die sich unter anderem zu bestimmten Sozial- und Umweltstandards verpflichten, zuletzt stärker gewachsen seien als andere. Die Klimadiskussion der vergangenen Jahre habe viele Deutsche für das Thema sensibilisiert, so der Experte. Auch dass die entsprechenden Reiseveranstalter aus Angst vor Buchungsrückgängen und schmaleren Margen nun ihre Standards für nachhaltiges Reisen senken, halte er für nicht wahrscheinlich.

Weiterhin bestehe jedoch das Problem, dass Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Corporate Social Responsibility (CSR), also die Verpflichtung zu sozial verantwortlichem Handeln, nach wie vor sehr schwammig seien. „Es gibt keine klaren, verbindlichen Definitionen dafür, was das meint“, sagte Fuchs.

Einen Schritt weiter gingen nun Pläne des Forum Anders Reisen: Veranstaltern soll auf der Basis von Nachhaltigkeitsberichten ein unabhängiges CSR-Zertifikat verliehen werden. Dieses soll Touristen vor dem Buchen die Orientierung erleichtern. TourCert, eine neue Gesellschaft zur Zertifizierung von Nachhaltigkeitsberichten im Tourismus, werde künftig Unternehmen mit entsprechenden CSR oder Nachhaltigkeitsberichten mit dem Label „CSR certified“ auszeichnen. Erste Zertifikate werden während der Reisemesse ITB in Berlin (11. bis 15. März) vergeben.

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