Bürgermeister Dietmar Holstein
Bürgermeister Dietmar Holstein (Foto: Gemeinde Dürmentingen)
Schwäbische Zeitung

Wie ein Schatten hat sich die Corona-Pandemie über das Jahr 2020 gelegt. Dennoch kann Bürgermeister Dietmar Holstein im Interview mit der SZ auch auf viele gelungene Projekte zurückblicken – für die Gemeinde, aber auch privat.

Was hat trotz Corona gut in Ihrer Gemeinde funktioniert?

Dietnmar Holstein: Trotz der coronabedingten immensen Mehrbelastung in der gesamten Verwaltung und auch der Umstellung auf die doppische Buchführung war es uns möglich viele Projekte weiterzuentwickeln bzw. zu vollenden. So wurde die Erschließung des Baugebiets Mittelösch II mit 40 Bauplätzen realisiert, die Vergabeveranstaltung hierzu ist auf Ende Januar (corona-abhängig) vorgesehen. Durch den Abschluss der Erschließungsarbeiten der lebendigen Ortsmitte wurde der Grundstein der Seniorenkonzeption der Gemeinde geschaffen. Mit dem Rückbau der Wehranlage in Hailtingen und Herstellung der Durchwanderbarkeit der Kanzach konnte ein ökologisches Ausrufezeichen gesetzt werden, wobei zusätzlich ein tolles Gewässernaherlebnis entstanden ist. Erfreulicherweise wurde in Heudorf der langersehnte Fußgängerüberweg an der Ortsdurchfahrt geschaffen. Die Tage der Unsicherheit und Sorge, in Verbindung mit der Straßenquerung sollten nun der Vergangenheit angehören. Es wurde also auch 2020 in der Gemeinde Dürmentingen viel bewegt und auf den Weg gebracht, was auf eine starke Gemeinschaftsleistung aller Mitarbeiter/innen und der Gremien zurückzuführen ist.

Welche Herausforderungen erwarten Sie und Ihre Gemeinde in diesem Jahr?

In der Tat wird uns das neue Jahr vor große Herausforderungen stellen, da die wirtschaftlichen Auswirkungen unserer Gewerbe-, Handwerks– und Dienstleistungsbetriebe nicht gänzlich absehbar und die notwendigen Investitionen teilweise bereits begonnen worden sind. Die staatlichen Hilfsgelder für unsere Kommune helfen natürlich und tun uns sehr gut… doch machen wir uns nichts vor, diese enormen Mittel der vielzähligen Corona-Hilfspakete müssen zukünftig von uns allen getragen werden.

Wie wird das Jahr 2021 in Ihrer Gemeinde abseits von Corona?

Viele Investitionen sind weiterhin geplant und angestoßen. Neben den geplanten Ausschreibungen im ersten Quartal zum Bau der Gemeinbedarfseinrichtung und der betreuten Wohngemeinschaft der „lebendigen Ortsmitte“ stehen der Abbruch und Neubau der einsturzgefährdeten Leichenhalle in Heudorf und die Sanierung des Sportplatzes in Dürmentingen auf der Agenda. Das fast 30 Jahre alte Feuerwehrfahrzeug wird durch ein GWL 2 ersetzt, um die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr weiter zu gewährleisten. Die Nachfrage nach Kindergartenplätzen, insbesondere nach Betreuungsplätzen, hat sich erfreulicherweise stark positiv entwickelt. Daher hat sich der Gemeinderat nach intensiver Standortuntersuchung für die Schaffung von zwei Kinderkrippen am Schulstandort in Dürmentingen ausgesprochen. Dafür sprechen neben den geringeren Investitionskosten, dass die Plätze dort geschaffen werden, wo der größte Bedarf besteht. Zudem wird der Schulstandort wesentlich gestärkt und aufgewertet. Die Sanierungen der Kirchbergstraße und Storchenweg in Dürmentingen sind unausweichlich und die Planungen dazu sollen in diesem Jahr abgeschlossen werden. Trotz einer exzellenten finanziellen Ausgangslage machen diese hohen Investitionen eine Neuverschuldung für die Gemeinde Dürmentingen notwendig.

Wie haben Sie persönlich das Ausnahmejahr 2020 erlebt?

Wie wir alle leidvoll erfahren mussten, wird das Jahr 2020 mit all seinen Entbehrungen und Einschränkungen Geschichte schreiben. Eine derartige gesellschaftliche Veränderung konnten wir uns beim letztjährigen Neujahrsgruß nicht vorstellen. Homeoffice und Homeschooling hat auch meine Familie geprägt und mehr zusammengerückt. Eine schöne Situation ist entstanden, als Ertinger Kinder mich wegen eines verwaisten Rehkitzes alarmiert haben. Ganz nach dem Motto: „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“ Das Kitz konnte mit viel Zuwendung gerettet werden, wobei mein Sohn in der unterrichtsfreien Zeit im Frühsommer sehr viel Zeit für die Aufzucht von Flocki aufwenden konnte.

Was möchten Sie Ihren Bürgerinnen und Bürgern in dieser schwierigen Zeit mit auf den Weg geben?

Bleiben Sie im festen Glauben zuversichtlich, dass uns das neue Jahr wieder mehr Gründe zum Lächeln bereithalten wird. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich bei allen bedanken für Ihre Disziplin beim respektieren der Regeln. Überall sind wir auch Verständnis gestoßen und haben versucht einen gesunden Mittelweg zu finden zwischen Machbarkeit und Sicherheit. Ich möchte mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die für unsere Mitbürger in dieser schwierigen Zeit da waren und auch weiterhin sind, für ihr Engagement und Unterstützung. Niemand sollte diese Zeit alleine durchstehen müssen.

Auf was freuen Sie sich persönlich, wenn die Krise irgendwann überwunden ist und wir wieder zu Normalität zurückgekehrt sind?

Der Verzicht auf soziale Kontakte erfordert viel Entbehrung. Ich freue mich auf die Begegnungen und die Veranstaltungen, die unsere Gemeinde und unsere Gemeinschaft so gesellig machen. Liebgewonnene Gesten, ein Handschlag nach einem Gespräch, eine Umarmung oder einfach ein Lächeln, das unter der Maske nicht mehr sichtbar ist, möchte ich auf Dauer nicht missen und hoffe das diese „Nettigkeiten“ nicht verschwunden bleiben. Die Vorfreude auf einen hoffentlich möglichen Familienurlaub im Sommer ist natürlich vorhanden.

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