Trittbrettfahrer halten die Polizei in Atem

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Amoklauf in einer Schule in Winnenden halten Trittbrettfahrer die Polizei in Baden-Württemberg in Atem. Es habe zahlreiche Amok- oder Bombendrohungen gegeben, berichtete Landespolizeipräsident Erwin Hetger in Winnenden.

In Freiburg wurde eine Schule nach einer Bombendrohung geräumt. In Schramberg (Kreis Rottweil) wurde ein 16-Jähriger festgenommen, nachdem er einen Amoklauf an seiner Berufsschule angekündigt hatte. Weitere Drohungen gab es laut Hetger in Pforzheim, im Raum Stuttgart, in Ulm, Metzingen und Esslingen. Alle Schulen würden verstärkt von der Polizei beobachtet.

Die Bombendrohung gegen eine Schule in Freiburg ging am frühen Morgen auf dem Tonband der Karlschule ein. Die Polizei durchsuchte das Gebäude mit Hilfe von Sprengstoffspürhunden, wurde aber nicht fündig. Die 400 Schüler kamen derweil in benachbarten Gebäuden unter. Gegen 10.30 Uhr konnte der Unterricht fortgesetzt werden.

Der 16-Jährige aus Schramberg hatte noch am Tag des Amoklaufs in Winnenden einen Brief an einen Mitschüler geschrieben und angekündigt, er werde an seiner Berufsschule Amok laufen. Der 16-Jährige sei am Donnerstagmorgen festgenommen worden und habe die Tat gestanden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Ermittler gehen aber davon aus, dass der Schüler nicht wirklich zu dem Amoklauf entschlossen war. An der Schule sei es durch die frühe Festnahme des 16-Jährigen zu keinerlei Auswirkungen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Der Schüler hatte nach ersten Ermittlungen im Internet eine Schilderung des Amoklaufs im Jahr 2002 an einem Gymnasium in Erfurt heruntergeladen und als Vorlage für seine Drohung genommen.

Auch in Pforzheim versetzte ein Trittbrettfahrer die Polizei in Alarmbereitschaft. Bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate kündigte ein Unbekannter einen Amoklauf an der Alfons-Kern-Schule an. Wurde die Berufsschule im vergangenen November noch geräumt, so sicherten Polizisten und Zivilbeamte am Donnerstag das Gebäude. „Wir sind wachsam“, versicherte ein Sprecher.

Die Behörden warnten davor, solche Äußerungen - auch wenn sie nicht ernst gemeint sind - in irgendeiner Weise zu veröffentlichen. Solche Ankündigungen zögen in jedem Fall ein Ermittlungsverfahren nach sich und könnten zu strafrechtlichen Konsequenzen für den Täter führen.

Als einfachen Scherz hat ein 20-Jähriger seine Amokdrohung gegen eine Schule in Esslingen gerechtfertigt. Die Polizei nahm den Mann am Donnerstag fest, kurz nachdem er die Drohung im Internet veröffentlicht hatte. Die Gefahr eines Amok-Laufs hatte an der Grund- und Hauptschule zuvor einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Gegen den 20-Jährigen wurde Haftbefehl beantragt. Er müsse mit strafrechtlichen Folgen rechnen und wohl auch für den Großeinsatz der Polizei an der Schule aufkommen, teilte die Behörde mit.

In Ulm sicherten Polizisten eine Schule, nachdem ein 18-Jähriger gegenüber Mitschülern von seiner „Todesliste“ gesprochen hatte. Nach ersten Ermittlungen stufte die Polizei den Vorgang allerdings als Wichtigtuerei ein.

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