Trendbewusste Narren feiern als Pirat oder Abba-Star

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Deutsche Presse-Agentur

Jack Sparrow tritt in diesem Winter zu einer Schlacht der besonderen Art an. Schauplätze sind unter anderem Köln, Düsseldorf, Mainz aber auch München.

Schließlich stehen Ende Februar in vielen Regionen die Zeichen auf Karneval und Fasching. Den Kampf gewonnen hat aber nicht derjenige mit dem schärferen Säbel, sondern mit dem schönsten Kostüm. Die Nase vorn haben in diesem Jahr Jecken im Piraten-Gewand.

Doch wer wirklich etwas hermachen möchte, kann sich nicht nur als Pirat verkleiden. „Man muss im Prinzip zwei Kostüme haben. Denn wenn man draußen ist im Straßenkarneval, braucht man etwas Warmes“, sagt ARD-Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow aus Hamburg, der gebürtig aus dem Rheinland kommt und großer Karnevalsfan ist. Für Partys, Sitzungen oder den Kneipenbesuch müsse das Kostüm dagegen leichter ausfallen.

Für die nötige Inspiration bei der Kostümsuche kann möglicherweise ein Kinobesuch sorgen. „Die Trends gehen oft auf Filme oder aktuelle Ereignisse zurück“, sagt Manfred Kreis von der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (IGMK) in Mainz. So hat Jack Sparrow bereits im vergangenen Jahr den Trend gesetzt. Große Unterschiede gebe es zwischen den einzelnen Karnevalshochburgen nicht.

Auf der Messe InternKarneval, die im Juni 2008 in Köln veranstaltet wurde, gab es auch viele Wikinger-Kostüme. Grund dafür sei der Film, „Wickie und die starken Männer“, der in diesem Jahr in die Kinos kommen soll, erklärt Henriette Preiß von der Koelnmesse. Das Kino hat es auch geschafft, einen alten Trend neu zu beleben. Flower-Power-Kostüme aus den 70er Jahren habe es immer schon gegeben. „Abba-Kostüme sind aber neu“, erklärt Sylvia Lewkowicz vom Münchner Kostümhaus Cinyburg. Auslöser für die starke Nachfrage sei sehr wahrscheinlich der Film „Mamma Mia“.

Ähnliche Trends habe es auch in den vergangenen Jahren gegeben - zum Beispiel bei „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“, sagt Bernd Schneider vom Kostümkaufhaus Karnevalswierts in Köln. Speziell in der Kölner Region angesagt sind laut Schneider außerdem Teufels- und Engels-Kostüme. Schließlich laute das diesjährige Kölner-Karnevals-Motto „Unser Fastelovend - himmlisch jeck“.

Im Straßenkarneval sind dagegen Tierfell-Kostüme wie Tiger, Biene oder Schaf besonders gefragt. „Das hängt immer davon ab, wie kalt es ist.“ Außerdem könnten die Karnevalisten ihre Gesichter schön passend dazu schminken. „Da sieht man zum Teil auch diese Ganzkörper-Kostüme“, berichtet Tom Buhrow aus eigener Karnevals-Erfahrung.

Zwar gibt es einige Narren, die sich ihr Kostüm selber nähen - besonders wenn sie mit einer Gruppe an einem Umzug teilnehmen. „Bei den Leuten, die auf Veranstaltungen gehen, wird aber viel fertig gekauft“, sagt Manfred Kreis vom IGMK. Ob von der Stange oder doch selber gemacht, auch bei den nähenden Karnevalisten stehen Piratenkostüme hoch im Kurs.

Neu ist allerdings, dass die Selbermacher beim Schneidern nicht mehr nur auf Karnevalsstoffe zurückgreifen. Der Pirat im Streifenkostüm sei seltener geworden. „Für den etwas feineren Pirat werden zum Beispiel Polsterstoffe genommen“, erklärt Karl-Heinz Klawitter, Inhaber des Stoffgeschäfts Stofftruhe in Brühl bei Köln. Denn dieses Material habe mehr Struktur. Soll der Pirat dagegen etwas wilder und rustikaler ausfallen, wird antikes Leder oder zumindest echt wirkendes Kunstleder eingearbeitet.

Solche Kostüme schneiderten die Eltern auch für ihre Kinder. „Prinzessin ist schon fast wieder rückläufig“, betont Klawitter. Mädchen gingen eher als Fee. 'Prinzessin Lillifee' wird viel kommen“, fügt Christiane Lott-Hauptstock vom Stoffgeschäft Stoff & Schnitt in Düsseldorf hinzu. Bei den Erwachsenen sind ihrer Ansicht nach Mittelalter-Kostüme besonders gefragt. „Man näht gerne historisch.“ Aber auch Hexen erfreuten sich bei Groß und Klein großer Beliebtheit.

Karneval und Fasching stehen zwar kurz bevor. Trotzdem können sich auch Anfänger mit Nadel und Faden noch ein schönes Kostüm selber nähen. „Man kann sich ja etwas Einfaches aussuchen“, sagt Karl-Heinz Klawitter von der Strofftruhe in Brühl. Dann reichten auch drei bis vier Wochen zum Nähen. Besonders im Straßenkarneval komme es nicht darauf an, dass das Kostüm fehlerfrei geschneidert ist. Wichtiger sei, dass es etwas größer ausfällt. Schließlich muss der Narr warme Kleidung darunter ziehen und sich nach Kamellen bücken können. Die Kostüme für die Sitzungen seien im Gegensatz dazu raffinierter und feiner gearbeitet und mehr auf die Haut geschneidert.

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