Traumjob Polizist? Nicht wie in der Actionserie

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Deutsche Presse-Agentur

Wie ist es im Polizeiberuf? „Auf jeden Fall nicht wie in der Actionserie“, sagt Kirsten Försterling - und die Jugendlichen im Berufsinformationszentrum der Arbeitsagentur in Halle schmunzeln sogleich.

In langen Stuhlreihen sitzen sie vor ihr, die Gesetzeshüter von morgen - sofern ihr Traum wahr wird. Einige haben ihre Eltern mitgebracht. Försterling, Leiterin des Bereichs Berufsinformation an der Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalts in Aschersleben, will an dem Abend aufklären über die Realität.

So mancher Jugendliche bekommt große Augen, als die Kriminalhauptkommissarin von den Voraussetzungen als Polizist spricht: Wer in den mittleren Dienst will, benötigt mindestens den Realschulabschluss und in Deutsch, Mathematik und Sport mindestens die Note 2. Wer indes mit Abitur ein Studium zum Polizeibeamten im gehobenen Dienst anstrebt, braucht in diesen Fächern nur die Note 4. Daneben müssen die Bewerber von ihrer Gesamtpersönlichkeit geeignet sein, wie es heißt. „Das bedeutet soziale Kompetenz, Einfühlungsvermögen und Kritikfähigkeit“, sagt Försterling.

Und dann gibt es da noch das „K.O.-Kriterium“: eine Mindestgröße von 1,63 Metern, die von Polizeiärzten überprüft wird. Vor drei Jahren habe man noch zwei Zentimeter größer sein müssen, erzählt die Beamtin. Und fügt lächelnd hinzu: „Aber unsere Bewerber werden immer kleiner - darauf mussten wir reagieren.“ Die Bewerberzahl ist nach Angaben der Fachhochschule weit mehr als zehnmal höher als die Zahl der Einstellungen. Auch wenn diese - wie zuletzt - auf 150 pro Jahr erhöht wird. Derzeit gibt es an der Polizeifachhochschule 238 Studenten, rund ein Drittel davon sind weiblich.

Um die geeignetsten Kandidaten aus der Bewerberzahl zu ermitteln, wird auch zum Eignungstest nach Aschersleben gebeten. Dort müssen die potenziellen Nachwuchspolizisten Rechtschreibung, Allgemeinwissen und sportliche Leistungen nachweisen. Und weil der Polizeiberuf auch ein Teamberuf ist, müssen sich die Bewerber im Auswahlverfahren einer Gruppendiskussion mit Mitbewerbern stellen. Wer sich da aufbrausend zeigt, hat schlechte Chancen, wie Försterling sagt: „Schließlich haben Polizisten die Aufgabe, deeskalierend zu wirken.“

Für die 16-jährige Julia Spiller aus Halle ist das an dem Abend alles nicht neu. „Ich möchte eigentlich schon immer Polizistin werden“, sagt sie. So habe sie bereits ein zweiwöchiges Schulpraktikum bei der Polizei in Halle-Neustadt absolviert, die Fachhochschule in Aschersleben besichtigt und ausgiebig im Internet recherchiert. Dabei hat die Gymnasiastin noch viele Monate Zeit für die Bewerbung, die mindestens ein Jahr vor dem Schulabschluss in Aschersleben vorliegen sollte. Am liebsten würde sie Hundeführerin oder Kriminalistin werden.

Försterling betont: „Kriminalpolizisten sind aber nicht nur draußen unterwegs, es muss auch eine Menge schriftlich erledigt werden.“ Dennoch sei in dem Beruf „kein Tag wie der andere“. Mitunter muss sie aber auch Träume platzen lassen. Einer Mutter, die nicht sicher ist, ob ihr Sohn die erforderliche Sehleistung aufbringen kann, sagt nach der Veranstaltung: „Das muss ich jetzt so knallhart sagen - aber wenn er die Sehleistung nicht erreicht, braucht er den Eignungstest gar nicht erst machen.“

Weitere Infos: www.polizei.sachsen-anhalt.de

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