Traditionsclubs jagen Hoffenheims Himmelsstürmer

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Deutsche Presse-Agentur

Normalerweise blasen im Herbst die Konkurrenten zur Bayern-Jagd, doch derzeit ist der auftrumpfende Aufsteiger 1899 Hoffenheim das Maß aller Dinge.

Nach dem viel beachteten 3:0-Sieg gegen den Hamburger SV und dem Sturm an die Tabellenspitze stehen die badischen Himmelsstürmer beim VfL Bochum auf dem Prüfstand. Neben Hoffenheim sind vier weitere Teams aus dem oberen Tabellen-Drittel am Ball: Der HSV will gegen den VfB Stuttgart beweisen, dass die deftige Schlappe gegen Hoffenheim ein einmaliger Ausrutscher war. Bayern München plant bei Eintracht Frankfurt den Angriff auf die ersten drei Plätze, und Hertha BSC will gegen Hannover 96 seine magere Heimbilanz aufpolieren. Die Partie des 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund komplettiert den 10. Spieltag.

Ob ausgerechnet der bislang wenig überzeugende VfL Bochum den Hoffenheimern den Spaß an ihrer ersten Reise ins Revier verderben kann, ist fraglich. Nur ein Saisonsieg steht für die Elf von Marcel Koller zu Buche. Immerhin hat der Schweizer die Zeichen der Zeit nach dem Abrutschen in die Abstiegszone inzwischen erkannt. „Wir laufen ja nicht blind durch die Gegend und nehmen die Situation so an, wie sie ist. Wir stecken unter drin und müssen uns nun frei kämpfen“, sagte Koller vor dem Heimspiel gegen die TSG, die inzwischen nicht nur vor den Konkurrenz, sondern auch in der Öffentlichkeit als Titelanwärter wahrgenommen wird.

Bochums Kapitän Marcel Maltritz gehört nicht zu den Hoffenheim- Fans. „Die werden auch mal einbrechen. Vielleicht schon am Mittwoch gegen uns.“ Koller dagegen, der gegen den Tabellenführer auch Stanislav Sestak (Zehenbruch) und Shinji Ono (Fußprobleme) ersetzten muss, spricht mit große Respekt über den Gegner. „Spielintelligenz, sehr schnelles Umschalten und hoher läuferischer Aufwand“ zählen laut Koller zu den Markenzeichen der Hoffenheimer. Rangnick warnt seine Profis, angesichts der Lobeshymnen die Bodenhaftung zu verlieren: „Über die Qualität der Jungs muss man sich nicht unterhalten, aber sie sollen nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.“

Auch wenn Hoffenheim oben steht, wollen die Traditionsclubs nun allmählich die Verhältnisse in der Eliteliga wieder zurechtrücken. „Wir hatten einen holprigen Start. Aber jetzt kommen wir langsam ins Rollen“, sagte Bayern-Profi Tim Borowski vor dem Spiel bei den Aufholkünstlern aus Frankfurt, die nach zwei Siegen selbstbewusster geworden sind. „Auch gegen die Bayern ist etwas möglich. Dafür müssen alle an die Leistungsgrenze gehen. Die Jungs sind heiß, sich mit den besten Spielern der Bundesliga zu messen“, sagte Trainer Friedhelm Funkel, der allerdings nur eine Notelf aufbieten kann.

Intensive Fehleranalyse betrieb der gestürzte Spitzenreiter Hamburg. HSV-Stürmer Mladen Petric versprach gegen Stuttgart Wiedergutmachung: „Wir stehen wieder auf.“ VfB-Coach Armin Veh wäre nach der mäßigen Leistung beim 2:0 gegen Bochum in Hamburg bereits „mit einem Punkt zufrieden“.

Trotz einer mageren Heimbilanz (erst ein Sieg) hat sich Hertha BSC nach vorn geschlichen und will nun mit einem Dreier im Olympiastadion gegen Hannover nachlegen. Trainer Lucien Fabre hofft, dass die Elf die Müdigkeit nach den Belastungen der letzten Wochen aus den Beinen geschüttet hat. „Wir waren in Dortmund am Ende müde.“

Das Gastspiel des BVB in Köln steht im Zeichen des Trainerduells. Viele sehen bei Jürgen Klopp Parallelen zum FC-Coach Christoph Daum. „Klopp mag manchen an mich in meiner Anfangszeit erinnern. Allerdings habe ich inzwischen mehr Ruhe und Gelassenheit. Klopp hat durch seine Auftritte sicher einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Jetzt muss der zweite Schritt kommen. Dass er seine Bekanntheit mit sportlichen Erfolgen untermauert.“

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